Antihormontherapie

Weiblichen Geschlechtshormone können bei hormonabhängigem Brustkrebs bewirken, dass Krebszellen schneller wachsen und sich ausbreiten. Eine Antihormontherapie bei Brustkrebs bekämpft daher jene Zellen, deren Wachstum durch Hormone stimuliert wird.

Zur Dauer der Antihormontherapie – Alexandra, Diagnose 2011

Was macht eine Antihormontherapie?

Die Antihormontherapie richtet sich gegen das Wachstum von bestimmten Krebszellen. Dieses kann durch Hormone, vor allem durch die weiblichen Geschlechtshormone, begünstigt werden. Wenn Tumorzellen auf diese Hormone reagieren, nennt man sie hormonrezeptorpositiv. Brustkrebspatientinnen mit einem hormonrezeptorpositiven Brustkrebs erhalten – meist nach einer Operation – eine Antihormontherapie. Diese lässt sich mit anderen medikamentösen Therapien kombinieren. Die Behandlung in Tabletten- oder Spritzenform soll das Wachstum des Tumors verlangsamen oder stoppen. In der Regel verordnet der Arzt die antihormonelle Therapie über einen Zeitraum von fünf Jahren, damit sie ihre volle Wirkung erzielen kann. Die Antihormontherapie kann in frühen Stadien einer Brustkrebserkrankung nach der Operation, aber auch als alleinige Therapie eingesetzt werden. Die Antihormontherapie wirkt allerdings häufig langsamer als eine Chemotherapie. Wächst also ein Tumor ungewöhnlich schnell, raten Ärzte in diesem Fall möglicherweise eher zu einer Chemotherapie.

Auch Metastasen können hormonrezeptorpositiv sein. Daher ist es im metastasierten Stadium wichtig, den Hormonstatus des Tumors ebenfalls testen zu lassen, um so gegebenenfalls eine Antihormontherapie zu erhalten.

Hormonabhängiges Tumorwachstum

Hormone regulieren viele wichtige Prozesse im Körper wie zum Beispiel den weiblichen Zyklus oder das Knochenwachstum. Bei Brustkrebs können sie jedoch auch unerwünschte Prozesse in Gang setzen: Die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron können das Wachstum von hormonabhängigen Tumorzellen anregen. Zwei Drittel aller Mammakarzinome haben eine Art Andockstelle  für Geschlechtshormone auf ihrer Oberfläche. Diese heißen Hormonrezeptoren. Es gibt sowohl Östrogen-(E) als auch Progesteronrezeptoren (Pr). Sie empfangen von den jeweiligen Hormonen ein Signal, das ihnen Teilung und Wachstum anordnet. Deshalb erhalten auch etwa zwei Drittel aller Brustkrebspatientinnen nach einer Operation zur Unterstützung Antihormonpräparate, die ein weiteres Wachstum der Tumorzellen unterbinden (adjuvante Therapie).

Antihormontherapien bei Brustkrebs

Bei einer Antihormontherapie bei einem Mammakarzinom können verschiedene Präparate zum Einsatz kommen. Sie bewirken entweder, dass Hormone nicht mehr gebildet werden, oder sie blockieren die Andockstellen (Rezeptoren) auf den Tumorzellen. Dadurch erhält der Tumor kein Wachstumssignal mehr und kann nicht weiter wachsen. Je nach Patientin kann ein anderer Wirkstoff oder ein anderes Wirkprinzip zum Einsatz kommen. Welches Antihormonpräparat eine Frau mit Brustkrebs erhält, hängt unter anderem davon ab, ob sie schon in den Wechseljahren ist, also ob sie sich in der prämenopausalen oder in der postmenopausalen Phase befindet.

Die folgende Übersicht liefert einen Überblick der verschiedenen Antihormontherapien: 

Antihormonpräparate und ihre Wirkung

GnRH-Analoga

Unterbinden die Östrogenproduktion in den Eierstöcken für die Zeit der Einnahme. Sie sind daher als Alternative zur Entfernung der Eierstöcke besonders für Frauen geeignet, die noch nicht in den Wechseljahren sind. GnRH-Analoga werden meist als Depotspritze in die Bauchhaut verabreicht.

Östrogenrezeptormodulatoren

Blockieren die Andockstellen (Rezeptoren) für Östrogen auf den Tumorzellen.

Östrogenrezeptorantagonisten („Antiöstrogene“)

Unterdrücken ebenfalls die Wirkung von Östrogen oder beschleunigen den Abbau der Andockstellen (Rezeptoren) für Östrogen.

Aromatasehemmer

Blockieren ein Enzym (Aromatase), das zur Östrogenbildung im Muskel- und Fettgewebe nötig ist. Sie blockieren nicht die Östrogenbildung in den Eierstöcken.

Antihormontherapie und weitere zielgerichtete Therapien

Antihormontherapien bei metastasiertem Brustkrebs können auch in Kombination mit anderen zielgerichteten Medikamenten verabreicht werden. Ein Beispiel dafür sind sogenannte mTOR-Hemmer. Bei manchen Patientinnen ist der PI3K/AKT/mTOR-Signalweg übermäßig aktiv. Er reguliert das Zellwachstum und kann eine Resistenz gegen Antihormontherapien verursachen. Eine Hemmung dieses Signalweges kann das Ansprechen des Tumors auf eine Antihormontherapie (wieder) verbessern. Nebenwirkungen von mTOR-Hemmern sind Entzündungen der Mundschleimhaut und bestimmte Infektionen.

Ein weiterer Signalwege-Hemmer, der bei hormonsensitiven Tumoren zum Einsatz kommen kann, hemmt bestimmte Enzyme, die das Zellwachstum steuern. Es handelt sich um die sogenannten Cyclin-abhängigen Kinasen (CDK) 4 und 6. Sie werden zusammen mit einer Antihormontherapie verabreicht. Das Fortschreiten der Erkrankung kann damit verlangsamt werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Veränderungen des Blutbildes, die zu erhöhter Infektanfälligkeit und Müdigkeit führen können, sowie Verdauungsbeschwerden.