Leckere Rezepte, leichte Sportübungen.
Der neue Newsletter – hier anmelden!

Therapieformen bei Brustkrebs

Jede Brustkrebserkrankung wird individuell therapiert. Das Stadium der Erkrankung, die Beschaffenheit des Tumors und auch die Vorgeschichte der Patientin spielen bei der Entscheidung für eine bestimmte Therapie eine Rolle.

Bei der Behandlung von Brustkrebs kommen eine Reihe unterschiedlicher Therapien zur Anwendung. Ein gutes Verständnis der verschiedenen Therapieoptionen ermöglicht es der Patientin, sich bewusst für ein Verfahren zu entscheiden und die nachfolgende Zeit bestmöglich zu bestreiten. Im Gespräch mit dem Arzt können offene Fragen beantwortet werden. 

Normalität während der Therapie erleben – Angelika, Diagnose 2011

Die Brustkrebstherapie basiert auf drei Säulen: Operation, medikamentöse Therapie und Strahlentherapie. Häufig folgen diese unterschiedlichen Ansätze aufeinander und auch eine Kombination verschiedener Medikamente ist möglich. Die Patientin entscheidet sich gemeinsam mit dem Arzt für die individuell beste und erfolgversprechendste Behandlung.

Nach der Diagnose „früher Brustkrebs“ kann meist direkt die Operation und im Anschluss die Chemotherapie (adjuvante Therapie) erfolgen. Bei der neoadjuvanten Therapie wird die Chemotherapie vor der Operation gegeben. Dies hat Vorteile, da man das Ansprechen des Tumors auf die Therapie messen kann.

Neoadjuvante Therapie

Eine medikamentöse Therapie vor der Operation kann einen bösartigen Tumor verkleinern, so dass weniger Gewebe entfernt werden muss. Dies ist häufig bei großen Tumoren eine gute Option. Spricht der Tumor auf die neoadjuvante Therapie an, kann seine Größe reduziert und die Operation möglicherweise brusterhaltend durchgeführt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass man direkt die Wirksamkeit der Therapie messen kann. Auch nach der Operation schließt sich oft eine weitere Behandlung an. Diese kann beispielsweise aus Strahlentherapie, Antihormontherapie oder Antikörpertherapie bestehen.

Adjuvante Therapie

Nach der Operation und der Untersuchung des Tumors erfolgt die adjuvante Therapie in Form von Strahlen-, Chemo-, Antikörper- oder Antihormontherapie. 

Operation

Bei einer Operation werden das Tumorgewebe und eventuell befallene Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt. Viele Patientinnen empfinden den Eingriff daher als positiven ersten Schritt der Behandlung, der den Körper vom Tumor befreit. Der Chirurg entfernt den Tumor und das Tumorbett. Der Randsaum zum Tumor gilt als Sicherheitsabstand zwischen gesundem und krankem Gewebe. Die Operationstechniken werden immer schonender. Heute werden neben dem Tumorgewebe zunächst nur die sogenannten Wächterlymphknoten entfernt (Sentinel-Node-Biopsie), um weitere Lymphknoten vorerst im Körper erhalten zu können. Es wird also nicht mehr Gewebe entfernt, als wirklich notwendig.  

Sentinel-Node-Biopsie

Die Sentinel-Node Biopsie gehört zu den heute gängigen Operationsverfahren: „Sentinel lymph node“ ist die englische Bezeichnung für „Wächterlymphknoten“. Dieser Lymphknoten steht in direkter Verbindung zum Tumorgebiet. Bei der Operation wird er mithilfe eines Kontrastmittels markiert, operativ entfernt und feingeweblich (histologisch) untersucht. Wenn der Wächterlymphknoten nicht von Krebszellen betroffen ist, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die übrigen Lymphknoten befallen sind. Diese müssen dann nicht entfernt werden und das Risiko eines Lymphödems sinkt deutlich.

