Schluckbeschwerden nach einer Chemotherapie

Unangenehme Nebenwirkungen einer Chemo- oder Immuntherapie bei Brustkrebserkrankungen können unter anderem Kau- und Schluckbeschwerden sein. Schmerzhafte Schleimhautentzündungen im Mund-, Hals- und Rachenbereich (Mukositis) oder eine veränderte Speichelproduktion „dick und zähflüssig“ oder gar zu wenig Speichel erschweren das Schlucken.

Der Genuss beim Essen und Trinken trotz Appetit und Hunger bleibt häufig aus. Eine gesunde und dem veränderten Bedarf entsprechende Ernährung bei Brustkrebs, die während einer Therapie so wichtig ist, kann problematisch werden und das Risiko einer Mangelernährung steigt. Kleine Veränderungen können die Lebensqualität verbessern und die Behandlungsergebnisse positiv beeinflussen.

Veränderung des Speichels

Meist verändert sich der Speichel während der Chemotherapie in eine extreme Richtung, entweder kommt es zu einer Verminderung oder einer Überproduktion.

Mundtrockenheit

Bei einer verminderten oder fehlenden Speichelproduktion (Xerostomie) sind Sie besonders anfällig für Infektionen im Mundbereich, daher sollten Sie auf sehr säuerliche, scharfe oder zu heiße Lebensmittel und Alkohol verzichten, diese reizen besonders. Auch das Raumklima kann ausschlaggebend sein. Ein Luftbefeuchter, feuchte Tücher auf dem Heizkörper, eine Schale mit Wasser im Raum oder auch eine Aromalampe mit Zitronenduft können helfen die Raumluft zu verbessern.

Eine Übung zur Schlucktherapie aus dem Qigong, das „Zunge rollen“ kann ebenfalls helfen. Dafür lässt man die Zunge entlang des Oberkiefers vor den Zähnen von links nach rechts kreisen und sie anschließend entlang des Unterkiefers vor den Zähnen von rechts nach links kreisen, das Ganze wiederholt man etwa 8 Mal.

Regelmäßig und in kleinen Mengen trinken

Nippen Sie vor jedem Bissen an Getränken (z.B. Pfefferminz- oder Kamillentee) gerne auch mal mit einem Strohhalm. Auch Mundspülungen oder Mundsprays können Sie während des Essens anwenden. Die Lippen können zusätzlich mit einem feuchten Tuch erfrischt werden.

Speichelfluss anregen

Halbgefrorenes Obst, Joghurt oder Gurkenstücke, tiefgekühlte Gummibonbons oder Trinknahrung fördern die Speichelproduktion. Auch Kaugummis, zuckerfreie Bonbons, leicht säuerliche Speisen und aromatisiertes Wasser mit Ananas, Zitrone oder Zitronenöl sind anregend. Alternativ kann Brausepulver (pur) helfen. Selbstgemachte Eisdrops aus Fruchtsäften oder Limonaden, zum Beispiel aus Tonic Water oder Bitter Lemon können den Speichelfluss vermehrt anregen. Künstlicher Speichel aus der Apotheke hilft, den Mund anzufeuchten.

Der ständige Durst

Um einem subjektiven Durstgefühl Linderung zu verschaffen, können Sie eine kleine Mund-Sprühflasche je nach Geschmack mit Wasser, verdünnten Fruchtsäften oder Tee befüllen. Die Sprühflaschen erhalten Sie in Apotheken oder Hobbymärkten.

Speichelproduktion reduzieren

Häufiges Begleitsymptom von Übelkeit und Erbrechen ist eine erhöhte Speichelproduktion. Hier können Ingwerbonbons, Gummibärchen oder zuckerfreie Kaugummis Abhilfe schaffen. Roter Traubensaft kann ebenfalls mildernd wirken. Mehrmals täglich Salbeitee, Thymiantee oder Kamillentee zu trinken reduziert die Speichelproduktion zusätzlich.
Bei zähem, dickflüssigem Speichel sollten Milch und Milchprodukte vermieden werden, da diese schleimbildend sind. Ersatzweise können Hafer-, Mandel-, Reis-, Kokos- oder Sojadrinks verwendet werden.

Tipps gegen Schluckbeschwerden

Zur Vorbeugung einer Mundschleimhautentzündung (Mukositis) hat sich das regelmäßige Spülen und Gurgeln mit unterschiedlichsten Rezepturen bewährt. Beginnen Sie schon vor der Chemotherapie damit und finden Sie heraus, welche Variante Ihnen die größte Milderung verschafft.

