Psychosoziale Aspekte

„Warum ausgerechnet ich?“ – Diese Frage stellen sich viele Frauen, die mit der Diagnose „Brustkrebs“ konfrontiert werden. Die Situation trifft sie mitten ins Herz und führt nicht selten in eine emotionale Sackgasse. Auch die Frage „Habe ich die Krankheit selbst verursacht?“ wird häufig gestellt. Sie erschwert vielen den Umgang mit der Erkrankung. Da es viele Faktoren gibt, die Brustkrebs möglicherweise begünstigen, kann Schuld nicht dem eigenen Fehlverhalten angelastet werden. Die Schuldfrage führt in der Regel nicht weiter, wichtiger ist es, sich mit der Krankheit auseinander zu setzen.

Die Zeit nach der Therapie

Die Therapie ist für die Frauen zwar sehr belastend, aber sie gibt ihnen auch ein Gefühl der Sicherheit. Der Ablaufplan steht fest – sie sind im ständigen Kontakt mit dem medizinischen Personal und können so alle Fragen und Unsicherheiten sofort klären. Nach Abschluss der Therapie beginnt für viele Frauen eine schwierige Zeit, auf die sie häufig nicht vorbereitet sind.

Ihre Umgebung geht davon aus, dass mit dem Therapieende alles überstanden ist und die Frau wieder „normal“ im Leben steht. Damit wachsen aber auch sofort die Anforderungen, die an die geheilte Patientin gestellt werden. Sie soll nun die verschiedenen Rollen wieder einnehmen, die sie vor der Erkrankung ausgefüllt hat: die Rolle als Mutter, Berufstätige oder Partnerin.

Während manche Frauen diesen Ansprüchen leicht gerecht werden und so eine ideale Wiedereingliederung erfahren, sind andere überfordert und fühlen sich stark unter Druck gesetzt. Häufig reagieren sie mit Ohnmacht, Resignation und Trauer, da sie die an sie gestellten Anforderungen nicht erfüllen können. Gefühle der Angst vor einem Rezidiv oder Unsicherheit bezüglich der eigenen Weiblichkeit werden nicht selten dadurch verstärkt und können extrem belasten.

In dieser Phase muss die Patientin aktiv Hilfe suchen und für sich selbst herausfinden, welche Unterstützung für sie die beste ist. Gerade der Kontakt zu Patientinnen in vergleichbaren Situationen hat sich als sehr hilfreich erwiesen. Gespräche in einer Selbsthilfegruppe können dazu beitragen, die eigene Situation besser zu verstehen und sich selbst Zeit für den Weg zurück ins Leben zu geben. Ärzte und Psychologen, die sich auf dieses Feld spezialisiert haben – so genannte Psychoonkologen – sind in dieser Situation wichtige Ansprechpartner.