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Brustkrebspatientinnen erzählen ihre Geschichte

Eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Wie erleben Patientinnen diese Zeit? Wie meistern sie Untersuchungen und Behandlungen? Wie finden sie einen Umgang mit der Erkrankung? Auf der Brustkrebszentrale erzählen ihre persönlichen Erfahrungsberichte davon – in unserem Clip ihre Augen und Gesichter.

Patientinnen geben Brustkrebs ein Gesicht

Ob Ehefrau, Nachbarin, Mutter oder Kollegin – jede Frau kann von Brustkrebs betroffen sein. Das zeigen die 30 Patientinnen, die in unserem Clip Brustkrebs ein Gesicht geben und damit allen betroffenen Frauen sagen wollen: Ihr seid nicht allein! Danke an alle Frauen, die an unserem Clip mitgewirkt haben.

Make it right (Songtext)

The ground opened beneath my feet,
I can’t even hear your voice.
This just doesn’t seem fair.
Still going ahead, fighting despair,
Searching for a hold.

So many questions to be asked,
Repeating them over and over.
Coming out on top,
Finding my voice, using it.

I am gonna make it right,
I am gonna grasp it tight
And it doesn’t really matter
Which way the wind blows,
How high the tide,
I’ll keep on flying high.
I am gonna make it right,
Relieving the pressure,
Fighting off the woe,
I am gonna make it all right.

Yes, I’m gonna make it all right.

Weniger ist mehr – mehr Zeit für sich selbst

Ihre Brustkrebserkrankung kostet Andrea viel Kraft, sie ist oft müde, eine vorher nicht gekannte Müdigkeit. Andrea will auch das nach außen tragen. Dass es ein anstrengender Prozess ist, sich dem Krebs zu stellen – und wieder zurückzufinden in ein aktives Leben. Aber Andrea schafft es. Mit Bewegung in der Gruppe, Segeln und dem Laufsport.

Vor allem psychisch belastet Andrea die Brustkrebserkrankung stark. Bereits als Kind erkrankt sie schwer und verbindet nur negative Assoziationen mit Krankenhäusern und medizinischem Personal. Die Strahlentherapie verläuft besonders schwierig, einmal muss sie die Behandlung abbrechen. Zu viele Aggressionen und Ängste löst die Behandlung aus. Die Ärzte gehen mit Geduld und Aufmerksamkeit auf sie ein. Musik ist es, die ihr letztlich hilft, auch die Sitzungen der Strahlentherapie durchzustehen: ein Stück Vertrautheit in einer fremden Klinik-Welt.

Andrea arbeitet viele Jahre selbstständig in der Gastronomie und hat mit vielen Menschen Kontakt. Als sie erkrankt, macht sie die Erfahrung, dass sich einige Freunde abwenden. „Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen.“ Ihre Eltern sind besonders für sie da und geben ihr Halt. Mit ihrem Vater segelt sie vor, während und nach der Therapie – ihr gemeinsames Gefühl von Freiheit. Sie setzt sich beruflich zurück und lernt, dass sie auf ihren Körper achten muss. „Der Krebs hat mir beigebracht: Weniger ist oft mehr. Wie in einem gut dekorierten Schaufenster.“

Herausfinden, was neue Energie bringt

Als es ihr etwas besser geht, beginnt sie einen Fitnesskurs speziell für Brustkrebspatientinnen. Ihr Trainer geht genau auf ihre Anforderungen ein und zeigt ihr Übungen, die sie auch mit Turban machen kann. In der Gruppe fühlt sie sich beaufsichtigt und beginnt, den Sport als sichere Auszeit wahrzunehmen. „Wenn mir hier etwas passieren sollte, sind ja immer noch die anderen da, um mir zu helfen.“

Über den Kurs „Outdoor-Fitness“ kommt sie in Berührung mit dem Laufsport, an dem sie schnell Gefallen findet. Sie trainiert regelmäßig und mit einem klaren Ziel vor Augen. Nach nur einem halben Jahr ist sie in der Lage, einen Halbmarathon zu laufen. „ Ich wollte es unbedingt schaffen, egal wie.“ Mittlerweile läuft sie um die 10 Kilometer und hat damit das für sie richtige Maß gefunden. Im Krankenhaus knüpft sie auch neue Bekanntschaften und findet Freunde, die sie in ihren dunkelsten Momenten kennenlernt. Diese Freundschaften pflegt sie bis heute und nimmt Anteil an ihren Geschichten.

  • Portraitbild Andrea
    Andrea
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„Mama, wann wachsen deine Haare wieder?“

„Die Kinder und ich haben an meinen Haaren gezogen. Wie bei einem Plüschtier, das Haare verliert, und sie dann weggeschmissen. Dabei haben wir gelacht, weil die Glatze immer mehr zu sehen war.“

Während die Passage vorgelesen wird, weint Barbara. Das tut sie an dieser Stelle fast jedes Mal. Sie ist froh, dass jemand anderes aus ihrem Buch vorliest. Das wäre für sie zu emotional. Es ist ein sehr intimer Moment, den sie in ihrem Buch beschrieben hat. „Zwischen der zweiten und dritten Chemo fielen die Haare aus. Sie waren überall. Auf den Schultern, auf den Stühlen – das wollte ich einfach nicht mehr sehen. Dann bin ich mit meinen Kindern ins Bad gegangen.“

Ohne Vorwarnung erkranken

Die Diagnose Brustkrebs kam für die gebürtige Italienerin 2008 völlig unerwartet. Es gab weder eine familiäre Vorbelastung noch gesundheitliche Risikofaktoren. Die Kinder waren erst vier und sieben Jahre alt. Der Tumor war zwar klein, aber sehr aggressiv. Zwei Jahre lang quälte sie sich Schritt für Schritt durch OP, Chemo, Bestrahlung und Antikörpertherapie, um sicherzugehen, dass alles entfernt wurde. Dann das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels: geschafft.