Mundhygiene rechtzeitig beginnen
Mundhygiene
  • Die gründliche, regelmäßige Zahnreinigung (dreimal täglich) mit einer weichen Zahnbürste und einer Munddusche verringern das Bakterienaufkommen.
  • Wählen Sie selbsthergestellte Mundspülungen aus milden Teesorten (Kamille/Pfefferminze) oder solche mit Heilerde.
  • Salbei- und Malventee wirken antibakteriell, können in Einzelfällen aber leicht austrocknend sein. Beachten Sie die kurze Ziehzeit des Tees. Gekaufte Mundspülungen sollten außerdem keine Alkohol- und Aromazusätze enthalten. Gewöhnen Sie sich an, mehrmals täglich zu festen Zeiten zu spülen sowie bei Bedarf zusätzlich zwischendurch. Eine Routine vor und nach dem Essen und vor dem Schlafengehen ist empfehlenswert.
  • Leinsamenschleim oder Leinsamentee trinken.
  • Öl ziehen, z. B. einen Schluck Oliven- oder Kokosöl im Mund hin und her bewegen bis es schaumig-milchig wird, dann ausspucken.
  • Salz-Gurgellösung selbst herstellen: abgekochtes Wasser mit Kochsalz- und Natronzusatz (jeweils ½ bis 1 Teelöffel je Liter).
  • Myrrhe-Tinktur aus der Apotheke mehrmals täglich frisch in lauwarmem Wasser verdünnt zum Spülen verwenden.  
  • Eiskugeln lutschen: mit Eiswürfel-Gefrierbeuteln und Ihrem Lieblingstee können Sie Ihre Eisdrops abwechslungsreich selbst herstellen.

Krebstherapie durch Ernährung positiv beeinflussen

Schluckbeschwerden und andere Probleme der Nahrungsaufnahme können Ursache einer nicht ausreichenden Nährstoffversorgung sein. Häufig ist jedoch eine erhöhte Aufnahme an Eiweißen, Fetten, Mineralstoffen und/oder Vitaminen erforderlich. Der Körper braucht mehr Kraft, um die Krebstherapie zu verarbeiten. Für eine entsprechende Energiezufuhr sollte der tägliche Nährstoffbedarf ausreichend gedeckt werden.

Verträglichkeit bei Entzündungen

Häufig werden folgende Lebensmittel und Zubereitungen schlecht vertragen:

  • Klebrige Speisen: Schmelzkäse oder überbackende Gerichte, süße Desserts, Honig, Karamell, Weingummitiere.
  • Krümelige und trockene Speisen: Kekse, Salzstangen, Kräcker oder Zwieback, trockenes, hartes Brot.
  • Faserige Speisen: Spargel, Stangensellerie, Schoten.
  • Scharfkantige Lebensmittel: Bonbons, harte Brotkrusten, Fischgräten, harte Obstsorten, stark säuerliche und scharf gewürzte Lebensmittel.

Viele dieser Lebensmittel können Sie weicher kochen, pürieren und in der Temperatur anpassen. Zusätzlich lässt sich die Flüssigkeitszufuhr über Soßen, Dressings, Brühen, Gemüsedips und Obstpüree steigern, sodass sie zum Beispiel als flüssige Mahlzeiten dienen. Durch Öle bekommen Sie zusätzliche Kalorien, erhalten eine geschmeidige Konsistenz und damit ein angenehmeres Mundgefühl. Passen Sie Ihre Mahlzeitenzubereitung und -aufnahme individuell Ihren gesundheitlichen Bedürfnissen an und nutzen Sie diese Empfehlungen auch, um Ihre geschmacklichen Vorlieben zu Ihrem Vorteil einzusetzen.

Das Rezept zum Tipp:
Aprikosen-Kardamom-Sorbet

Zutaten
  • 250 g frische Aprikosen
  • 1-2 Kardamomkapseln
  • 1-2 Stängel Minze
  • 40 g Rohrohrzucker
  • 2 EL Zitronensaft
  • 100 ml Buttermilch oder Skyr

Schritt 1

Aprikosen waschen, halbieren, Steine entfernen. Die Kardamomkapsel(n) öffnen, die Samen herauslösen und im Mörser zerdrücken. Die Minze kurz waschen und trocken tupfen.

Schritt 2

Aprikosen und Kardamom mit dem Zucker, 50 ml Wasser, der Minze und dem Zitronensaft in einen Topf geben. Alles aufkochen und zugedeckt bei geringer Hitze fünf Minuten dünsten. Den Topf vom Herd nehmen, alles abkühlen lassen und die Minze entfernen.

Schritt 3

Die Aprikosen mit einem Pürierstab fein pürieren und die Buttermilch/Skyr unterrühren. Die Masse in eine Eismaschine füllen und in ca. 30 Minuten fest werden lassen. Zum Servieren mit einem feuchten Eisportionierer oder Esslöffel aus der Sorbetmasse Kugeln abstechen und in Schälchen sofort servieren.

Wer keine Eismaschine hat, stellt die Masse in einer Metallschüssel für ca. sechs Stunden ins Gefrierfach. Zwischendurch immer mal wieder mit einem Schneebesen umrühren, um ein cremiges Sorbet zu bekommen.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., Die Nährstoffe. Bausteine für ihre Gesundheit, Bonn 2018

Erickson et al. (Hrsg), Ernährungspraxis Onkologie, Stuttgart 2017

J. Hübner, Diagnose Krebs… was mir jetzt hilft, Stuttgart 2011

Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft e. V., Unterstützende Ernährungstherapie bei Krebserkrankung, Halle (Saale) 2016

Stiftung Deutsche Krebshilfe, Ernährung bei Krebs, Bonn 2017

(Rezept abgewandelt nach) M. Wenzel, Schlank mit Kräutern, München 2014, 178.