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Bewegung und Entspannung

Yoga

Wer schon einmal eine Yogastunde erlebt hat, kennt vielleicht das Gefühl von abwechselnder Anspannung und Entspannung und einer abschließenden Ruhephase, die einen beseelt nachhause gehen lässt. Denn Yoga ist mehr als nur eine Sportart; es ist auch eine Form der Meditation und der Besinnung auf Körper und Geist.  

Stefanie Ebenfeld

Stefanie Ebenfeld unterrichtet verschiedene Yogakurse in Frankfurt am Main und in Offenbach. 2011 erkrankte sie selbst an Brustkrebs. Yoga, aber auch Meditation und Entspannungstechniken halfen ihr bei der Bewältigung der Erkrankung. Ihre Erfahrungen gibt sie heute in ihren Yogaklassen weiter.

Auch bei Brustkrebspatientinnen kann Yoga verschiedene positive Effekte bewirken. Zum einen helfen gezielte Dehn- und Lockerungsübungen dabei, eine verkürzte Muskulatur sanft zu strecken oder Fehlhaltungen entgegenzuwirken. Zum anderen kann Yoga eine Technik anbieten, mit deren Hilfe Gelassenheit, positives Denken und neue Zuversicht bewusst eingeübt werden. Somit verhilft es vielen Frauen zu einem besseren Umgang mit der Erkrankung. 

Mehr Informationen zu den wohltuenden Auswirkungen von Yoga lesen Sie im ausführlichen Interview mit Yogalehrerin Stefanie Ebenfeld.

Yoga und Brustkrebs

Interview mit Stefanie Ebenfeld – Yogalehrerin und selbst 2011 an Brustkrebs erkrankt

Frau Ebenfeld, wie war Ihr persönlicher Weg zum Yoga? Vor und auch nach der Diagnose Brustkrebs?

2007 entdeckte ich Yoga für mich – einige Jahre vor meiner Brustkrebsdiagnose. Damals arbeitete ich Teilzeit als Betriebswirtin bei einer Privatbank in Frankfurt und versuchte, den Beruf und die Erziehung meiner beiden kleinen Töchter unter einen Hut zu bringen. Ich fühlte mich in dieser Zeit sehr gestresst, angespannt und litt trotz Sport (Joggen und Kraftsport) immer wieder unter Erschöpfung, Verspannungen und Kopfschmerzen. Ich fühlte mich sprichwörtlich wie der Hamster im Rad. Schon meine erste Hatha-Yogastunde ließ mich eine nie geahnte Entspannung und Ruhe erleben. Ich war so begeistert und wollte diese Erfahrung weitergeben. 2008 absolvierte ich die Ausbildung zur Yogalehrerin und widmete mich von nun an dem Unterrichten dynamischer Yogastile. Nach meiner Erstdiagnose 2011 und dem Durchlaufen der Therapien praktizierte ich Yoga und Meditation zunächst nur für mich, um 2012 wieder zu unterrichten. 2014 erhielt ich die Diagnose Knochenmetastasen. Yoga war zunächst nicht möglich, dafür wurde die Meditation ein noch intensiverer Begleiter. Yoga lässt mich im Hier und Jetzt sein, mit dem Fluss des Lebens fließen! Ich bin überzeugt von seiner unterstützenden Wirkung bei der Bewältigung der Krankheit und bei der Stärkung des Immunsystems.

Sie kennen beide Situationen „früher Brustkrebs“ und „metastasiertes Stadium“. Wie hat sich die Einstellung als Yogalehrerin und Betroffene für Sie geändert, als Sie beide Situationen durchlebt haben? 

Anfangs, vor der Diagnose, und auch noch im „nicht metastasierten“ Stadium war Yoga für mich eher eine körperlich fordernde Bewegungsform, die mich idealerweise auch entspannte. Ich konnte ganz gezielt nach der beidseitigen Brustamputation, der Lymphknotenentfernung und der Bestrahlung die Übungen für mich auswählen, die Vernarbungen, Verkürzungen und Verspannungen sanft linderten und mir die volle Beweglichkeit erhalten. Nach der recht schmerzhaften Metastasierung im Schulterblatt und der Wirbelsäule wurden für mich sanfte, dehnende Yogaübungen immer passender. Zusammen mit der für mich immer wichtiger werdenden Meditation wirken sie extrem beruhigend.

Wie können Yoga und Meditation bei der Bewältigung von Brustkrebs unterstützen? Was sind die physischen aber auch die mentalen positiven Auswirkungen?