Die Wahrheit aufschreiben

Während dieser Zeit schrieb Barbara Tagebuch. Das hatte sie schon in ihrer Kindheit gemacht – bei besonderen Ereignissen tut sie es auch jetzt noch. „Manche Freundinnen fragten mich, warum ich kein Buch schreibe. Nach ein paar Überlegungen habe ich das dann auch gemacht. Aber auf Italienisch, weil ich mich da besser ausdrücken kann.“
Gesunder Lebensstil, Nichtraucherin, kaum Alkohol. Mit der Diagnose stellte sich auch Barbara die berühmte Frage „Warum ich?“. Das Schreiben des Kinderbuchs half ihr dabei, die Erlebnisse zu verarbeiten und gleichzeitig Aufklärung zu betreiben. Die Familie war in dieser schweren Zeit ihre größte Stütze. Aufgeben kam nie infrage. Für Barbara und ihren Mann war es selbstverständlich, den Kindern von Beginn an die Wahrheit zu sagen. Obwohl sie noch sehr klein waren, sollten sie verstehen, dass mit ihrer Mutter etwas nicht stimmt – elf Kilogramm weniger hätte sie nicht verstecken können. „Ich habe ihnen erklärt, dass die weibliche Brust normalerweise weich ist, bei mir jedoch etwas Hartes ist, was nicht dorthin gehört. Deshalb würde es in einer Operation weggemacht werden. Damit die Brust dann wieder komplett weich ist, müsse ich eine Medizin nehmen, die die Haare ausfallen lässt.“ Ihr Leben habe sie weitergeführt wie zuvor. Vielleicht war auch diese Ehrlichkeit der Grund dafür, dass ihre Kinder keinerlei Auffälligkeiten in der Schule zeigten und die Erkrankung gut verarbeiten konnten.

Sterben kommt nicht infrage

Verarbeitet hat Barbara die Krankheit mittlerweile auch – vergessen aber nicht. Gedanken über eine Neuerkrankung macht sie sich nicht. Trotzdem nimmt sie regelmäßig alle Kontrolltermine wahr. „Ich brauche diese Kontrolle. Wenn etwas sein sollte, möchte ich es sofort wissen und handeln.“ Die Erlebnisse der Therapie sind in ihrem Buch oft sehr präsent. Über die Chemotherapie hat sie eine für sie besondere Erinnerung festgehalten: „Als die Nebenwirkungen einmal besonders hart waren, habe ich laut gedacht: Ob Sterben wirklich so schlimm ist? Meine kleine Tochter hat dann gesagt: „Aber Sterben kommt nicht in Frage, Mami!“ Oh Gott, was für eine Aussage. Natürlich habe ich dann geantwortet: Nein, ich bin immer noch da!“

Barbara ist es besonders wichtig, ihre Erfahrungen mit der Erkrankung, die so gut verlaufen ist, mitzuteilen. Es geht ihr darum, anderen Betroffenen Mut zu machen und zu zeigen, dass Brustkrebs nicht das Ende ist. „Ich dachte immer, ich hätte so eine Krankheit nicht gebraucht, um das Leben zu genießen, aber jetzt ist es noch intensiver. Es ist, als ob mir jemand diese Krankheit geschickt hätte, damit ich nicht mehr oberflächlich denke.“

Die Lesungen aus ihrem Buch sind häufiger Bestandteil von medizinischen Veranstaltungen. Vielleicht erscheint es bald auch in einer deutschen Fassung. Ein emotionales Erlebnis ist es jedes Mal. Besonders wenn Barbara an die Szene im Badezimmer denkt, nach der ihre Kinder sie fragten: „Mama, wann wachsen deine Haare wieder?“

  • Portraitbild Barbara
    Barbara
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Tu was dir gut tut!

Claudia erkrankt 1998 zum ersten Mal an Brustkrebs. Was sie durch ihre Erkrankung gelernt hat: Sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Als Sozialarbeiterin ist sie immer für andere da. Nach der Diagnose hat sich das ein Stück weit gewandelt.

Claudia tastet sich beim Duschen regelmäßig ab. An einem Urlaubswochenende fühlt die damals 39-Jährige beim Einseifen plötzlich einen Knoten in der Brust. Ärzte beschwichtigen sie: Für Brustkrebs ist sie zu jung. Doch sie besteht auf eine Biopsie – der Befund: Brustkrebs. Der Knoten ist noch nicht sehr groß, jedoch sind schon Lymphknoten befallen. Es folgt ein Operationstermin mit anschließender Chemotherapie und Bestrahlung. In diesem Zeitraum durchlebt die Mutter eines sechsjährigen Jungen einen Wandel sowohl in der Partnerschaft als auch im Beruf. „Ich habe mich in der Therapiephase von meinem Mann getrennt und zunächst ein Jahr lang mit meinem Sohn alleine gelebt. Zuvor habe ich noch nie alleine gewohnt. Das war eine schöne, neue Erfahrung die mir geholfen hat, die Altlasten hinter mir zu lassen. Ohne die Erkrankung hätte ich mich wahrscheinlich vorerst nicht auf die Trennung eingelassen.“ Inzwischen ist Claudia wieder glücklich verheiratet. „Sich mit 40 noch mal so zu verlieben, war ein ganz tolles Gefühl.

Der Rückfall

2004 folgt ein Rezidiv. Bereits 2003 ist im Ultraschall etwas erkennbar. Der Brustkrebs wird jedoch von den Ärzten verharmlost. Mit einem schriftlichen Befund wird bestätigt, dass nichts zu sehen ist. Doch das schlechte Bauchgefühl hält an. Claudia geht zu einem anderen Arzt. Dieser diagnostiziert ein Rezidiv – Der Tumor ist HER2 neu positiv. Es sind drei befallene Lymphknoten in der gleichen Achsel wie zuvor. Das bestärkt sie in ihrer Meinung: Lieber einmal zu viel zum Arzt gehen, als zu wenig. Danach folgen die zweite OP und eine Bestrahlung.

Klare Worte

Während der gesamten Zeit gehen Claudia, ihr Mann und ihr Sohn sehr offen mit der Krankheit um. Auch die Frage nach dem Sterben wird gestellt. Ehrlichkeit – auch in Bezug auf das Thema Tod – ist ihr und ihrem Mann wichtig. Er antwortet: „Das kann passieren.“ Ihr Sohn ist durch die Offenheit sehr erwachsen geworden und kann mit der Situation gut umgehen. Claudia weiß, dass es nicht nur für die Patientinnen selbst wichtig ist, gut über die Erkrankung informiert zu sein. Auch die Angehörigen sollten Bescheid wissen, um Emotionen teilen und zeigen zu können. Für Claudia und ihre Familie war psychotherapeutische Begleitung eine wichtige Unterstützung.

Nicht erst später – jetzt!

Neben den klassischen Therapiemöglichkeiten, setzt Claudia während ihrer Brustkrebserkrankung viel auf gesunde Ernährung und Bewegung. Negativen Stress versucht sie, so gering wie möglich zu halten.