Brusterhaltend operieren

Die meisten Operationen werden heute brusterhaltend durchgeführt (BET = Brusterhaltende Therapie) und nur der betroffene Anteil des Brustgewebes wird entfernt. Eine kaum sichtbare Narbe bleibt von diesem Eingriff zurück. Die vollständige Amputation der Brust (Mastektomie) kommt im Vergleich zur brusterhaltenden Operation seltener vor.

00% der Mamma-Karzinome können brusterhaltend operiert werden

Quelle: rki.de

Kann die Brust erhalten werden? – Angelika, Diagnose 2011

Zu Beginn der Brustkrebstherapie steht für die meisten Patientinnen die Sicherheit im Vordergrund; Gesundwerden ist nun das Wichtigste. Musste die gesamte Brust operativ entfernt werden, haben viele Frauen nach einiger Zeit jedoch den Wunsch, die Brust wieder aufbauen zu lassen (Rekonstruktion). Die Brust ist für die meisten Frauen Ausdruck ihrer Weiblichkeit und ihres Selbstwertgefühls. Die kosmetische Chirurgie hält hierfür unterschiedliche Möglichkeiten bereit, die ein ästhetisch gutes Ergebnis erzielen.  

Wiederaufbau – wann ist der geeignete Zeitpunkt?

Fragen Sie Ihren Arzt nach den für Sie passenden Möglichkeiten einer Brustrekonstruktion und lassen Sie sich Zeit mit Ihrer Entscheidung. Für manche Patientinnen ist der Wiederaufbau schon im Rahmen der Mastektomie eine Option, für andere Patientinnen erst zu einem späteren Zeitpunkt. Ob, wann und mit welcher Methode Sie Ihre Brust wiederaufbauen lassen, klären Sie am besten in einem ausführlichen Beratungsgespräch mit Ihrem behandelnden Arzt.

Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie oder Radiotherapie wird das ehemalige Tumorbett und die Brust bestrahlt. Mithilfe von Strahlen wird das Erbmaterial der bestrahlten Zellen geschädigt. Die Zellen sterben ab. Dadurch können eventuell verbliebene Tumorzellen zerstört und die Heilungschancen deutlich verbessert werden. Sie wird vor allem im Anschluss an die Operation angewendet. Wird keine zusätzliche Chemotherapie durchgeführt, kann die Bestrahlung wenige Wochen nach der Operation beginnen. Bei einer Chemotherapie erfolgt die Bestrahlung meist nach Abschluss dieser. Manchmal wird sie auch zwischen Operation und Chemotherapie angewendet. Über einen Zeitraum von etwa 30 Tagen wird die Brust täglich wenige Sekunden bestrahlt. Die Bestrahlung erfolgt in der Regel in Rückenlage. Bestrahlt wird nur ein vorher präzise ausgemessener Bereich.  

Strahlentherapie

Brustkrebs - Strahlentherapie im Tumorbett
Strahlentherapie im Tumorbett

Auch intraoperativ, also noch während der Operation, wird bei manchen Patientinnen das Tumorbett bestrahlt. Damit kann die Nachbestrahlung um ein bis zwei Wochen verkürzt werden. Die Strahlentherapie kann ein brennendes Gefühl auf der Haut verursachen, vergleichbar mit einem Sonnenbrand. Eine intensive Pflege der Haut mit speziellen, dafür vorgesehenen Cremes kann diese Spannungen lindern. Als häufige körperliche Begleiterscheinungen werden zudem Müdigkeit (Fatigue) und Unwohlsein angegeben.

»Die moderne Strahlentherapie hat heute die Möglichkeit, die Strahlen sehr genau zu richten.« 

Prof. Dr. med. Nadja Harbeck

Mögliche Reaktionen auf die Behandlung – Angelika, Diagnose 2011

Behandlungen, die im ganzen Körper angewandt werden, heißen systemische Therapien und gelangen intravenös (in eine Vene), in Tablettenform oder subkutan über die Haut in den Organismus. 

Chemotherapie

Zu den wichtigsten systemischen Therapien bei Brustkrebs gehört die Chemotherapie. Hierbei hemmen spezielle Medikamente, Zytostatika, die Vermehrung von Krebszellen und bringen diese zum Absterben. Oft werden verschiedene Zytostatika kombiniert. Sie werden in Zyklen verabreicht und bilden zusammen sogenannte Schemata.

