Phase IV – Langzeitüberleben

Nach fünf Jahren ohne Rezidiv oder onkologischer Folgeerkrankung gelten Sie als sogenannte „Langzeitüberlebende". Viele sozialrechtliche Leistungen zu Ihrer finanziellen Absicherung sind jetzt nicht mehr unbedingt nötig. Was müssen Sie jetzt beachten?

Behörden prüfen Gesundheit und Bezüge

Ämter und Versicherungen erfragen Informationen über Ihren Gesundheitszustand und Ihren Verdienst. Davon hängen viele sozialrechtliche Vergünstigungen ab. Vielleicht benötigen Sie zum Beispiel Ihren Schwerbehindertenstatus gar nicht mehr.

Wenn Sie eine (befristete) Erwerbsminderungsrente beziehen, dürfen Sie etwas hinzuverdienen. Wieviel das genau sein darf, wird im Rahmen des neuen Flexirentengesetzes jährlich errechnet.

Die Deutsche Rentenversicherung benötigt Informationen zu Ihrem verbliebenen Restleistungsvermögen (§ 34 Abs. 3a in Verbindung mit § 96a Abs. 5), um eventuelle Bezüge zu errechnen. Basis der Berechnungen sind auch Ihre medizinischen Befunde.

Sie sind Langzeitüberlebende – und jetzt?

Sie haben wieder mehr Zeit und Kraft und sind dabei, Ihr Leben neu auszurichten. Vielleicht möchten Sie zu Ihrer Rente etwas hinzuverdienen oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen.

Grundsätzlich dürfen Sie beim Bezug einer vollen Erwerbsminderungsrente 6.300,00 Euro pro Jahr dazuverdienen. Mehr als drei Stunden täglich beziehungsweise 15 Stunden wöchentlich dürfen Sie allerdings nicht arbeiten. Sonst riskieren Sie eine Kürzung Ihrer Erwerbsminderungsrente und unter Umständen die erneute Prüfung Ihres Gesundheitszustandes. Lassen Sie sich immer durch die Deutsche Rentenversicherung oder die Sozialämter individuell beraten, wieviel Sie ohne Folgen hinzuverdienen dürfen.

Überfordern Sie sich nicht

Schätzen Sie Ihre Leistungsfähigkeit realistisch ein und verlangen Sie nicht zu viel von sich, wenn Sie Ihre berufliche Zukunft planen. Eventuelle Langzeitfolgen Ihrer Krebstherapie, zum Beispiel Fatigue, hormonelle Schwankungen oder Osteoporose sind mit einem langen Arbeitstag nicht immer gut zu vereinbaren.

Checkliste : To-do's in Phase IV – Langzeitüberleben

  • Beantragen Sie gegebenenfalls einen Pflegegrad (§ 15 SGB XI), beispielsweise über Ihre Krankenkasse.
  • Beantragen Sie Unterstützungen rechtzeitig vor Ende ihrer Laufzeit: Beispielsweise Lohnzuschüsse, über die Deutsche Rentenversicherung Bund als Leistungen zur Teilhabe.
  • Wollen Sie sich beruflich neu orientieren, beantragen Sie Leistungen zur Teilhabe für Umschulungen oder Weiterbildungen (Bundesteilhabegesetz).
  • Verlängern Sie Ihren Schwerbehindertenstatus über die jeweils zuständige Stelle (je nach Wohnort) beziehungsweise beantragen Sie Gleichstellung bei der Bundesagentur für Arbeit (§ 2 Abs. 3 SGB IX).
  • Beantragen Sie eine Verlängerung Ihrer befristeten Erwerbsminderungsrente bei der Deutschen Rentenversicherung. Nach zweimaliger Verlängerung wird in der Regel eine unbefristete, jederzeit widerrufliche Erwerbsminderungsrente gewährt (§ 102 Abs. 2 SGB VI).
  • Beantragen Sie gegebenenfalls Leistungen zur Grundsicherung (§ 19 SGB VII) beziehungsweise Arbeitslosengeld I (ALG I) oder Arbeitslosengeld II (ALG II).

Praxistipp

Eine Erwerbsminderungsrente ist grundsätzlich anteilig zu versteuern. Steuerfrei bleibt der jährlich neu ermittelte Grundfreibetrag (9.168,00 Euro, Stand: 2019). Im Gegenzug können Sie sämtliche Abzüge für private Vorsorgeaufwendungen, beispielsweise Ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, aber auch Beiträge für private Unfallversicherungen geltend machen.