Wichtige Dinge verschiebt sie nicht mehr und sie lernt, sich nicht mehr für alles verantwortlich zu fühlen und Aufgaben abzugeben. Mit ihren Erfahrungen möchte sie andere Betroffene unterstützen: „Neben meiner eigentlichen Tätigkeit als Sozialberaterin, habe ich in den ganzen letzten Jahren nach meiner Erkrankung viele Weiterbildungen gemacht. Unter anderem bin ich Entspannungstherapeutin, habe eine psychoonkologische Weiterbildung und gebe aktuell Kurse für Krebspatienten.“ Auch das Reisen hat einen hohen Stellenwert für sie: Sogar während ihrer Chemotherapie macht Claudia eine Rucksack-Reise. „Mein damaliger Arzt meinte, der Urlaub sei wichtiger als die Chemo. Diese Einstellung fand ich ganz toll! Deswegen habe ich die Chemo verschoben und wir sind nach Hawaii und San Francisco gereist, wo ich den schönsten Sonnenuntergang an der Golden Gate Bridge erlebt habe.“ Während der Chemo und auch heute schaut sie sich immer wieder die Fotos an und ist glücklich, wieder gesund zu sein.

  • Portraitbild Claudia
    Claudia
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„Ich muss doch so alt werden wie meine Oma“

 

Wenn Gabriele den Raum betritt, strahlt sie vor allem eins aus – positive Energie.  Der Grund für ihre Energie sei ihre neue Heimat: Ein Haus am Chiemsee. Den Lebensabend dort verbringen, wo sie und ihr Mann schon immer sein wollten und auf eine möglichst unbeschwerte gemeinsame Zeit hoffen – ein Lebenstraum. Der Mut ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen, kam erst nach dem einschneidenden Erlebnis Diagnose Brustkrebs. Nach der schweren Zeit hat sich vieles geändert. Gabriele möchte vor allem eins: Anderen Betroffenen Mut machen und sie motivieren, über ihre Krankheit zu sprechen.

Frau Zimmermann, 2012 erhielten Sie die Diagnose.

Ja, der Tumor wurde bei der Vorsorgeuntersuchung entdeckt. Allerdings nicht bei der Mammografie, sondern erst bei der Sonografie. Deshalb ist es wichtig, sowohl die Ultraschall-, als auch die Röntgenuntersuchung machen zu lassen. Mein Tumor war sehr versteckt und nur 1,8 cm groß.

Wie ist Ihre Erkrankung verlaufen?

Ich wurde nach den Untersuchungen zur Stanzbiopsie ins Klinikum eingeladen. In der Zeit bis zum Ergebnis habe ich mir eingeredet, da sei nichts. Brustkrebs kam zwar auch in meiner Familie vor, aber nur bei meiner Tante und nicht bei meiner Mutter. Deswegen habe ich mir da gar keine Gedanken gemacht. Vier Tage später bekam ich die Diagnose Brustkrebs. Es ist, als würde man gegen eine Wand laufen. Drei Tage später wurde ich operiert.

Fühlten Sie sich bei den Ärzten gut aufgehoben?

Ich hatte eine ganz tolle Ärztin, sie hat mir Mut gemacht. Mein erster Satz nach der Diagnose war: Das kann doch nicht sein! Meine Oma ist 99 Jahre alt geworden, ich muss doch auch so alt werden. Daraufhin meinte sie, dass 80 Jahre doch auch reichen und wir das gemeinsam schaffen würden. Ich war wie vor den Kopf gestoßen, hatte schlimme Gedanken, aber sie hat mir da rausgeholfen.

Was hat Ihnen geholfen, um mit der Krankheit besser klarzukommen?

Eine große Hilfe war mein Mann. Er hat mich immer zu den Arztterminen begleitet, war bei jeder Therapie dabei. Man braucht diesen Halt. Ich musste alle drei Wochen sechs Mal zur Chemotherapie. Das war sehr nervenaufreibend. Die Ärztin hat mir jedes Mal gesagt, ich soll in den Wochen dazwischen wegfahren. Ablenkung sei ganz wichtig. Aber bei mir hat das nicht so richtig funktioniert, da ich die Chemotherapie am Anfang sehr schlecht vertragen habe.

Steht die Angst immer im Vordergrund oder gibt es auch positive Momente?

Die Unterstützung von Familie und Freunden sind die positiven Momente. Eine Freundin und Nachbarin hat mich ständig besucht und mich aufgebaut. Ich bin immer offensiv mit der Krankheit umgegangen. Mir hat es gut getan, darüber zu reden. Man braucht Ablenkung, denn das Schlimmste ist, sich zu verkriechen. Wenn die Freunde anrufen, hilft das schon sehr. Man kann sogar sagen, die Freundschaften sind in dieser Zeit noch enger geworden.

Was hat sich durch die Krankheit für Sie noch verändert?

Mir geht es wieder ganz gut, aber ich bin nicht mehr so belastbar wie früher. Deswegen haben mein Mann und ich nach dem Ende der Therapie entschieden ins Chiemgau zu ziehen – dorthin, wo es uns schon immer gut gefallen hat. Früher hatten wir ein großes Haus, jetzt eine Wohnung. Wir gehen viel raus auf die Berge und sehen die Natur mit ganz anderen Augen. Außerdem schauen wir jetzt mehr auf unsere Gesundheit. Denn wir wissen das Leben mehr zu schätzen und genießen jeden Tag.

Sind Sie wieder im Berufsleben?

Ich bin dabei mich neu zu orientieren. Ich möchte als Seniormodel arbeiten. Ich war vor Kurzen schon in der „Bild der Frau“. Die hatten einen Aufruf, ob man seine neue Frisur fürs Leben gefunden hat und da habe ich ein Bild von mir hingeschickt und wurde genommen. Ich war sogar in Hamburg bei einer Typberatung mit Umstyling. Seit einiger Zeit arbeite ich als Komparsin beim Fernsehen. Das sind die Sparten, in denen ich Fuß fassen möchte.

Was raten Sie anderen Betroffenen?

Ein Arzt hat vor Jahren zu mir gesagt, ich soll regelmäßig zur Mammografie gehen, Brustkrebs sei grausam – und da hat er Recht. Es ist wichtig, sich untersuchen zu lassen. Wer betroffen ist, sollte seinen Ärzten vertrauen. Nach der Diagnose war ich gar nicht im Stande klar zu denken, geschweige denn drüber nachzudenken, eine zweite Meinung einzuholen. Man darf sich aber auch nicht verrückt machen. Außerdem empfehle ich, offensiv mit der Krankheit umzugehen. Nur so bekommt man auch die Unterstützung von Anderen. Freundschaft ist wie eine Ehe: In guten wie in schlechten Zeiten. Das Thema begegnet einem sowieso ständig. Wenn ich unterwegs bin und sehe, dass eine Frau eine Perücke trägt, dann denke ich, `Oh Gott, die ist auch betroffen´. Von daher ist es gut am Anfang zur Selbsthilfegruppe und zur Psychoonkologin zu gehen und später zu versuchen das Thema ruhen zu lassen. Die Angst wird sonst nie weniger.