Die Diagnose Brustkrebs trifft einen meist unvorbereitet und geht mit existentiellen Ängsten einher: Mit der Frage nach dem möglichen Leiden und Nebenwirkungen aufgrund von Therapien, den Ängsten um Familie, Partnerschaft, Beruf und letztendlich auch der Frage nach dem Sterben und dem möglichen Tod. Das sind oft Themen, die man in unserer Gesellschaft eher vermeidet, denen man keinen Raum schenkt, die man verdrängt.Yoga ist als eine Form der Meditation in Bewegung eine tolle Möglichkeit, sich selbst zu spüren, den Atem wahrzunehmen, achtsam zu sein mit sich selbst. Wir können also den Körper sowohl sanft dehnen als auch kräftigen und kommen außerdem zur Ruhe und Balance. Ängste, Depressionen und Panikattacken können so reduziert, wenn nicht gar verhindert werden. Die Meditation verstärkt diese positiven Auswirkungen meiner Meinung nach noch.

Wie hilft eine regelmäßige Yogapraxis bei konkreten körperlichen Beschwerden oder Nebenwirkungen der Therapie wie Fatigue, Neutropenien oder Lymphödemen?

Die Yogapraxis verbessert aufgrund der gezielten Bewegung, Dehnung und Atmung das Wohlbefinden allgemein. So wird der Stoffwechsel des Körpers sanft angeregt, die Durchblutung verbessert und es entsteht ein Gefühl der Entspannung und Ruhe. Auf dieser Basis können Nebenwirkungen wie etwa Fatigue oder Muskelschmerzen weniger ausgeprägt sein, als in einem angsterfüllten, gestressten Körper. Aber auch Beschwerden aufgrund von Lymphödemen lassen sich möglicherweise vermeiden, weil durch die Bewegung der Lymphabfluss verbessert wird und eine solche Folgeerkrankung erst gar nicht entsteht. In jedem Fall hat man mit Yoga ein Hilfsmittel an der Hand – man kann etwas Gutes für sich tun, und zwar angepasst an die eigenen körperlichen Möglichkeiten – und das ist toll!

Welche Übungen sind für Brustkrebspatientinnen geeignet und sinnvoll? Was ist medizinisch erlaubt?

Besonders geeignete Übungen sind in jedem Fall alle Übungen, die den Oberkörper dehnen und kräftigen. Hier sind speziell der Nacken, der Brustkorb und der Schultergürtel auch lange Zeit nach der Therapie (Operation und Bestrahlung) anfällig für Verkürzungen und Verspannungen aufgrund der Vernarbungen in dieser Körperregion. Generell merke ich jedoch, dass einige Therapien die Muskulatur am ganzen Körper eher fest werden lassen. Dies bestätigen viele Brustkrebspatientinnen. Daher ist eine Yogapraxis auch für den ganzen Körper optimal. Direkt nach einer Operation muss man natürlich erst einmal langsam an die Dehnung und Kräftigung herangehen. Sollten Knochenmetastasen bestehen, so ist auch immer mit dem Arzt abzuklären, ob eine Bruchgefahr besteht.

Wie gelangen Krebspatientinnen an den für sie passenden Yogakurs? Welcher Yogastil eignet sich für Brustkrebspatientinnen und worauf ist bei der Wahl eines Yogalehrers zu achten?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, weil es ja die eine Brustkrebspatientin nicht wirklich gibt. Manche Frauen sind bei Erstdiagnose noch sehr jung, sportlich und sie können und wollen auch nach der Diagnose eine körperlich fordernde Yogapraxis üben. Andere sind älter oder haben aufgrund von Metastasen nicht mehr die körperliche Konstitution und Kondition für einen dynamischen Yogastil. Es gibt jedoch fast ebenso viele Yogastile wie es unterschiedliche Bedürfnisse der Erkrankten gibt und ich bin mir sicher, es ist für jede eine passende Yogapraxis und Meditation möglich. Auf der Suche nach dem geeigneten Yogastil empfehle ich das persönliche Gespräch mit dem Yogalehrer. Er kann dann eine Empfehlung aussprechen, die ganz individuell auf die körperlichen und mentalen Ansprüche ausgerichtet ist. Einem Yogaanfänger empfehle ich persönlich ein sanftes Hatha Yoga oder Yin Yoga. Bei der Wahl des Yogalehrers sind Sympathie und das Gefühl, sich gut aufgehoben zu fühlen, neben der fundierten Ausbildung wichtige Kriterien. 

Welche weiteren Informationsquellen empfehlen Sie Brustkrebspatientinnen, die sich für das Thema Yoga interessieren?

Wenn man erst einmal nur einen Eindruck von Yoga generell erhalten möchte, kann man auf Youtube unter dem Stichwort „Yoga für Anfänger“, „Yoga für den Schultergürtel“ suchen und vielleicht auch mitmachen. Es gibt auch diverse Bücher zu Yoga, oftmals auch mit DVD zum Mitmachen.

Mehr von Stefanie Ebenfeld finden Sie hier:
www.steffis-ketokitchen4health.jimdo.com