Leckere Rezepte, leichte Sportübungen.
Der neue Newsletter – hier anmelden!

Videostill

„Jetzt lebe ich.
Jetzt gehe ich meinen Weg.“

Patientengeschichte: Anfang 30, alleinerziehend, Brustkrebs

Der Fluss des Lebens – so sagt man.

Barbara schaut zurück: Mit Anfang 30, zwei kleinen Kindern und als alleinerziehende Mutter erhält sie die Diagnose Brustkrebs. „Ich war so geschockt. Ich war nicht in der Lage, die Tragweite dessen zu ermessen, was da auf mich zurollte.“ Die Kinder in dieser Zeit der Schwiegermutter zu überlassen, ist keine Option. „Plötzlich mobilisiert man Kräfte, von denen man nicht weiß, wo sie herkommen.“ Nach der Chemotherapie geht es allmählich bergauf. Sie fühlt sich gesund und fängt wieder an, halbtags zu arbeiten. Sie will selbst für ihre Kinder sorgen. Ihre „Fünf-Jahres-Pläne“ macht sie nicht mit Ärzten, sondern mit dem lieben Gott, so sagt sie. Sie möchte die Einschulung der Kinder erleben, sie möchte ihnen eines Tages beim Auszug helfen und sie möchte sie ins Leben begleiten. Heute sind ihre beiden Töchter ungefähr so alt wie Barbara zum Zeitpunkt ihrer Diagnose.

Zehn Jahre nach der ersten Krebserkrankung kommt der Schock: Rückfall. „Es war traumatisch. Ich hatte mir damals geschworen: Nie wieder Chemo! Doch ein neuer Mann in meinem Leben stand mir bei und dann habe ich mich eben doch dazu durchgerungen." Eines Tages fallen die Haare aus und eines Tages beginnen sie wieder zu wachsen. Mit dem Brustimplantat ist sie jedoch unglücklich und lässt es sich später wieder entfernen. Das ist nicht ihr Weg. Sie bringt ihre Kleidung zur Schneiderin und bittet sie, alles umzunähen. Als diese verwundert fragt, warum Barbara keine Prothesen tragen wolle, antwortet sie: „Ich möchte meine Kleidung meinem Leben anpassen und nicht mein Leben meiner Kleidung.“

Schritt für Schritt bringt sie auch die zweite Erkrankung hinter sich. Mit den Erlebnissen wächst der Wunsch, selbst Hilfe zu leisten. Sie engagiert sich in der Telefonseelsorge, später arbeitet sie ehrenamtlich im Hospiz: „Das Gefühl, etwas zurückzugeben, hilft mir selbst auch. Jeder Mensch muss durch sein Elend allein hindurch, aber ich kann da sein. Ich bin da – immer noch!“

„Ich hatte die Vorstellung, dass das Wasser meinen Körper durchspült und mir die Natur neue Lebensenergie schenkt.“

Mit Krebs zu leben, heißt auch mit Krebs seine Träume zu leben. Vor allem die lang gehegten. Eines Tages sitzt Barbara in ihrer Küche und blickt zum Kühlschrank. Dort hängt ein kleines Zettelchen, auf dem geschrieben steht: „Warte nie, bis Du Zeit hast.“ Sie spürt: Jetzt lebe ich. Jetzt gehe ich meinen Weg. Von einer Freundin leiht sie sich den Wanderrucksack und einen Schlafsack. Ihrer Familie sagt sie: „Ich melde mich einmal in der Woche bei Euch. Dann wisst Ihr, dass ich noch lebe. Und ich komme zurück, wenn es Zeit ist.“ Sechs Wochen läuft sie den Jakobsweg quer durch Spanien. An einem besonders heißen Tag gelangt sie in ein enges Tal und durchwandert es entlang eines Flusses. Während sie durch Sonne und Hitze läuft, hat sie das Gefühl, als würde das Wasser des Flusses ihren Körper durchspülen. „Ich hatte die Vorstellung, dass es meine Zellen umpolt und dass mir die Natur neue Lebensenergie schenkt.“

„Das Leben ist nicht nur schön. Das Leben ist schwer und leicht, dunkel und hell, steinig und sanft. Ich will das Ganze.“ 

Fünf Jahre später begibt sie sich auf eine weitere Reise, diesmal nach Indien, ein für sie „schrecklich schönes Land“. Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr möchte sie unbedingt eines Tages Indien entdecken. Als Krebspatientin scheint es ihr zunächst zu riskant, viel zu gefährlich. Doch dann begibt sie sich auf eine buddhistische Pilgerreise, begegnet lebensfrohen Menschen, riecht, schmeckt und fühlt. Die Welt, die uns umgibt, ist voller Gegensätze. Das haben die Krankheit und auch das Reisen Barbara gelehrt. „Das Leben ist nicht nur schön. Das Leben ist schwer und leicht, dunkel und hell, steinig und sanft. Ich will das Ganze.“

  • Barbara schöpft Kraft auf ihren Reisen
    Barbara schöpft Kraft auf ihren Reisen
  • Barbara schöpft Kraft auf ihren Reisen
    Barbara schöpft Kraft auf ihren Reisen
  • Barbara schöpft Kraft auf ihren Reisen
    Barbara schöpft Kraft auf ihren Reisen
  • Barbara schöpft Kraft auf ihren Reisen
    Barbara schöpft Kraft auf ihren Reisen
  • Barbara schöpft Kraft auf ihren Reisen
    Barbara schöpft Kraft auf ihren Reisen

In Indien läuft sie nicht nur am Fluss entlang, sie durchfährt ihn auch auf einem Boot – den Ganges, die Mutter aller Flüsse. Der Fluss, in dem sich Leben und Tod vereinen wie nirgendwo sonst. Wo Menschen baden und das Leben spüren, während tote Körper an ihnen vorbeischwimmen. Barbara sitzt auf diesem Boot. Es ist früh am Morgen. Die Wellen lassen das Boot sanft schaukeln. Wieder spürt sie diese Energie. Und gleichzeitig diese tiefe Ruhe. Sie atmet.

Der Fluss des Lebens – so sagt man.