Die Diagnose Brustkrebs

Eine Auffälligkeit in der Brust ist beunruhigend, auch wenn sich diese meist als harmlos erweist. Moderne Diagnoseverfahren wie Mammografie, Ultraschall und Kernspintomografie ermöglichen eine frühzeitige Entdeckung bösartiger Tumoren. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind in der Regel die Heilungsaussichten.  

0 von 1.000 untersuchten Frauen erhalten einen unauffälligen Befund

Quelle: Krebsinformationsdienst

Wenn der Verdacht zur Wahrheit wird – Barbara, Diagnose 1989

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre zum sogenannten Mammografie-Screening-Programm, einer Röntgenuntersuchung der Brust, eingeladen. Von jeder Brust werden zwei Aufnahmen in verschiedenen Ebenen gemacht. Die Brust wird hierfür zwischen den Aufnahmetisch und eine Plexiglasplatte gelegt. Im Anschluss werden die Platten kurz zusammengedrückt. Zwei unabhängige Radiologen werten die Aufnahmen im Anschluss aus. Fällt der Befund nicht eindeutig aus, schließt sich die Ultraschalluntersuchung der Brust an, die sogenannte Mammasonografie. Mithilfe von Schallwellen untersucht der Arzt Lage, Größe und Beschaffenheit einer geweblichen Veränderung. Haben der Frauenarzt oder das Mammografiezentrum einen konkreten Verdacht auf Brustkrebs geäußert, wird in der Regel eine Biopsie durchgeführt. Weitere bildgebende Verfahren oder die Wiederholung einer Untersuchung sind nur in Ausnahmefällen notwendig.

  • Moderne Diagnoseverfahren - Mammasonografie
    Mammasonografie
  • Moderne Diagnoseverfahren - Mammografie
    Mammografie
  • Moderne Diagnoseverfahren - Magnetresonanztherapie (MRT)
    Magnetresonanztherapie (MRT)

Die Kernspintomografie (auch Magnetresonanztomografie [MRT]) ist das empfindlichste Verfahren. Hier werden mithilfe von Magnetwellen zahlreiche Schnittbilder des Brustgewebes aufgenommen. Die Brustkrebsdiagnostik nutzt diese Methode nur bei speziellen Fragestellungen oder wenn durch andere Verfahren keine eindeutigen Ergebnisse erzielt werden. 

Besteht der Verdacht auf Metastasen, werden weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) und die Knochenszintigrafie angewandt. Die Computertomografie nutzt Röntgenstrahlen. Im Gegensatz zum Mammografie-Screening wird bei einer CT-Untersuchung der gesamte Körper abgebildet, um ebenfalls ein Bild von Brustkorb und Lunge zu gewinnen.

Befällt der Brustkrebs die Knochen (Knochenmetastasen), lässt sich das durch eine Knochenszintigrafie oder Skelettszintigrafie darstellen. Hierzu spritzt der Arzt ein radioaktives Kontrastmittel. Die radioaktiven Moleküle sammeln sich im Knochen an und bilden so das gesamte Skelett genau ab. Die Strahlenbelastung ist dabei sehr gering und mit einer Röntgenaufnahme zu vergleichen.

Haben vorherige bildgebende Verfahren den Verdacht auf einen bösartigen Tumor erhärtet, muss eine Gewebeprobe aus der Brust entnommen werden. Die Entnahme von Gewebe und dessen anschließende Untersuchung unter dem Mikroskop heißt Biopsie. Das entnommene Gewebe wird in Paraffin eingebettet und auf diese Weise haltbar gemacht. Anschließend werden von der Probe dünne Schnitte angefertigt. Nach Färbung der Gewebeschnitte werden diese auf das Vorhandensein von Tumorzellen geprüft. Diese histologische (gewebliche) Untersuchung liefert dann den sicheren Befund.

Arten von Biopsie - Diagnose von Brustkrebs
Arten von Biopsien

Bei der ultraschallgesteuerten Stanzbiopsie wird Gewebe mit einer Hohlnadel aus der Brust entnommen. Auch die computergesteuerte Vakuumbiopsie ist eine minimalinvasive Methode. Sie erlaubt eine sehr exakte Gewebeentnahme. Die Entfernung eines tastbaren Knotens oder eines verdächtigen Bereichs während einer OP und dessen anschließende Untersuchung nennt man offene Biopsie. Sie kommt zum Einsatz, wenn ein minimalinvasives Verfahren unmöglich oder nicht ausreichend ist. Sie kann bei Krebsbefund auch in die endgültige Operation übergehen.

Im Wort „Biopsie“ stecken die griechischen Begriffe bíos (Leben) und ópsis (Sehen). Es bezeichnet die Entnahme von Gewebe aus einem lebenden Organismus und die anschließende mikroskopische Untersuchung. In vielen Fällen kann Brustgewebe ohne eine Operation entnommen werden. Die Gewebeentnahme geschieht meist über sogenannte minimalinvasive Verfahren, bei denen mit einer Nadel Gewebeproben entnommen werden.

