Rezidiv bei Brustkrebs: Wenn der Krebs wiederkommt

Alle Frauen, die einmal an Brustkrebs erkrankt sind oder waren, kennen sie: Die Angst vor einem Rückfall. Der medizinische Fachbegriff für wiederkehrenden Brustkrebs lautet Rezidiv. Entscheidend für die Behandlung und eine mögliche Heilung ist jedoch die Art des Rezidivs. 

Werde ich gesund bleiben? – Angelika, Diagnose 2011

Was ist ein Rezidiv?

Bei Brustkrebs im Rezidiv ist die primäre Brustkrebserkrankung nach einer bestimmten Zeit zurückgekehrt. Der Begriff „Rezidiv“ leitet sich aus dem lateinischen Verb „recidere“ ab und bedeutet wörtlich übersetzt „zurückfallen“. Nicht nur bei Brustkrebs, sondern auch bei anderen Erkrankungen bezeichnet ein Rezidiv ganz allgemein das Wiederauftreten einer Erkrankung nach einer symptomfreien Phase. Doch was tun, wenn der Krebs wiederkommt? Wenn sich die Angst vor einem Rückfall bestätigt hat? Wenn Ihr Arzt bei Ihnen ein Rezidiv festgestellt hat, benötigen Sie vor allem Klarheit darüber, in welcher Form genau der Brustkrebs wieder aufgetaucht ist. Denn das Erscheinungsbild eines Rezidivs kann sehr unterschiedlich sein. Doch genau wie die Form eines Rezidivs unterscheiden sich auch die  Behandlungsmöglichkeiten und damit verbunden die eventuellen Heilungschancen.  

Lokalrezidiv

Oft tritt der Tumor in der bereits zuvor betroffenen Brust auf. Tritt Brustkrebs am ursprünglichen Ort des Tumorwachstums wieder auf, sprechen die Ärzte von einem Lokalrezidiv – also einem Rezidiv an gleicher  Stelle wie bei der Ersterkrankung.  Konkret bedeutet dies, dass sich ein neuer Tumor in der behandelten Brust, beziehungsweise im nach einer Operation verbliebenen Brustgewebe, gebildet hat. Selbst wenn die betroffene Brust komplett entfernt wurde, kann sich an der Brustkorbwand, der Achselhöhle oder in der Nähe des Schlüsselbeins ein Tumor bilden. Mediziner sprechen dann von einem lokoregionären Rezidiv – also einem Rezidiv im Bereich der Ersterkrankung. Ein Lokalrezidiv fällt meist bei Tastuntersuchungen oder bei Nachsorgeterminen auf.

Rezidiv mit Metastasen

Bei anderen Frauen haben freie Tumorzellen des ursprünglichen Tumors an anderen Stellen des Körpers Tochtergeschwülste gebildet. Diese Absiedlungen des ursprünglichen Tumorgewebes werden als Metastasen bezeichnet. Bei einem Rezidiv mit Metastasen können Tumorzellen in den Knochen, aber auch in Organen wie Lunge, Leber und Gehirn zu finden sein. Diese Form des Rezidivs macht sich häufig durch Schmerzen in den betroffenen Körperbereichen bemerkbar.

Das Rückfallrisiko bei Brustkrebs

Information und Aufklärung können helfen, sich mit einer Erkrankung wie Brustkrebs auseinanderzusetzen. So kann auch das Wissen um die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs vielen Frauen Sicherheit geben. Die Rückfallquote bei Brustkrebs fällt jedoch unterschiedlich aus, je nachdem um welche Art  des Rezidivs es sich handelt. Ein Lokalrezidiv im Gewebe der behandelten Brust kommt bei fünf bis zehn Prozent aller Patientinnen innerhalb von zehn Jahren nach einer Erstbehandlung vor. Seltener ist ein Lokalrezidiv an der Brustkorbwand, nachdem die Brust entfernt wurde: Davon sind nur etwa vier bis fünf Prozent aller Patientinnen im Zeitraum von 10 Jahren nach der Ersterkrankung betroffen. Metastasen hingegen  werden ungefähr bei einem Viertel aller Brustkrebspatientinnen nach einer Ersterkrankung festgestellt; etwa 25 Prozent aller ehemaligen Patientinnen sind von metastasiertem Brustkrebs betroffen. 

Rezidiv und Heilungschancen

Die Heilungschancen von Brustkrebs im Rezidiv richten sich vor allem nach der Lage des Tumorgewebes. Handelt es sich um ein Lokalrezidiv, also um eine klare örtliche Begrenzung, bestehen – genau wie bei einer Ersterkrankung – Chancen auf langfristige Heilung. Die Behandlung zielt darauf ab, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen.

Bei einem Rezidiv mit Metastasen ist laut medizinischer Definition nicht mehr von Heilung die Rede. Die Brustkrebserkrankung wird stattdessen zu einer chronischen Erkrankung. Die Behandlungen verfolgen dann das Ziel, die Metastasen zu kontrollieren und die Lebensqualität der Patientin so lange wie möglich zu erhalten. 