Was wünschen Sie sich für Ihre nächsten zehn Jahre?

Im Chiemgau sind wir rundum glücklich. Es tut gut, unseren Traum erfüllt zu haben. Aber natürlich wünsche ich mir, dass ich gesund bleibe, dass es stetig aufwärts geht.

  • Portraitbild Gabriele
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Seinen eigenen Weg gehen!

Heike im Interview

Heike ist ein fröhlicher Mensch. Ihre positive Einstellung ist mitreißend. Niemand würde vermuten, dass sie schon Schlimmes erlebt und überlebt hat: Brustkrebs. Doch sie hat sich die Freude am Leben nicht nehmen lassen und möchte nun dazu beitragen, andere Betroffene aufzuklären und zum Kampf gegen den Brustkrebs zu motivieren.

Wann haben Sie Ihre Diagnose erhalten? Welche Therapiemaßnahmen wurden ergriffen?

Ich habe die Diagnose im August 2010 erhalten. Beim Duschen habe ich selbst einen Knoten getastet und bin dann zur Frauenärztin gegangen. Diese sagte, dass das ein Tumor sei und ich musste zur Biopsie. Innerhalb von vier Wochen sollte ich schon zur ersten Chemotherapie. Es ging also alles ziemlich schnell.

Wie fühlten Sie sich, als Sie erfuhren, dass Sie Brustkrebs haben?

Das war natürlich ein Riesenschock für mich, schon als ich den Tumor gefühlt habe. Als sich der Verdacht bestätigt hat, hat mir das buchstäblich den Boden unter den Füßen weggerissen. Diese Ohnmacht, die ich gespürt habe, war ganz furchtbar für mich. Regelrecht ein Albtraum. Ich bin dann aber zur ersten Chemo mit dem Gefühl gegangen: Jetzt wird etwas für mich getan!

Hatten Sie starke Nebenwirkungen?

Wir dachten, die Chemotherapie wird ein Grauen, aber allgemein ging es mir gut. Ich bin weiterhin meinem Hobby nachgegangen. Ich bin ja in einer Tanzgruppe. Ich habe mir immer gesagt: „Dienstags Auftritt, mittwochs Chemo. Ja, das passt!“ Das hat mich echt aufrecht gehalten. Eine Szene ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Während unserer Tanzproben wurde mir warm und ich habe meine Mütze abgenommen. Jeder streichelte mir über den Kopf und sagte: "Ohne Haare bist du auch schön." Der Gedanke daran beruhigt mich noch heute.

Wie sind Sie in Ihrer Familie und im Freundeskreis mit der Diagnose umgegangen?

Mein Mann und ich haben uns direkt damit auseinandergesetzt. Da war natürlich auch diese Traurigkeit, weil man nicht genau wusste: Was kommt auf uns zu? Wie wird es enden? Wir haben aber immer über alles gesprochen. Auch vor unseren Kindern sind wir ganz offen damit umgegangen.

Wer oder was hat Ihnen in dieser Zeit besonders gut geholfen?

Ganz ehrlich: Ich mir selbst. Ich bin ein Mensch, der seinen Weg geht. Aber mir haben auch meine Freunde und Bekannte geholfen. Menschen, die einem guttun. Ich habe die frische Luft genossen, viel unternommen und nicht nur zuhause gesessen. Materielle Dinge waren nicht wichtig für mich. Ich habe mich gefreut, wenn die Sonne schien oder die Blümchen geblüht haben – Kleinigkeiten haben mich glücklich gemacht. Ich bin dankbar, dass ich so bin. Damals hab ich gedacht, ich werde jetzt immer an den Krebs denken. Aber das ist zum Glück nicht so.

Was war für Sie das prägendste Erlebnis während Ihrer Erkrankung?

Meine Tochter war damals 10 Jahre alt und an Weihnachten hat sie einen Wunschzettel unter den Weihnachtsbaum gelegt. Den habe ich heute noch. Sie hat eine ganze Seite an das Christkind geschrieben: Keine Wünsche, keine Geschenke. Nur dass ihre Mama wieder ganz gesund wird. Und ich hab ihr dann als Christkind zurückgeschrieben: „Versprochen wird nicht gebrochen. Deine Mama wird wieder ganz gesund!“

Haben Sie während Ihrer Erkrankung ein neues Hobby für sich gefunden?

Ich habe ja immer getanzt, aber Laufen war zum Beispiel nie was für mich. Als ich für die Reha auf Borkum war, sagte einer zu mir: „Heike, wenn du deine ersten fünf Kilometer läufst, laufe ich mit Dir mit. Ich meinte: „Das schaffe ich nie“. Doch innerhalb eines Jahres habe ich es dann tatsächlich geschafft. Ich wollte einmal im Leben mit der Startnummer durchs Ziel laufen und meinen Namen hören. Natürlich habe ich es nicht in 20 Minuten geschafft. Ich habe die doppelte Zeit dafür gebraucht. Aber ich habe es geschafft.

Was würden Sie anderen Brustkrebspatientinnen mit auf den Weg geben?

Also man sollte auf jeden Fall seinen eigenen Weg gehen! Mehr gibt es da eigentlich nicht zu sagen. Man darf nicht denken, dass es einem nur gut geht im Leben. Man muss auch die Hürden, die sich einem in den Weg stellen, nehmen. Ich würde nie sagen, ich habe den Krebs besiegt. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Respekt vor der Krankheit haben, gesunden Respekt. Jedoch sollte die Angst einen nicht beherrschen.

Was mir außerdem sehr am Herzen liegt, ist das Thema Sexualität. Durch die Folgen der Therapien ist es meinem Mann und mir nicht mehr möglich, Geschlechtsverkehr zu haben. Am besten geht man damit um, indem man andere Prioritäten setzt. Im Sommer sitzen wir gerne im Garten, trinken ein Gläschen Wein und schauen händchenhaltend in die Sterne. Es ist ganz wichtig, dass der Partner einen unterstützt und Verständnis für die Situation hat. Das ist für uns auch manchmal eine schwere Situation, und ich muss viel weinen. Es gibt zwar viele Möglichkeiten, doch das Zusammensein fehlt schon. Ich weiß nicht, ob jemand anderes auch diese Probleme hat, die meisten verschweigen es sicher. Es ist eben ein absolutes Tabuthema. Doch wir leben und sind glücklich und zufrieden, so wie alles ist.

