Phase III – Engmaschige Kontrolle

Sie haben die Therapie gut überstanden und sind auf dem Weg zurück in Ihr „altes“ Leben. Seien Sie nicht zu ungeduldig und gehen Sie alles in Ruhe an. Testen Sie aus, wie belastbar Sie sind und gestalten Sie einen moderaten Wiedereinstieg in Ihr Berufsleben oder Ihren Alltag.

Planen Sie Zeit für sich ein

Vielleicht können Sie es kaum erwarten, wieder voll einzusteigen in Ihr altes Leben und in Ihren Beruf. Berücksichtigen Sie, dass Sie im Rahmen der Nachsorge und engmaschigen Kontrolle auch weiterhin viele Termine wahrnehmen müssen. Arztgespräche, Labortermine, Spezialuntersuchungen (MRT, CT, Skelettszintigraphie etc.), Physiotherapie, Lymphdrainage oder Termine beim Psychoonkologen nehmen viel Zeit in Anspruch. Eventuell erhalten Sie auch weiterhin begleitende Therapien. Schnell sind halbe und ganze Tage damit verplant. 

Möglichkeiten zum beruflichen Wiedereinstieg 

Für einen moderaten Wiedereinstieg in das Berufsleben steht Ihnen beispielsweise das „Hamburger Modell“ (in Verbindung mit § 44 SGB IX) zur Verfügung. Vielleicht eigenen sich für eine Übergangszeit auch befristete Teilzeitmodelle. Entwickeln Sie in Ruhe einen Tages-, Wochen- und Monatsplan, der alle Ihre gesundheitlichen Termine, Arbeitszeiten, Kinderbetreuungszeiten und Hausarbeitszeiten berücksichtigt. Denken Sie unbedingt auch an Ruhepausen für Sie selbst, Zeit für das soziale Leben und Ihre Hobbys, oder Rehasport. So erhalten Sie einen realistischen Überblick über die Ihnen zur Verfügung stehende Zeit. 

Tipp

Führen Sie etwa vier bis sechs Wochen lang über Ihren Tagesablauf Tagebuch. So haben Sie für Gespräche mit Ihrem Arbeitgeber eine realistische Grundlage.

Sie oder auch Ihr Arbeitgeber können finanzielle Unterstützung erhalten. Zum Beispiel für die Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes oder für Lohnzuschüsse etc. Den Antrag stellen Sie etwa bei der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Scheuen Sie sich nicht und beantragen Sie zumindest übergangsweise Unterstützung für Ihren Alltag. Sie erhalten beispielsweise eine Haushaltshilfe im Rahmen der Kinderbetreuung für Kinder unter 12 Jahren (§ 64 Abs. 1 Nr. 6 SGB IX). Auch diesen Antrag stellen Sie als Leistung zur Teilhabe bei der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Hinzuverdienen – wieviel ist möglich?

Beziehen Sie eine (befristete) Erwerbsminderungsrente beziehungsweise Arbeitslosengeld I können Sie etwas hinzuverdienen. Bei einer vollen Erwerbsminderungsrente sind das € 6.300,00 jährlich, ohne dass Sie mit einer Kürzung Ihrer Rente rechnen müssen. Allerdings dürfen Sie bei einer vollen Erwerbsminderungsrente maximal drei Stunden pro Tag arbeiten. Bei einer Teilerwerbsminderungsrente sind vier bis sechs Stunden pro Tag möglich. Beziehen Sie Arbeitslosengeld I, dürfen Sie aktuell € 165,00 monatlich hinzuverdienen. Beachten Sie hier ebenfalls eine maximale wöchentliche Arbeitszeit von unter 15 Stunden (§ 138 Abs. 3 SGB III).

Checkliste : To-do's in Phase III – Engmaschige Kontrolle

  • Stellen Sie einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente bei der Deutschen Rentenversicherung, wenn die Krankengeldzahlung durch Ihre Krankenkasse nach 78 Wochen ausläuft und die Arbeitsunfähigkeit weiterhin besteht.
  • Stellen Sie einen Antrag auf Arbeitslosengeld I im Rahmen der „Nahtlosigkeitsregelung“ (§ 145 Abs. 3 SGB III) bei der Bundesagentur für Arbeit. So können Sie die Zeit zwischen Auslauf des Krankengeldes und Entscheidung über die Erwerbsminderungsrente überbrücken. Die Nahtlosigkeitsregelung greift auch, wenn Sie noch in einem Arbeitsverhältnis stehen.
  • Sie können trotz Krebserkrankung und Erwerbsminderungsrente arbeiten und etwas hinzuverdienen. Lassen Sie sich beispielsweise durch die Deutsche Rentenversicherung beraten.
  • Beachten Sie das Flexirentengesetz, das die Möglichkeiten des Hinzuverdienens begrenzt.
  • Stellen Sie gegebenenfalls einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe/Weiterbildung bei der Deutschen Rentenversicherung.
  • Eine Onkologische Rehabilitation sollte innerhalb von vier Jahren erfolgen, kann aber im Ausnahmefall jederzeit genehmigt werden (§ 40 Abs. 3 SGB V).
  • Auch Angehörige, beispielsweise der Partner, können einen Rehabilitationsantrag stellen (§ 31 Abs. 1 Nr. 2 SGB VI).
  • Beantragen Sie unter Umständen Prozesskostenhilfe. Das Formular dazu finden Sie hier: Link.
Praxistipp

Es gibt Alternativen zum Hamburger Modell: Vielleicht können Sie mit Ihrem Arbeitgeber besprechen, wie Sie einen moderaten Übergang in Ihren Berufsalltag gestalten. Bieten Sie zum Beispiel an, Resturlaub in Form von halben Arbeitstagen abzubauen und verzichten dafür auf eine Auszahlung. Oder Sie können mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren, neuen Urlaubsanspruch ebenfalls auf Ihre Arbeitszeit anrechnen zu lassen. Prüfen Sie individuelle Teilzeitmodelle. Für Sie und Ihren Arbeitgeber fallen dann geringere bürokratische Hürden an. Im Gegenzug kann Ihr Arbeitgeber finanzielle Unterstützungen, beispielsweise in Form von Lohnkostenzuschüssen oder für die Einrichtung des Arbeitsplatzes erhalten.