Zytostatika

Zytostatika sind Zellgifte, die vor allem schnell wachsende Zellen wie Tumorzellen vernichten. Zu ihnen gehören insbesondere Anthrazykline und Taxane. Zytostatika greifen aber auch gesunde Zellen an, die sich häufig teilen. Besonders davon betroffen sind Haarfollikel, Knochenmark und die Schleimhäute.

Die Anzahl der Zyklen und die genaue Darreichungsform können innerhalb einer Chemotherapie variieren. Heutzutage ist eine Chemotherapie meist nicht mehr mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden. Die Verabreichung erfolgt in der Regel entweder wöchentlich oder dreiwöchentlich per Infusion über ein Port-System unter der Haut oder direkt in die Vene in der Armbeuge. Die Patientinnen erhalten die Medikamente ambulant im Sitzen und können nach etwa drei bis vier Stunden wieder nach Hause gehen. Im Behandlungsraum sitzen sie gemeinsam mit anderen Patientinnen. Seit einigen Jahren ist auch die Verabreichung einiger Chemotherapeutika oral in Tablettenform zuhause möglich. Hierbei ist es wichtig, dass die Tabletten oder Kapseln regelmäßig eingenommen werden, um die beste Wirkung zu erreichen. 

Brustkrebs - Wirkweise der Chemotherapie
Wirkweise der Chemotherapie

Viele Patientinnen haben Angst vor dieser Therapieform und den bekannten Begleiterscheinungen. In den letzten Jahren wurden jedoch zahlreiche Zytostatika entwickelt, die weniger Nebenwirkungen hervorrufen. Außerdem sind die Medikamente, die die Nebenwirkungen erleichtern (Supportivmedikamente), sehr viel besser geworden.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie zählen Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall. Darüber hinaus kommt es oft zu Durchfall und Bauchschmerzen. Auch Müdigkeit (Fatigue) wird häufig angegeben. Da auch blutbildende Zellen des Knochenmarks in Mitleidenschaft gezogen werden, kann es zu Störungen des Blutbilds und einem erhöhtem Infektionsrisiko kommen. Viele Patientinnen empfinden den Haarverlust als besonders belastend. Dieser ist, wie die meisten Begleiterscheinungen, jedoch nur vorübergehend. Die Haare wachsen nach Ende der Chemotherapie innerhalb von drei bis sechs Monaten wieder nach.

Was macht die Chemotherapie in meinem Körper? – Barbara, Diagnose 1989

Generell ist die Verträglichkeit eines Präparates von Patientin zu Patientin verschieden. Oft lohnt sich ein offenes Gespräch mit dem behandelnden Arzt, um die individuell verträglichste Therapie herauszufinden. Hier sollten Betroffene auch jede Begleiterscheinung vertrauensvoll ansprechen. Oft gibt es eine Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern.

Antihormontherapie

Zur Dauer der Antihormontherapie – Alexandra, Diagnose 2011

Hormone beeinflussen viele wichtige Prozesse im Körper, wie das Knochenwachstum und den Menstruationszyklus der Frau. Durch die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron wird jedoch auch das Wachstum von hormonabhängigen Tumorzellen stimuliert (siehe „Ursachen und Risikofaktoren“). Deshalb erhalten etwa zwei Drittel aller Brustkrebspatientinnen nach einer Operation Antihormonpräparate in Tablettenform, die ein weiteres Wachstum der Tumorzellen unterbinden. In der Regel wird die antihormonelle Therapie über einen Zeitraum von fünf Jahren verordnet, damit sie ihre volle Wirkung erzielen kann. Mit ihrer Hilfe kann das Wachstum oder die Neubildung von Krebs verhindert werden. Die Antihormontherapie kann in frühen Stadien einer Brustkrebserkrankung nach der Operation auch als alleinige Therapie verordnet werden.  