  • Portraitbild Heike
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Manchmal hilft Normalität am meisten

„Wer sich nur mit der eigenen Krankheit befasst, der hat keine Freude mehr am Leben“, sagt Hella in ihrem bayrischen Akzent und mit einem Lachen in der Stimme. Die Krankenschwester erkrankt gleich zwei Mal an Brustkrebs. Und besiegt ihn zwei Mal.

Den Knoten ertastet Hella mit 41 Jahren selbst und fährt sofort zum Arzt. Obwohl die Ärzte keine eindeutige Diagnose stellen können und zunächst nichts Bösartiges vermuten, entscheidet sie sich selbst zu einem radikalen Schritt: „Was da nicht reingehört, muss weg. Ich lasse den Knoten entfernen.“ Wie wichtig und richtig diese intuitive Entscheidung ist, zeigt sich nach der brusterhaltenden OP. Es werden auch direkt einige Lymphknoten entnommen. Sie sind bereits befallen. Die histologische Untersuchung gibt Hellas Verdacht Recht – sie hat Brustkrebs.

Brustkrebs zu bekommen mit 41 Jahren, verheiratet und drei Kindern im Alter von 6, 13 und 14 Jahren, versetzt Hella in große Angst. „Wenn ich jetzt sterbe, dann steht mein Mann allein mit den Kindern da.“ Es fließen viele Tränen, aber dann sagt sie zu sich selbst und auch zu ihrer Familie: „Der Krebs bekommt mich nicht.“

Ihre Familie fordert in dieser Zeit so viel Normalität von Hella, wie möglich. Weitermachen wie bisher, lautet die Devise. Dass ihre Mama ihre Haare verlieren könnte und sie dann auch von außen krank aussehen würde, das ist für ihre damals 13-jährige Tochter eine schlimme Vorstellung. Doch Hella sagt heute, dass ihr und ihrer Familie diese Normalität am meisten geholfen hat.

Auch ihren Freunden erzählt sie offen von ihrer Erkrankung. Dadurch steht auch nichts zwischen ihnen – kein Unbehagen oder Schweigen. Hella gehört mit zur Partie, so wie immer. Auch wenn es ihr manchmal schlecht geht und sie sich ausruhen muss; sie bleibt aktiv, so gut sie es eben kann. Sie arbeitet weiter, sie spielt Volleyball, sie reist und liest leidenschaftlich gern, sie kümmert sich um ihre Familie und obendrein betreut sie noch ein Museum in ihrer niederbayrischen Heimat. „Ich hatte so viel um die Ohren, auch während meiner Erkrankungen. Ich hatte gar keine Zeit zum Sterben.“

Nachdenklich wird sie nur, wenn wieder ein Kontrolltermin ansteht oder die nächste Mammografie. Schon drei, vier Tage vorher wird sie unruhig. Sie weiß, dass die Möglichkeit besteht, dass der Krebs zurückkommt. 14 Jahre nach der erstmaligen Diagnose kommt er zurück. Als Hella bei ihrer zweiten Brustkrebserkrankung die Haare dann verliert, sind die Kinder erwachsen und geben ihr Rückhalt: „Mama, Du sieht toll aus – auch mit Glatze.“ Sie schafft es, sich ihre positive Grundhaltung auch beim zweiten Kampf gegen den Krebs zu bewahren.

Heute ist Hella gesund und freut sich auf die Zukunft: Bald wird sie zum ersten Mal Oma und kann das neue Familienmitglied und den Lebensabschnitt, der auf sie zukommt, kaum erwarten. „Wir freuen uns einfach, wenn unser Enkelkind gesund ist und wenn wir Freude an ihm haben dürfen.“

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    Hella
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    Hella

Meine letzten 13 Jahre

Ein Leserbrief von Ilonka

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Diagnose Brustkrebs habe ich zum ersten Mal 2002 erhalten. Zu diesem Zeitpunkt war ich zwei Jahre im „Unruhestand“, sprich Vorruhestand, mit gerade einmal 55 Jahren. Dass es mich wie ein Pfeil traf, brauche ich wohl nicht zu erklären. Nach dem ersten Schock und der Behandlung aber wurde ich neugierig. Ich wollte alles über meine Erkrankung wissen, über Behandlung und Nachsorge.

Leider konnte ich mein geliebtes Eltern-Kind- und Kinderturnen nicht mehr weitermachen. Auch Walken war nicht mehr möglich, weil ich durch die Entfernung von 32 Lymphknoten einen immer dickeren Arm bekam. Während dieser Zeit dachte ich an die Fabel vom Frosch, der in ein Glas Milch fällt. Er kann nicht schwimmen und bekommt große Angst zu ertrinken. Sollte der Frosch dieses Schicksal ruhig annehmen oder etwas tun? In seiner Panik beginnt er, wild zu strampeln und siehe da, aus der Milch wird Butter. Der Frosch steigt aus dem Glas und ist gerettet. Mein Lebensmotto ist ebenfalls: Nicht aufgeben!

Fünf Jahre lang musste ich Tamoxifen nehmen – dann sollte man vor einem Rückfall sicher sein. So vergingen die Jahre und ich wurde mit jedem Tag zuversichtlicher. Nach fünf Jahren dachte ich: Du hast es geschafft! 2008 brach dann eine Welt für mich zusammen. Der Krebs war zurück: Ich wollte nicht mehr. Zum Glück hatte ich im Hintergrund die Gruppe Ludwigshafen der „Frauenselbsthilfe nach Krebs“. Schon nach meiner ersten Erkrankung wurde ich hier aufgebaut.

Im Mai 2008 wurde ich an derselben Brust brusterhaltend operiert. Im Juli, noch immer war der Tumor nicht weg, wurde die Brust ganz entfernt. Im Dezember dann auch noch ein Knoten unter der Narbe: Die dritte Brust-OP in diesem Jahr. Ein Alptraum! Mein Umfeld setzte alles daran, mich wieder aufzurichten. Auch mein Psychologe half mir dabei … und natürlich der Sport.

2009 konnte ich wieder Walken. Meine Wunden waren verheilt, auch wenn der Seelenschmerz nie ganz weggeht. Auf einem Vortrag erfuhr ich vom Onko-Walking: Walken speziell für Krebspatientinnen. Das war’s! Ich wollte anderen Frauen nicht nur bei Treffen der Selbsthilfe unterstützen, sondern auch beim Sport. Ehrenamtlich, mit ganz viel Einsatz und Zeitaufwand kam ich in die Zeitung. Sogar das Fernsehen hat einen Film von meiner Gruppe gedreht.