Zusätzlich wird die Gewebeprobe mit Hilfe spezifischer Nachweismethoden untersucht und getestet, ob die Tumorzellen Bindungsstellen (Rezeptoren) für die Sexualhormone Östrogen und Progesteron haben und wie hoch die Anzahl der HER2-Rezeptoren auf der Tumorzelle ist. Bei einigen Tumoren wird zudem untersucht, ob die Gewebeprobe eine als „PD-L1“ bezeichnete Bindungsstelle aufweist. Diese Untersuchung ist für eine mögliche im Anschluss erforderliche zielgerichtete Therapie wichtig.

Hormonrezeptorstatus

Rezeptoren sind Eiweiß- bzw. Proteinbausteine in der Zellhülle (Zellmembran), über die Signale von der Zelloberfläche an das Zellinnere übermittelt werden. Ein Rezeptortyp, der auf gesunden Zellen der weiblichen Brust zu finden ist, ist der Hormonrezeptor. Hormonrezeptoren des Brustdrüsengewebes binden beispielsweise die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Auch Tumorzellen können Hormonrezeptoren aufweisen. Ein Tumor wird Östrogenrezeptor-positiv (ER+) genannt, wenn sich auf der Oberfläche der Tumorzellen Östrogenrezeptoren befinden. Als Progesteronrezeptor-positiv (PR+) wird ein Tumor bezeichnet, sobald die Tumorzellen Progesteronrezeptoren aufweisen. Binden Östrogen oder Progesteron an die Rezeptoren, werden Wachstumssignale ins Zellinnere weitergeleitet. Der Tumor wächst hormonabhängig. Dies ist bei ca. 80 Prozent aller Brustkrebspatientinnen der Fall.

Bei hormonabhängigem Brustkrebs kommt eine sogenannte Antihormontherapie infrage. Diese Therapie war die erste zielgerichtete Therapie zur Behandlung von Brustkrebs und wurde schon in den 70er Jahren entwickelt. Das Grundprinzip dieser Therapie besteht darin, den wachstumsfördernden Effekt von Östrogen auf den Tumor zu verringern. Dies kann durch Senkung der Östrogenkonzentration im Körper oder Blockade der Bindung von Östrogen an die Rezeptoren erreicht werden.

HER2-Status-Check

Jede Brustkrebspatientin sollte ihren HER2-Status kennen. Der Rezeptor HER2 ist ein Eiweiß- bzw. Proteinbaustein auf der Zelloberfläche. Diese Eiweißstruktur bindet Wachstumsfaktoren und übermittelt Wachstumssignale von der Zelloberfläche ins Zellinnere. Eine normale Zelle besitzt nur eine geringe Menge an HER2-Rezeptoren. Befinden sich jedoch zu viele dieser Rezeptoren auf der Zelloberfläche einer Tumorzelle, werden zu viele Signale übermittelt und das Wachstum des Tumors gefördert.

PD Dr. Beyhan Ataseven zu: "Was genau ist HER2-positiver Brustkrebs?"

Etwa 20 Prozent aller Brustkrebspatientinnen haben auf ihrem Tumor eine erhöhte Anzahl von HER2-Rezeptoren (HER2-positiver Brustkrebs). Eine spezielle Antikörpertherapie greift gezielt Zellen mit HER2-Rezeptoren an und führt dazu, dass diese Zellen absterben. Deshalb ist es sinnvoll, schon im Rahmen der Diagnose einen HER2-Status-Check durchzuführen.

Triple-negativer Brustkrebs und
PD-L1-Status

Ungefähr 15 bis 20 Prozent der Mammakarzinome sind triple-negativ. Das heißt, auf den Tumorzellen befinden sich weder Hormonrezeptoren für Östrogen und Progesteron noch HER2-Rezeptoren. Das macht die Behandlung schwieriger, da Therapien, die auf diese Rezeptoren abzielen, hier nicht wirken können.
Ist der Brustkrebs metastasiert, kann es sein, dass der Tumor nicht durch eine Operation entfernt werden kann. Für diese Patientinnen mit nicht operierbarem triple-negativem Brustkrebs könnte die Krebsimmuntherapie infrage kommen. Voraussetzung hierfür ist, dass das Tumorgewebe die Bindungsstelle PD-L1 aufweist. PD-L1 gehört zu den sogenannten Checkpoints. Über diese Schaltstellen kann das körpereigene Immunsystem Abwehrzellen steuern und abschalten. PD-L1 im Tumorgewebe kann somit Abwehrzellen, die normalerweise die Tumorzellen angreifen würden, blockieren. Die Krebsimmuntherapie hilft dem Immunsystem, den Krebs wieder zu erkennen und zu bekämpfen.