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„Wenn ich die Therapie bejahe, dann wird sie ihre positive Wirkung entfalten können.“

Patientengeschichte: Zusammen einen Weg finden

Alexandra sitzt in einem Sessel und beobachtet, wie ein neuer Beutel mit Flüssigkeit angeschlossen wird. Dies ist wieder der Beginn einer „roten Woche“, die der Chemotherapie. Sie weiß, sie wird danach müde sein und erschöpft. Hilfe benötigen und Hilfe annehmen. Aber sie weiß auch: Darauf folgt die gelbe Woche und dann wieder eine grüne. Und dass Schwäche und Unwohlsein vorübergehende Erscheinungen sind.

Sie lehnt sich zurück und schließt die Augen. Ihr eigenes kleines Ritual hilft ihr dabei, die Chemotherapie anzunehmen. Sie legt ihre Hand auf die Einstichstelle und spürt, wie die Flüssigkeit in ihre Vene läuft. Sie begrüßt sie mit ihren Gedanken: „Danke Medizin, dass du in meinen Körper hineinkommst. Ich vertraue Dir, dass Du einen guten Job machst. Und ich unterstütze Dich dabei, wenn es irgendwie geht. Versuch´ so viele schlechte Zellen zu beseitigen, wie Du kannst, und mach´ einen Bogen um die gesunden.“

Alexandra hat eine Entscheidung getroffen – nicht für die Ärzte oder für andere, sondern für sich. Eigentlich stand sie vor ihrer Krebserkrankung immer alternativen Heilmethoden näher; das Wort Chemotherapie löste in ihr Angst und Beklemmung aus. Nach der Tumorkonferenz rät ihr die Ärztin zu den Therapien, die auf die Operation folgen sollten: Chemotherapie, Strahlentherapie, Antikörpertherapie, Hormontherapie. „Ich habe mit einem Mal ein großes Vertrauen in diese Ärzte, in die Klinik und in das ganze Personal gespürt. Etwas sagte mir, dass es genau die richtige Therapie ist und dass ich so gesund werde. Meine Überzeugung war: Wenn ich mich für die Chemotherapie entscheide und sie von Herzen bejahe, dann wird sie ihre positive Wirkung entfalten können.“

Nach der Operation spürt sie zum ersten Mal ihre eigene Schwäche. Sie lernt, verletzlich zu sein und es auszuhalten. Und dass es nicht schwach ist, wenn jemand sie stützt, sondern dass sie dafür viel Mut und Stärke benötigt. Sie lernt, achtsam zu sein. Sie schneidet die Zwiebeln beim Kochen besonders vorsichtig. Sie meidet große Veranstaltungen und viele Menschen. Zu gefährlich ist schon ein kleiner Infekt. Trotzdem empfindet sie auch Dankbarkeit, wenn sie wieder zur Behandlung fährt. Die Frauen, die zusammen mit ihr die Chemotherapie erhalten, verstehen sie. Sie können über vieles reden, müssen es aber nicht. Es entstehen echte Frauenfreundschaften, die sie bis heute pflegt.

„Ich dachte, dass es nicht so schlimm sein kann, die Haare zu verlieren – solange man nur gesund wird.“

An einem Tag erhält sie einen Anruf vom Perückengeschäft, bei dem sie für den Fall der Fälle schon alles vorbereitet hat: „Alexandra, Ihre Perücke ist fertig. Wir sind bereit.“ Das dauert doch noch, denkt sie. Sie freut sich auf ihre Freundin, die sie an diesem Tag besucht und mit der sie etwas unternehmen will. Vor dem Frühstück geht sie duschen. Dann hält sie plötzlich ein Büschel Haare in der Hand. „Ich dachte, ich hätte alles perfekt vorbereitet und dass es doch nicht so schlimm sein kann, die Haare zu verlieren – solange man nur gesund wird.“ Sie weint bitterlich. Wie ein kleines Kind.

„Nichts lenkt von Ihnen ab. Man sieht Ihre leuchtenden grünen Augen. Ich sehe Sie pur.“

Ihre Freundin fährt mit Alexandra ins Perückengeschäft. Auch hier begibt sie sich in die Hände der Verkäuferin, die ihr die Haare abrasiert und es schafft, dabei besonders einfühlsam zu sein. Dann wird die Perücke angepasst und dabei bleibt es nicht. Zusammen mit ihrer Freundin probiert sie die unterschiedlichsten Kopfbedeckungen aus. Wie steht mir das? Was passt zu welchem Kleid? Statt der Ohrringe beginnt sie nach und nach, die Tücher farblich auf ihren Stil abzustimmen. Irgendwann fühlt sie sich bereit, auch ohne Kopfbedeckung in die Öffentlichkeit zu gehen und erste Fotos machen zu lassen. Der Fotograf schenkt ihr Vertrauen: „Es ist nichts da, was den Blick verdeckt. Nichts lenkt von Ihnen ab. Man sieht Ihre leuchtenden grünen Augen. Ich sehe Sie pur.“

  • Brustkrebs - Alexandra zeigt ihr Gesicht ohne Haare
    Alexandra zeigt ihr Gesicht ohne Haare
  • Brustkrebs - Alexandra zeigt ihr Gesicht ohne Haare
    Alexandra zeigt ihr Gesicht ohne Haare
  • Brustkrebs - Alexandra zeigt ihr Gesicht ohne Haare
    Alexandra zeigt ihr Gesicht ohne Haare
  • Brustkrebs - Alexandra zeigt ihr Gesicht ohne Haare
    Alexandra zeigt ihr Gesicht ohne Haare

Die Therapie nimmt ihren Lauf. Es gibt gute Tage und schlechte. Zuversicht und Alpträume. Das Urvertrauen ist nicht mehr dasselbe wie vor der Diagnose. Dafür wächst neue Stärke und eine tiefere Verbindung zu wichtigen Dingen. Sie vertraut sich in dieser Zeit auch einer Psychoonkologin an, durch die sie lernt: Das Leben ist endlich. Nicht nur eine Krebserkrankung kann das Leben beenden. Aus dieser Erkenntnis kann sie ihren Nutzen ziehen und denkt immer daran: Sterben kann man auch durch LKWs in Stauenden. Alexandra bemüht sich, der Diagnose Krebs nicht eine solch immense Bedrohung zuzuordnen. Sie weiß, dass sie durch Krebs sterben kann. Aber sie weiß auch, dass noch nie so viele Menschen eine Krebserkrankung überlebt haben, wie heute.