Jetzt stehe ich im Mittelpunkt und „Gott und die Welt“ kennt mich. Vor meinen OPs war mein Leben eher unauffällig, da war ich eher die graue Maus. Heute kann ich sagen: Eigentlich bin ich froh, dass ich an Brustkrebs erkrankt bin. Ansonsten hätte ich nie all die schönen Dinge erlebt, all die netten Menschen kennengelernt, die meinen Weg wie eine Blumenwiese begleitet haben und immer noch begleiten.

Das waren meine letzten 13 Jahre mit Krebs. Ich hoffe, dass sie vielen Frauen Mut machen.

Mit freundlichen Grüßen
Ilonka

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Aufgeben war nie eine Option für mich!

Ihre positive Lebenseinstellung hat Inge durch die Zeit ihrer Brustkrebserkrankung geholfen

Inge ist heute gesund. Ihr geht es gut, bis auf die kleinen Wehwehchen des Alters, die jeden treffen und die man nicht ändern kann. Heute ist es für sie fast unwirklich, dass sie erst vor ein paar Jahren vom Leben so hart auf die Probe gestellt wurde – sie hatte Brustkrebs.

Das Gefühl in der Magengegend

Ihre Diagnose bekommt Inge im Jahr 2009. Nach der Mammografie erhält sie vor dem Wochenende einen Brief vom Arzt. Sie muss noch einmal zur Nachkontrolle. „Fassen Sie dies aber nicht als Zeichen einer schweren Erkrankung auf“, steht außerdem dort geschrieben. Leichter gesagt als getan. Sie spricht mit ihrem Mann, der sie hilflos versucht zu beruhigen: „Reg´ dich nicht auf, sondern warte doch erst einmal ab.“

Doch Inge hat ein negatives Gefühl in der Magengegend und ihr ist sofort klar, dass da etwas nicht stimmt. Der Verdacht bestätigt sich dann bei der Nachkontrolle und ihr Befund ist positiv. Der erste Gedanke, der ihr durch den Kopf schießt: „Dich hat es also auch erwischt.“ Alles lief binnen Sekunden wie ein Film vor ihren Augen ab. Doch sie wusste sofort: „Diese Krankheit und alles, was mit ihr zusammenhängt, kriegt mich nicht klein!“

Sie selbst hat den Knoten, der direkt hinter der Brustwarze sitzt, nicht gespürt und auch keine Veränderungen festgestellt.

Liegt es an den Genen?

Das Thema Brustkrebs ist Inge alles andere als fremd: Ihre Schwester war bereits 1994, mit 40 Jahren, das erste Mal am Mammakarzinom erkrankt und dann 2008 – also ein Jahr vor dem eigenen Befund von Inge – ein zweites Mal. Die Erinnerungen an die Erkrankung sind also noch ganz frisch. Wegen ihrer Schwester, aber auch ihrer Mutter, die an Eierstockkrebs verstorben ist, entscheidet sich Inge dann zu einem Gentest – er fällt negativ aus. Inge hat keinen erblichen Brustkrebs und kann diesen auch nicht an ihre Kinder weitergeben. Doch Inge weiß: Viele Faktoren können Brustkrebs auslösen.

Das Schlimmste für sie ist der Gedanke daran, es den eigenen Kindern zu erzählen. Sie selbst hatte jedoch ihre Schwester die Krankheit schon zweimal überleben sehen und das motiviert sie dazu, den Kampf gegen den Krebs aufzunehmen: „Da gehst du durch, das schaffst du!“ Alle Familienmitglieder sind natürlich erst einmal geschockt, gehen dann aber sehr fürsorglich und toll mit ihrer Krankheit um.

Inge erzählt nur den engsten Freunden von ihrer Erkrankung – sie hat keine Lust auf Gefühlsausbrüche und mitleidige Blicke. Vor allem für ihre Freundinnen, die imselben Alter sind, ist die Erkrankung eine schmerzhafte Erinnerung an die eigene Endlichkeit. So empfindet es Inge selbst auch. Mit über 60 Jahren wird sie erstmals bewusst daran erinnert, dass ihr eigenes Dasein nicht unendlich ist. Besonders zwei Freundinnen stehen ihr in dieser Zeit immer zur Seite. „Ich hätte die beiden Tag und Nacht anrufen können. Wenn ich nachts aufgewacht wäre und mir wäre es schlecht gegangen oder ich hätte einen Albtraum gehabt, hätte ich zum Telefonhörer greifen und die beiden anrufen können – das zu wissen, tat gut!“

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

An ihre erste Chemotherapie erinnert sich die Kölnerin aber bis heute: Sie erhält diese an Weiberfastnacht. Scherzend geht sie ins Krankenhaus und sagt: „Ich möchte meine Cocktails holen, wenn ich schon nicht zum Karneval gehen kann.“ Das Krankenhauspersonal schaut sie an wie das siebte Weltwunder. Doch das ist ihre Art, mit der Krankheit umzugehen und ihre Lebensfreude zu bewahren.

Inge bekommt insgesamt acht Chemotherapien und 30 Bestrahlungen. Eine weitere Belastung: Zunächst wird sie brusterhaltend operiert. Dann wird ihr geraten, doch die Brust abnehmen zu lassen. Das übersteht sie aber gut – genauso wie die ersten vier Chemotherapien; die Medikamente gegen die Übelkeit helfen. Der zweite Zyklus trifft sie härter: „Ich war platt wie eine Briefmarke und hätte den ganzen Tag schlafen können. Ich hätte vielleicht 800, oder 900 Meter laufen können und dann hätte man mich nach Hause fahren müssen“, beschreibt sie selbst das Gefühl nach der Behandlung.

Eine weitere negative Begleiterscheinungen: Nach der Chemotherapie kribbelt es in den Zehen und Fingern, sie hat keinen Geschmack mehr und die trockene Mundschleimhaut belastet sie. Positive Gedanken helfen ihr aber auch hier, die Nebenwirkungen zu überstehen. Sie denkt: „Wenn das alles ist, schaffe ich das. Die Beschwerden gehen auch wieder weg. Außerdem geht es anderen Frauen wesentlich schlechter – viele können nicht einmal mehr richtig laufen.“

Kreatives Arbeiten lenkt ab

Das größte Hobby von Inge ist bis heute das Basteln. Die kreativen Bastelabende, die sie schon in der Zeit vor ihrer Krankheit besucht, geben ihr Halt. Sie wollte nicht nur zuhause sitzen und nichts tun. An der Diagnose hätte das auch nichts ändern können. Auch wenn sie zwischenzeitlich Pause machen muss, weil ihr die Finger zu stark kribbeln und sie nicht mehr kann. Dann bewegt sie ihre Finger ein bisschen und im Anschluss macht sie weiter. Ihr ganz persönliches Credo: „Aufgeben war nie eine Option für mich!“