Bei der Antihormontherapie kommen verschiedene Substanzen zum Einsatz – je nachdem, ob die Patientin bereits in den Wechseljahren ist oder nicht. Die Therapien im Überblick: 

Östrogenrezeptor-Antagonisten

blockieren Rezeptoren oder beschleunigen ihren Abbau und verhindern so die Östrogenwirkung

Aromatasehemmer

verhindern die Östrogenbildung im Gewebe (nicht in den Eierstöcken)

GnRH-Analoga

unterdrücken Östrogenbildung in den Eierstöcken (Depotspritze in die Bauchhaut)

Antihormontherapien können beim metastasierten Brustkrebs auch gemeinsam mit anderen zielgerichteten Medikamenten gegeben werden. Ein Beispiel dafür sind sogenannte mTOR-Hemmer.

Bei manchen Patientinnen ist der PI3K/AKT/mTOR-Signalweg, der das Zellwachstum reguliert und eine Resistenz gegen Antihormontherapien verursachen kann, übermäßig aktiv. Eine Hemmung dieses Signalweges kann das Ansprechen des Tumors auf eine Antihormontherapie (wieder) verbessern. Nebenwirkungen von mTOR-Hemmern sind Entzündungen der Mundschleimhaut und bestimmte Infektionen.

Ein weiterer Signalwege-Hemmer, der bei hormonsensitiven Tumoren zum Einsatz kommen kann, hemmt bestimmte Enzyme, die das Zellwachstum steuern. Es handelt sich um die sogenannten Cyclin-abhängigen Kinasen (CDK) 4 und 6. Sie werden zusammen mit einer Antihormontherapie verabreicht. Das Fortschreiten der Erkrankung kann damit verlangsamt werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Veränderungen des Blutbildes, die zu erhöhter Infektanfälligkeit und Müdigkeit führen können, sowie Verdauungsbeschwerden.

 

 

Zielgerichtete Therapien

Unter zielgerichteten Therapien sind neue Arten der medikamentösen Krebstherapie zusammengefasst. Die Wirkstoffe setzen an spezifischen Merkmalen an, die es so nur in Tumorzellen gibt, oder die eine zentrale Rolle beim Tumorwachstum spielen.

Da diese Merkmale auf gesunden Zellen kaum oder gar nicht vorkommen, werden diese geschont und die Begleiterscheinungen sind vergleichsweise gering. Für die zielgerichtete Brustkrebsbehandlung stehen aktuell zwei verschiedene Therapieansätze zur Verfügung: Anti-HER2-gerichtete Antikörpertherapien und Angiogenesehemmer.

Antikörpertherapie

Bei Antikörpern handelt es sich um Bestandteile des körpereigenen Immunsystems. Die wichtigste Aufgabe ist die Abwehr von Krankheitserregern. Sie heften sich an alle vom Immunsystem als körperfremd erkannten Strukturen, z. B. Bakterien. Gegen körpereigene Zellen sind Antikörper normalerweise nicht aktiv. Da Tumorzellen eigene Körperzellen sind, werden sie vom Immunsystem nicht erkannt. Im Labor werden künstliche Antikörper hergestellt, die Oberflächenstrukturen auf Tumorzellen erkennen und binden. Die Antikörper greifen somit gezielt Tumorzellen an. Im Gegensatz zu Zytostatika, die auf den ganzen Körper wirken, werden gesunde Zellen dabei geschont. In der Brustkrebstherapie stehen unter anderem Antikörper, die gegen den Rezeptor HER2 gerichtet sind (Anti-HER2-gerichtete Therapien), zur Verfügung. 

Anti-HER2-gerichtete Therapien
Der Rezeptor HER2 (Humaner Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2) ist ein Protein (Eiweiß) auf der Zelloberfläche. Diese Eiweißstruktur übermittelt der Zelle Wachstumssignale, damit sie sich teilen und vermehren kann. Dies ist ein natürlicher Vorgang der Zellteilung. Befinden sich jedoch zu viele dieser Rezeptoren auf der Zelloberfläche, werden zu viele Wachstumssignale ins Zellinnere übertragen und es kommt zu einer unkontrollierten Zellteilung. Bei etwa 20 Prozent aller Brustkrebspatientinnen ist die Anzahl der HER2-Rezeptoren auf den Tumorzellen deutlich erhöht. Dieses Übermaß wird als HER2-Überexpression bezeichnet und die Form der Brustkrebserkrankung als HER2-positiver Brustkrebs. Daher ist der HER2-Status-Check besonders wichtig.

