Bewegung und Entspannung

Körperliches Wohlbefinden durch Bewegung und Meditation steigern

Eine optimale medizinische Versorgung ist bei einer Krebserkrankung essenziell. Aber auch das körperliche Wohlbefinden entscheidet über die Lebensqualität. Dieses können Betroffene selbst mitgestalten. Werden Sie aktiv, denn Sport hilft Ihnen dabei, sich ein positives Körpergefühl zu erhalten oder erneut aufzubauen. Aber auch Auszeiten für Ruhe und Meditation schenken Ihnen neue Kraft und Stärke.

Bewegung

Welcher Sport tut mir gut? – Alexandra, Diagnose 2011

Moderate körperliche Aktivität kann schon während der Therapie und vor allem nach Abschluss der Behandlung die Prognose einer Krebserkrankung deutlich verbessern. Darüber hinaus werden therapie- und krankheitsbedingte Nebenwirkungen durch regelmäßige Bewegung positiv beeinflusst.

Dr. med. Axel Armbrecht
Dr. med. Axel Armbrecht

studierte Humanmedizin in Hannover und absolvierte eine Ausbildung zum Arzt für Chirurgie und Unfallchirurgie. 1995 gründete er das Institut für Bewegungstherapie und Rehabilitation in Eutin, unter anderem mit den Schwerpunkt Entwicklung alltagstauglicher präventiver Konzepte für Betriebe und Kurteilnehmer.

www.mensch-in-bewegung.de/

Halten Sie in jedem Fall Rücksprache mit Ihrem Arzt, um zu erfahren, welche Form der Bewegung für Sie infrage kommt. Hier erhalten Sie Informationen zu verschiedenen Sportarten und Entspannungstechniken sowie Erfahrungsberichte. Einfache und effektive Übungen helfen Ihnen dabei, Ihren Körper aktiv und schonend zu stärken.

Sport und Bewegung bei Brustkrebs 

Interview mit Dr. med. Axel Armbrecht 

Noch vor wenigen Jahren riet man Brustkrebspatientinnen während der Therapie dazu, sich körperlich zu schonen: Sport war tabu. Doch heute weiß man, dass betroffene Frauen von körperlicher Aktivität profitieren. Wer sich bewegt, ist  leistungsfähiger und kann mit der Krankheit besser umgehen. Der  Mediziner Dr. med. Axel Armbrecht sprach mit uns im Interview über den positiven Effekt von Bewegung und welche Sportarten für Brustkrebspatientinnen besonders geeignet sind.

Warum und wie hilft Sport den Brustkrebspatientinnen?

Brustkrebspatientinnen, die regelmäßig Sport treiben, können damit tolle Erfolge erzielen. Im Rahmen einer amerikanischen Studie mit fast 3.000 Brustkrebspatientinnen wurde festgestellt, dass betroffene Frauen, die dreimal wöchentlich sportlich aktiv sind, ihre Heilungschancen um bis zu 40 Prozent steigern können. Sport hilft außerdem auch symptombezogen: Viele Nebenwirkungen der Behandlung und der Erkrankung — von Übelkeit über Lymphödeme bis hin zu depressiven Verstimmungen — können vermindert werden. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Sport das Tumorwachstum vermindern kann: Sportliche Aktivitäten greifen in den Insulin-Glukose-Stoffwechsel ein und verringern den Bedarf an Insulin, das einen wachstumsfördernden Effekt hat.

Wie intensiv sollte der Sport betrieben werden und welche Sportarten sind empfehlenswert?

An erster Stelle gilt der Satz „Häufig hilft viel“ statt „Viel hilft viel“. Es ist wichtig, dass ich mich nicht völlig entkräfte und nach dem Sport vollständig erschöpft bin. Vielmehr soll sich ein Wohlgefühl, eine Art milde Erschöpfung, einstellen. Bei den geeigneten Sportarten muss zwischen Krafttraining und Ausdauertraining unterschieden werden. Das Krafttraining kann beispielsweise mit einem Theraband oder ein paar Hanteln absolviert werden. Die Muskeln, die während der Therapie stark gelitten haben, können so gestärkt werden und sind dann wieder belastungsfähig. Die klassische Kniebeuge, die wir schon seit dem Schulsport kennen, eignet sich sehr gut. 15 Stück morgens nach dem Aufstehen sind das beste Mittel, um Rücke und Beine wieder zu aktivieren und zu trainieren. Ausdauertraining ist für Brustkrebspatientinnen noch effektiver: Oft kann schon ein einfacher Spaziergang die richtige Dosis sein. Nordic Walking hat sich in den letzten Jahren zu einer populären Sportart entwickelt. Es bringt den Stoffwechsel in Schwung und wirkt sich positiv auf den gesamten Organismus aus. Wer lieber joggen möchte, sollte das Training langsam beginnen und über Nordic Walking oder Ergometer-Training in den eigenen vier Wänden seine Leistungsfähigkeit steigern. Wenn man merkt: "Ich komme zu Kräften, ich kann wieder an alte Leistungen anknüpfen", kann die Joggingstrecke in Angriff genommen werden.