„Für mich ist das Glas immer halb voll“

Inge hat für die Zukunft ganz bescheidene, aber elementare Wünsche: Sie möchte mit ihrer Familie einfach glücklich sein, ihre Enkel aufwachsen sehen und mit ihnen Freude haben. Durch ihre Erkrankung ist sie sich der Endlichkeit des Lebens bewusst und genießt jeden Tag in vollen Zügen. Inge geht weiterhin mit ihrer positiven Einstellung durchs Leben und sagt: „Für mich ist das Glas immer halb voll.“

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Wo Pläne aufhören und das Leben beginnt

Kerstin ist eine junge bildhübsche Frau aus Waging am See. Als Eventmanagerin plant sie alles ganz genau. Den Arbeitsalltag, das nächste Festival und die eigene Hochzeit. Im Februar 2012 kommt ihr Sohn Niklas auf die Welt – im November 2012 erhält sie die Diagnose Brustkrebs. Dass Freud und Leid nah beieinander liegen, durchlebt sie in nur wenigen Monaten. Was sich bei ihr vor allem geändert hat? Sie denkt jetzt anders übers Planen.

Ein zweites Auto kaufen, ein Haus bauen, heiraten. Für viele ist Pläne schmieden etwas Schönes. Man blickt in die Zukunft und freut sich. Den Moment zu leben, fällt den meisten hingegen schwer. Bei Kerstin ist es genau umgekehrt. Normal wird für sie, am Morgen zur Chemotherapie zu gehen und am Nachmittag mit ihrem kleinen Sohn herumzualbern. Über den Hausbau zu sprechen, ist für sie nicht mehr normal. Sie empfindet es als bedrückend, allzu weit in die Zukunft zu blicken. Zu viele Fragen machen ihr dann zu schaffen, auf die sie doch keine Antwort bekommt: Was, wenn der Krebs zurückkommt? Was, wenn wir in das Haus nicht einziehen können? Was, wenn ich in einem Jahr nicht mehr da bin?

„Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich Brustkrebs habe. Auch nicht, als ich zur Mammografie musste. Ich war doch eine stillende Mutter.“ Es folgen ein halbes Jahr Chemotherapie, dann ein Jahr Antikörpertherapie und viele Schicksale von anderen Patientinnen, die sie hautnah miterlebt. „Wenn man hört, dass wieder einer gehen muss – das ist einfach nur schlimm.“ In dieser Zeit stehen Mann, Eltern und Freunde immer an ihrer Seite, wofür sie ihnen unendlich dankbar ist. Heute geht es Kerstin gut. Sie sagt, eigentlich sei ihr Leben wieder wie vor der Krankheit. Nur mit Kind. Und mittlerweile auch mit Hund. Trotzdem: Jetzt steht die Familie an erster Stelle. Und dann die Arbeit. Jetzt hat sie lieber wenige gute Freunde als einen großen Bekanntenkreis.

Wie schafft man es, gerade als junge Mutter, die Diagnose Brustkrebs anzunehmen? Für Kerstin lautet die Frage eigentlich anders: „Hätte ich es geschafft, wenn ich nicht meinen kleinen Sohn gehabt hätte?“ Den fröhlichen kleinen Niklas, der immer nur lacht und den sie „unseren kleinen Sonnenschein“ nennt. Mit dem Tag seiner Geburt versteht sie: „Das Leben ist halt nun mal so. Ein Kind kommt auf die Welt und es ist vorprogrammiert, dass man irgendwann auch wieder gehen muss. Die einen früher, die anderen später.“

Ein Haus bauen – das möchte Kerstin erstmal nicht. Aber es gibt auch Pläne, die Halt geben. Und Tage, die einfach nur schön sind und an denen der Krebs keinen Platz bekommt. Wie ihre kirchliche Hochzeit, die ihr Mann und sie im Sommer 2014 feiern. Auch diese Planung empfindet sie erst als große Hürde. Und die „Was, wenn“-Fragen toben wieder durch ihren Kopf. „Ich wollte doch nie ohne Haare heiraten. Was, wenn der Krebs bis zum Sommer zurückkommt?“ Aber dann will sie es doch. Sie erinnert sich an eine Ärztin, die sie fragt: „Wann fangen sie endlich mit dem Leben an?“ Kerstin ist mittendrin. Hier und jetzt.  

  • Portraitbild Kerstin
    Kerstin
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Ich möchte einfach in jeder Hinsicht vorne an der Spitze sein

Nicole liebt ihren Job: Sie arbeitet gemeinsam mit ihrer Schwester im Restaurant ihrer Eltern und ist dort für den Service und die Buchhaltung zuständig. Zuhause halten ihre beiden Kinder und ihr Mann sie auf Trab. Doch plötzlich gerät ihr Leben aus den Fugen – sie wird von der Diagnose Brustkrebs vollkommen aus der Bahn geworfen.

Zu jung für Krebs

Der Brustkrebs wird bei Nicole im Oktober 2013 festgestellt. Das etwas nicht stimmt, hat sie bereits sechs Monate vorher ertastet. Sie geht zum Frauenarzt, der sie beruhigt: „Nein, da ist nichts, das ist nur eine Verkalkung. Außerdem sind Sie für Brustkrebs sowieso viel zu jung und haben zwei Kinder gestillt.“ Sie solle sich also keine Gedanken machen – ihr ungutes Gefühl lässt sie aber nicht los. Ein halbes Jahr später geht sie wieder zum Arzt – er schickt sie zur Mammografie: Der Tumor ist da bereits walnussgroß.

Der Arzt versucht sie aufzuklären; alles in einem Gespräch: Brustabnahme, Chemotherapie, Staging, Aggressivität ihres Tumors. Minutenlang spricht er mit ihr und sie denkt nur: „Der spricht doch nicht mit mir.“ Zuhause schließt sie sich eine zeitlang nur ein. Schlussendlich holt ihre Schwester sie aus dieser Starre und fährt mit ihr direkt in die Uniklinik. Ab dem Zeitpunkt verläuft die Betreuung so, wie Nicole es sich wünscht. „Das Personal dort ist immer für einen da – man kann Tag und Nacht anrufen.“

„Ich bin die Sylvie van der Vaart vom Ort“

Nicole zieht sich zu Beginn der Krankheit zurück. Sie will niemanden sehen, außer ihrer engsten Familie, und hat Angst davor, ein Schauobjekt zu werden. Irgendwann merkt sie aber: Mit dieser Einstellung kommt man kein Stück weiter. Sie wandelt sich komplett und holt die Leute zu sich, um ihnen von der Krankheit zu erzählen; egal, ob sie es hören wollen oder nicht. „Ich habe immer gesagt: Ich bin die Sylvie van der Vaart vom Ort.“ Offen spricht sie über ihre Brustoperation und auch, als ihre komplette Brust entfernt wird, schweigt sie nicht. In der Familie erfährt sie einen starken Zusammenhalt, insbesondere von ihren drei Schwestern, aber auch von Bekannten, von denen sie es nie erwartet hätte.

