Brustkrebs beim Mann
Brustkrebs gilt als typische Frauenkrankheit, aber auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Etwa ein Prozent aller Brustkrebsdiagnosen betrifft Männer – das sind ca. 500 Neuerkrankungen in Deutschland pro Jahr. Das Durchschnittsalter bei Diagnosestellung liegt bei Männern bei 70 Jahren, also sechs Jahre über dem der Frauen (64 Jahre). Als Grund vermutet man, dass die Diagnose häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt wird.
Die späte Diagnosestellung könnte damit zusammen hängen, dass Männer häufig nicht damit rechnen, an Brustkrebs zu erkranken. Leider lässt sich bei Männern der Auslöser der Erkrankung noch weniger bestimmen als bei Frauen. Es scheint aber so, dass hormonelle Faktoren eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Das bestimmende Geschlechtshormon ist bei Männern das Testosteron, aber der männliche Körper produziert in geringen Teilen auch immer Östrogene – weibliche Geschlechtshormone.
Ein Ungleichgewicht der Hormone, das zu einem Wachstum des Brustgewebes führt, kann verschiedene Ursachen haben: Übergewicht, Leberschäden, Hodenveränderungen, aber auch das Klinefelter-Syndrom, eine angeborene Veränderung der Chromosomenanzahl. Für die davon betroffenen Männer ist das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, genau so hoch wie das von Frauen.
Es gibt außerdem Anzeichen, dass bei einigen betroffenen Männern eine erbliche Belastung vorliegt. Wenn ein Mann oder eine Frau die so genannten Brustkrebsgene BRCA-1 oder BRCA-2 in sich trägt, ist die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, erhöht (siehe auch „Erblicher Brustkrebs“). Wird bei einem Mann eine erbliche Belastung festgestellt, sollten sich auch seine Geschwister genetisch untersuchen lassen.
Da Brustkrebs allgemein als Frauenkrankheit wahrgenommen wird, achten Männer oft nicht auf Veränderungen in der Brust. Viele Veränderungen können gutartiger Natur sein, aber folgende Symptome sollten auf jeden Fall bei einem Arzt abgeklärt werden:
- Veränderte Brustwarze oder veränderter Brustwarzenhof
- Entzündung bzw. Ausfluss aus der Brustwarze
- Knoten oder Verhärtung
- Vergrößerte oder verhärtete Lymphknoten in der Achselhöhle
Männer sollten sich zuerst an den Hausarzt bzw. einen Facharzt für Innere Medizin wenden. Da die Untersuchungen und Therapien sich nicht von denen der Frauen unterscheiden, werden Männer aber mit Sicherheit im Laufe der Behandlung an ein Brustzentrum überwiesen.
Bei Männern wird, aufgrund des geringen Fettgewebes, fast immer eine Mastektomie (operative Entfernung der Brust) durchgeführt. Sie gilt als Standard. Die Operation ist für Männer grundsätzlich die wichtigste Behandlungsform. Außerdem kommen bei einigen Männern Strahlen- und Chemotherapie zum Einsatz. Da die männlichen Krebszellen fast immer hormonabhängig sind, spielt die Anti-Hormontherapie eine große Rolle. Zu den zielgerichteten Therapien, z.B. Antikörpertherapie, gibt es leider keine ausreichende Datenlage, deswegen können hierzu keine Empfehlungen gegeben werden. (Zu den Therapien siehe auch „Brustkrebs/Therapie“)
Im Anschluss an die Behandlung nehmen viele Patienten eine Rehabilitationsmaßnahme wahr. Leistungsträger ist bei gesetzlich Versicherten die Kranken- oder Rentenversicherung. Bei privat Versicherten gilt der jeweilige Vertrag. Eine Krebserkrankung auch psychisch zu verarbeiten, kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Für Männer mit einer Brustkrebserkrankung kommt noch das Stigma hinzu, dass sie an einer vermeintlich reinen Frauenkrankheit erkrankt sind und die Umwelt häufig mit Unglauben und auch Unverständnis reagiert. Seit kurzem gibt es das Netzwerk „Männer mit Brustkrebs“, das Männern Unterstützung in dieser schwierigen Situation bietet (www.brustkrebs-beim-mann.de).