Kann man durch regelmäßigen Sport Begleiterscheinungen minimieren oder sogar verhindern?

Sport hinterlässt immer ein positives Gefühl — sowohl psychisch als auch physisch. Ich spüre meinen Körper, ich spüre, dass ich lebe und ich fühle, dass Bewegung mir guttut. Genau dieses Wohlgefühl ist wahrscheinlich die beste Möglichkeit, um Begleiterscheinungen zu minimieren und so die Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung zu erleichtern. 

Gibt es spezielle Sportangebote für Brustkrebspatientinnen und wer trägt die Kosten? 

Es gibt den Rehabilitationssport, der sowohl vom Onkologen als auch von jedem Hausarzt verordnet werden kann. Die Krankenkasse zahlt 50 Trainingseinheiten in speziell dafür ausgerichteten Sportvereinen mit ausgebildeten Übungsleitern. Weitere Zusatzkosten für die Patientinnen entstehen nicht. Ich empfehle jeder Brustkrebspatientin, dieses Angebot in der ambulanten Phase in Anspruch zu nehmen. Über die Webseiten der Landessportverbände kann man einsehen, wo diese Kurse vor Ort angeboten werden. Das Training sollte man als Einstiegsangebot wahrnehmen und auch über die Verordnung hinaus sportlich aktiv bleiben. Denn Sport hilft den Frauen nicht nur während, sondern auch nach Abschluss der Therapie.

Wie kann ich mehr Bewegung in meinen Alltag bringen, abgesehen vom Klassiker „Treppe statt Fahrstuhl"? 

Zuallererst muss man hier die Funktionsweise des Stoffwechsel betrachten: Es benötigt mindestens eine Minute, um eine Reaktion auszulösen. Das bedeutet: Wenn ich eine Etage Treppen steige, sind die Muskeln gerade erst aufgewacht. So ist keine anhaltende Wirkung zu erzielen. Ich halte es für sinnvoller, sich für die Bewegung wirklich bewusst Zeit zu nehmen. Man kann mit ein paar Hanteln oder mit einem Theraband kleine Sporteinheiten leicht in den Alltag — zum Beispiel in die Mittagspause — einbauen und damit viel Positives für den Körper erreichen.

Was halten Sie von modernen, zeitsparenden Trainingsmethoden, wie dem EMS-Training?

Die Elektrostimulation gibt es in der Therapie bestimmt seit mindestens drei Jahrzehnten. Sie ist für Schmerzbehandlungen interessant oder wenn man einen gelähmten Muskel wieder aktivieren möchte. Als sportliche Aktivität für Brustkrebspatientinnen würde ich es nicht empfehlen. Es ist nicht notwendig, einen Neoprenanzug anzuziehen und beklebt mit 120 Elektroden seine Kilometer auf dem Ergometer zu absolvieren. Positive Effekte stellen sich auch mithilfe klassischer Trainingsmethoden ein und man spart dabei gleichzeitig viel Geld.

Was würden Sie einer Brustkrebspatientin sagen, die meint, sie könne keinen Sport machen?

Man neigt dazu, den Begriff Sport als schweißtreibende und erschöpfende Tätigkeiten zu sehen und gibt ihr so einen negativen Beigeschmack — das wirkt natürlich abschreckend. Es ist wichtig, das richtige Maß für sich zu finden: Dann tut die Bewegung gut und macht außerdem viel Spaß. Wichtig ist, dass man sich den Sport — und so auch die Zeit für sich — aktiv gönnt und es sich selbst wert ist, ihn nicht gegenüber anderen Verpflichtungen zurückzustellen, die täglich auf jeden von uns warten.