Eine ganz besondere Begegnung

Die Begegnung mit einer ganz besonderen Frau ist Nicole bis heute in Erinnerung geblieben: Sie ist ca. Mitte 50 und vertreibt sich die Zeit während der Chemotherapie mit dem Stricken. Nicole fragt sie, was sie strickt: „Eine Decke für mein Enkelkind“, antwortet sie. Nicole, selbst zweifache Mutter, ist begeistert und fragt, wann es soweit ist. Die Frau antwortet: „Nein, mein Sohn hat noch gar keine Frau“ und sie beginnt zu erzählen: „Es ist so, dass ich dieses Jahr nicht mehr überleben werde. Ich hatte ein tolles Leben und möchte dieses mit einem ebenso tollen Schluss beenden. Und wenn mein Sohn eines Tages Kinder haben wird, kann er seinem Nachwuchs sagen: Diese Decke ist von Deiner Oma.“ Nicole nimmt sich diese Einstellung zu Herzen: Nicht warten, dass es zu Ende geht, ist die Devise, sondern Dinge in die Hand nehmen und genießen bis zum Schluss.

Negatives abprallen lassen

Heute ist Nicole der Krankheit dankbar und sagt selbst: Es ist gut, wie alles gekommen ist. Der Brustkrebs hat sie gelehrt, negative Dinge nicht mehr an sich heranzulassen und alles Schlechte in positive Gedanken umzuwandeln. Vor den Untersuchungen, zu denen sie alle drei Monate muss, hat sie keine Angst mehr. Nicole sagt heute: „Ich bin fit, ich fühle mich gut und genieße jeden Tag. Ich möchte mich nicht treiben lassen, sondern einfach in jeder Hinsicht vorne an der Spitze sein.“

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Geteiltes Leid ist halbes Leid

Eine Brustkrebs-Diagnose betrifft nicht nur die Frauen, die erkrankt sind. Auch das Leben von Partnern und Kindern, von Verwandten und engen Freunden verändert sich. Mit der Situation umzugehen, ist für alle Beteiligten nicht leicht. Sabine kennt das. Als 2007 ihre Mutter erkrankt und 2012 dann ihre Schwester, muss auch sie lernen, mit dieser neuen Situation umzugehen. Sabine schenkt uns einen Einblick aus der Sicht einer betroffenen Angehörigen. Denn auch diese brauchen Mut, um stark zu sein – Für ihre Liebsten und für sich selbst.

Was hat Sie bewegt, bei dem Aufruf „10 Jahre ICH“ mitzumachen?

Im Oktober 2013 war in Esslingen eine Veranstaltung zum Thema Brustkrebs und da bin ich auf den Aufruf aufmerksam geworden. Ich finde, das ist eine tolle Aktion. Meine Mutter und Schwester hätten sich wahrscheinlich nicht getraut.

Wie haben Sie als Angehörige diese Zeit erlebt?

Es war eine schwere Zeit. Ich hatte das Gefühl, ich stehe nur daneben und kann nichts tun. Man hat Angst um die liebsten Menschen und muss Stärke zeigen. Ich habe meine Mutter und meine Schwester zu den Arzt-Terminen begleitet. Doch jemanden zu finden, bei dem man sich selber aussprechen kann, ist recht schwer.

Wie haben Ihre Mutter und Ihre Schwester von der Diagnose erfahren?

Bei meiner Mutter wurde über zwei Jahre fehldiagnostiziert. Es wurde eine Talgdrüse vermutet, jedoch hatte sich die andere Brust total verändert, bis eine Gewebeprobe entnommen wurde. Das war auch die Zeit, in der meiner Schwester und mir nahe gelegt wurde, eine Genuntersuchung machen zu lassen. Das haben wir beide erst einmal abgelehnt, weil wir dachten „Mich wird es schon nicht treffen“. Aber der Frauenarzt meiner Schwester bestand darauf, dass sie regelmäßig zur Mammografie geht. So wurde der Tumor bei ihr noch im Anfangsstadium diagnostiziert.

Konnten Sie für sich etwas Positives aus der Zeit ziehen?

Während der Erkrankung meiner Mutter habe ich meinen jetzigen Mann kennengelernt. Er hat mir sehr geholfen in dieser schweren Zeit. Während der Erkrankung meiner Schwester waren auch ihre Kinder eine große Hilfe. Wir haben Schritt für Schritt kleine Hürden genommen und überwunden. Meine Mutter hat z.B. nach jeder Chemo-Behandlung einen Blumenstrauß von mir bekommen.

Sind Sie sich in der Zeit näher gekommen?

Ja, ich bin mit ihr ganz viel laufen gegangen - wir haben Nordic Walking für uns entdeckt. Das hat uns beiden geholfen. Im Krankenhaus hatten wir auch ein positives Erlebnis. Der Professor sagte zu meiner Mutter: „Wenn Sie hier rausgehen, sind Sie gesund!“ Und ich habe daran festgehalten und immer gesagt: „Mama, er hat gesagt, du bist gesund, du wirst gesund!“ Bis jetzt ist sie sieben Jahre rückfallfrei. Das ist ein Wunder.

Wie sehen Sie sich in der Position als Angehörige in dieser Situation?

Ich denke, als Angehöriger kann man nicht mehr machen, als da zu sein, zuzuhören, Mut zu machen und vielleicht auch mal traurige Gedanken zu teilen. Wichtig ist natürlich auch, dass man für sich selber einen Ausgleich findet. Bei mir war es viel Sport, durch den ich neue Kraft schöpfen konnte. um dann mit meiner Familie weiter zu kämpfen. Ich gehe auch anders mit Vorsorgeuntersuchungen um: Viel gewissenhafter. Ich schaue mehr auf meine Gesundheit.

Was wünschen Sie sich und Ihrer Familie für die nächsten 10 Jahre?

Ich wünsche beiden, dass der Krebs nicht erneut zuschlägt, dass sie gesund bleiben und ich noch ganz viel Zeit mit ihnen verbringen kann. Ich bewundere alle, die den Kampf aufnehmen und ich wünsche allen, dass sie ihren Weg finden, um damit umzugehen und mit Mut in die Zukunft blicken können. Wir sind dadurch stark geworden, alle.

  • Portraitbild Sabine
    Sabine
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