Zielgerichtete Therapie bei Brustkrebs - Doppelte Wirkweise der Antikörpertherapie
Doppelte Wirkweise der Antikörpertherapie

Durch die zielgerichtete Antikörpertherapie werden die HER2-Rezeptoren blockiert, die Tumorzellen können sich nicht weiter teilen und sterben ab. Dabei kommen je nach Stadium der Erkrankung verschiedene HER2-Antikörper und Kombinationen zum Einsatz.

Im frühen sowie fortgeschrittenen Stadium nutzt man einen Antikörper, der an die HER2-Rezeptoren auf der Oberfläche der Tumorzelle bindet und dort die Übertragung von Wachstumssignalen ins Zellinnere blockiert. Die körpereigenen Abwehrzellen des Immunsystems erkennen darüber hinaus die von den Antikörpern markierten Tumorzellen als schädlich und können sie zerstören. Diese HER2-Antikörper können als Infusion intravenös oder per Spritze unter die Haut (subkutan) verabreicht werden. Eine Verabreichung per Infusion dauert zwischen 30 und 90 Minuten, per Spritze etwa fünf Minuten. Die Infusion erhalten die Patientinnen wöchentlich oder alle drei Wochen; die Spritze wird ebenfalls im Drei-Wochen-Rhythmus verabreicht.

Für das metastasierte Stadium steht ein weiterer Antikörper zur Verfügung, der die Wirkung des ersten HER2-Antikörpers verstärkt. Dieser Wirkstoff bindet an einer anderen Stelle an den HER2-Rezeptor. Er verhindert die Paarbildung der HER2-Rezeptoren (Dimerisierung) und wird HER2-Dimerisierungs-Inhibitor (HDI) genannt. Durch diese Blockade wird die Weiterleitung von Wachstumssignalen ins Zellinnere noch effektiver unterbunden.
Durch die Wirkstoffkombination kann die Behandlung des HER2-positiven, metastasierten Brustkrebses verbessert und ein Fortschreiten der Erkrankung deutlich reduziert werden. Die beiden Antikörper werden in Kombination und zusammen mit einer Chemotherapie gegeben und jeweils als Infusion verabreicht. Seit neuestem wird diese Kombination beider Antikörper auch vor einer Operation, also im Rahmen einer neoadjuvanten Behandlung, verabreicht.

Für das fortgeschrittene Brustkrebs-Stadium steht noch ein weiteres Medikament, ein sogenanntes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat zur Verfügung. An den Antikörper wurde ein effektives Zytostatikum gebunden. Der Antikörper transportiert das Zytostatikum dann gezielt zu den HER2-positiven Tumorzellen, das Zytostatikum wird in die Zelle geschleust und zerstört diese dort. So werden die Therapieprinzipien der HER2-Antikörpertherapie und der Chemotherapie kombiniert. Da das Zytostatikum gezielt in der Krebszelle wirkt, werden weniger gesunde Zellen beeinträchtigt und die Therapie ist besser verträglich als eine Chemotherapie. Das HER2-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat wird als Infusion verabreicht.

Generell ist die HER2-Antikörpertherapie gut verträglich. Häufige Begleiterscheinungen sind zum Beispiel grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Diese treten häufig nur bei der ersten Gabe auf und verschwinden dann. Da die Antikörper jedoch in seltenen Fällen herzschädigend sein können, muss die Herzfunktion unter der Therapie regelmäßig kontrolliert werden. Die Schädigung ist jedoch reversibel und verschwindet nach Absetzen der Antikörpertherapie wieder.