Metastasen: veränderte Tumoreigenschaften?

Die Krebszellen einer Metastase können andere Eigenschaften aufweisen als der ursprüngliche Tumor. So können sich beispielsweise sowohl der HER2- als auch der Hormonrezeptorstatus ändern. Um die richtige medikamentöse Behandlung auszuwählen, sollte daher, wenn möglich, immer eine Biopsie der Metastasen erfolgen.

Ein Rückfall nach vielen Jahren – Barbara, Diagnose 1989

Diagnose: Wie wird rezidiver Brustkrebs festgestellt?

Frauen, die bereits einmal an Brustkrebs erkrankt waren, werden sehr genau auf die Anzeichen ihres Körpers achten. Möglicherweise tasten sie sich regelmäßiger ab oder nehmen Kontrolluntersuchungen noch bewusster wahr. Achtsamkeit im Umgang mit dem eigenen Körper ist generell etwas Positives. Einige Frauen glauben jedoch, dass sie durch ihr eigenes Verhalten, durch bestimmte Ernährungsweisen oder durch psychische Einstellungen ein Rezidiv abwenden oder auslösen. Dies ist aus medizinischer Sicht klar zu widerlegen. Die Verantwortung für das Auftreten eines Rezidivs liegt nicht bei der Patientin.

Bei einem Verdacht auf einen Rückfall, sollten sich Betroffene vertrauensvoll an ihren Arzt wenden. Auch hier gilt: Die Art des Rezidivs bestimmt über seine Diagnose: Ein Lokalrezidiv ähnelt in vielerlei Hinsicht der Ersterkrankung. Deshalb sollten Frauen auf typische Symptome achten, wie Schmerzen, Schwellungen, ungleich aussehende Brüste und Hautrötungen, sowie tastbare Veränderungen und Knoten. Ein Arzt wendet die gleichen Diagnosemethoden wie bei der Ersterkrankung an. Dies sind insbesondere Tastuntersuchungen am Brustgewebe und den umgebenden Lymphknoten. Auch eine Ultraschalluntersuchung der Brust wird der Arzt durchführen.

Auch eine erhöhte Konzentration von Tumormarkern kann einen Hinweis auf eine erneute Krebserkrankung liefern. Tumormarker sind körpereigene Substanzen, die entweder vom Tumor selbst oder vom Körper als Reaktion auf das Vorhandensein einer Krebserkrankung gebildet werden. Wichtig ist nicht ein einmalig gemessener Wert, sondern der Verlauf, also der Vergleich des aktuellen Wertes mit bereits gewonnenen Daten. Ein erhöhter Wert kann jedoch auch auf eine Entzündung im Körper zurückzuführen sein. Tumormarker allein erlauben somit keine Diagnose, doch können sie während und nach der Therapie helfen, den Verlauf der Erkrankung besser zu beurteilen.

Prof. Dr. Andreas Schneeweiß zur Therapie beim fortgeschrittenen Brustkrebs

Brustkrebs im Rezidiv: Die Behandlung

Die Behandlung eines Brustkrebsrückfalls richtet sich nach der vorliegenden Form des Rezidivs, dem Stadium der Erkrankung und den Tumoreigenschaften. Bei einem lokalen Rezidiv wird immer versucht, das Tumorgewebe zunächst operativ zu entfernen (sofern Größe und Lage des Tumors dies zulassen). Im Anschluss werden Chemo-, Strahlen-, Antihormon- bzw. Antikörpertherapie wie bei der Ersterkrankung in Erwägung gezogen und aufeinander abgestimmt. Die Behandlung eines Lokalrezidivs erfolgt kurativ; das heißt mit dem Ziel einer Heilung.

Ein Rezidiv mit Metastasen bedeutet, dass die Patientin fortwährend medikamentös behandelt wird. Auch hier wird die genaue Therapieplanung auf Lage und Ausbreitung des Tumorgewebes ausgerichtet. Die Behandlung eines Rezidivs mit Metastasen erfolgt palliativ, das heißt mit dem Ziel, die Lebensqualität einer chronisch kranken Brustkrebspatientin so lange und so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. Dies ist nach heutigem medizinischem Forschungsstand auch in dieser Form des Rezidivs grundsätzlich lange möglich.

Metastasen: veränderte Tumoreigenschaften?

Die Krebszellen einer Metastase können andere Eigenschaften aufweisen als der ursprüngliche Tumor. So können sich beispielsweise sowohl der HER2- als auch der Hormonrezeptorstatus ändern. Um die richtige medikamentöse Behandlung auszuwählen, sollte daher, wenn möglich, immer eine Biopsie der Metastasen erfolgen.

„Die Antikörper spielen heute eine große Rolle beim metastasierten Mammakarzinom. Wir wissen, dass die Antikörpertherapie auch in der Primärbehandlung von besonderer Bedeutung ist. Daher ist es ganz wichtig, vor der Therapie den HER2/neu-Status zu bestimmen. Wenn dieser positiv ist, geben wir immer Antikörper mit dazu.“

Prof. Dr. med. Nadia Harbeck