Ebenfalls für das metastasierte Stadium nutzt man einen weiteren, am HER2-Rezeptor aktiven Wirkstoff. Bei diesem handelt es sich um einen sogenannten Tyrosinkinase-Hemmer. Tyrosinkinasen sind für die Aktivierung der Signalübertragungswege innerhalb der Zelle verantwortlich. So können die HER2-Rezeptoren zwar weiterhin Wachstumsfaktoren binden, die Signale können jedoch nicht mehr übertragen werden. Dieses Medikament wird in Tablettenform verabreicht. Häufige Nebenwirkungen betreffen den Verdauungstrakt und die Haut.

Antiangiogenese

Das Wort Angiogenese beschreibt die Bildung neuer Blutgefäße. Tumorzellen benötigen wie alle Zellen im menschlichen Körper Sauerstoff und Nährstoffe. Ab einer bestimmten Größe benötigt ein Tumor eigene Blutgefäße, um sich ausreichend versorgen zu können. Hierfür bildet er Wachstumsfaktoren, die als Signale zur Bildung neuer Blutgefäße dienen. Der Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) ist dabei entscheidend. Empfängt ein Blutgefäß das VEGF-Signal, werden weitere Blutgefäße in die Richtung des Signals ausgebildet. Fortan wird der Tumor besser versorgt und kann sich ausdehnen. Dieser Prozess heißt Tumorangiogenese.

Um die Tumorangiogenese zu unterbinden, wurden spezielle Antikörper entwickelt (Angiogenesehemmer). Sie fangen das vom Tumor gebildete VEGF-Signal ab und blockieren somit die Blutgefäßneubildung. Bereits bestehende Blutgefäße an den Tumorzellen bilden sich zurück.

Ein Angiogenesehemmer ist seit 2007 für die Therapie von Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen. Die Therapie erfolgt immer in Kombination mit einer Chemotherapie. Dadurch wird der Tumor von zwei Seiten angegriffen: Die Chemotherapie zerstört die sich teilenden Tumorzellen, der Angiogenesehemmer blockiert die Blutversorgung des Tumors. Die Kombinationstherapie wird alle zwei bis drei Wochen als Infusion verabreicht. Bei manchen Patientinnen kann es während der Behandlung zu einem Blutdruckanstieg kommen, weshalb der Blutdruck regelmäßig überwacht werden muss. Auch Nasenbluten kann als Begleiterscheinung auftreten.

Zielgerichtete Therapie - Wirkweise der Antiangiogenese
Wirkweise der Antiangiogenese

Bisphosphonate

Metastasen bei Brustkrebs finden sich oft in den Knochen. Diese machen sich in erster Linie durch Schmerzen in den betroffenen Körperbereichen bemerkbar und verursachen dort Knochenabbau. Kalzium wird aus den Knochen ins Blut geschwemmt. Die Knochen werden in der Folge instabil. Durch den Anstieg des Kalziumspiegels im Blut wird zudem der Stoffwechsel beeinträchtigt. Knochenmetastasen werden mit Bisphosphonaten therapiert. Sie hemmen den weiteren Knochenabbau, beugen einem Kalziumüberschuss im Blut vor und lindern vor allem die Schmerzen.

Einige der Wirkstoffe gibt es in Tablettenform und zur Infusion, andere stehen nur als Infusionslösung zur Verfügung. Die Verabreichung erfolgt, abhängig vom Wirkstoff, in festgelegten Zeitabständen. Trotz einer grundsätzlich eher guten Verträglichkeit kann es, ähnlich wie bei der Gabe von Antikörpern, bei den ersten Infusionen zu grippeähnlichen Symptomen kommen.

Auch Antikörper können den Knochenabbau verhindern. Diese können als Infusion oder subkutan verabreicht werden.

Krebsimmuntherapie

Unser Immunsystem bekämpft nicht nur von außen kommende Krankheitserreger, sondern auch kranke Körperzellen im Inneren – und somit auch Krebszellen. Diese können die körpereigene Abwehr jedoch regelrecht „ausbremsen“. Hier setzen neue Krebsimmuntherapien an: Sie können diese Bremsen wieder lösen. Sie bekämpfen also den Tumor nicht direkt, sondern helfen dem Immunsystem, Krebszellen zu zerstören.

Weitere Informationen zur Krebsimmuntherapie finden sie hier.