Single und Brustkrebs – Ein Erfahrungsbericht

Als ich 2010 die Diagnose Brustkrebs erhielt, war ich bereits seit längerer Zeit Single. Für mich persönlich sind dies jedoch zwei Paar Schuhe: Zum einen bin ich alleinerziehende Mutter eines mehrfachbehinderten Sohnes, zum anderen Brustkrebspatientin. Single und zugleich Krebspatient zu sein, hat aber Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen. Eine alleinstehende Frau mit Brustkrebs ist noch stärker darauf angewiesen, aktiv um Hilfe zu bitten, und sich ein Netzwerk aufzubauen.

Die Alltagsfragen klären

Finanziell gesehen bedeutet eine Krebserkrankung immer eine Belastung. Es kann zu längeren Ausfällen im Berufsleben kommen und somit zu Löchern in der Haushaltskasse. Als Alleinverdienerin ohne Partner ist diese Situation oft schwierig. Manche Frauen, insbesondere auch alleinerziehende Mütter, müssen Hartz IV beantragen, weil die Erwerbstätigkeit einfach nicht mehr in dem Maß wie vor der Erkrankung möglich ist. Allein schon die Formulare auszufüllen und mit einem geschwächten Immunsystem Behördengänge zu erledigen, wird zur echten Herausforderung. Hier rate ich, sich aktiv Hilfe zu suchen: Freunde anzurufen, die einen bei solchen Schritten begleiten. Das Gespräch mit der Krankenkasse zu suchen, um zu klären, welche Unterstützungsangebote es gibt. So ist zum Beispiel eine Haushaltshilfe für viele Frauen entlastend, aber auch das Beantragen einer Pflegestufe oder das Aufsetzen einer Patientenverfügung. Es fühlt sich gut an, vorgesorgt zu haben. 

Die eigenen „Herzmenschen“ 

Nicht jede Frau mit Brustkrebs hat einen Partner oder eine Familie an ihrer Seite, die sie durch schwierige Lebensphasen tragen. Natürlich kann ich jederzeit meine engen Freunde anrufen, aber manchmal – gerade in den sorgevollen Nächten – hat auch mir der starke Mann gefehlt, der einen einfach nur hält. Umso wichtiger ist es, dass jeder ein paar gute Freunde hat. Oft sind es nur wenige Personen, an einer Hand abzählbar, die ehrlich für einen da sind. Viele Frauen mit Krebsdiagnose erleben ja, dass sich manche Freunde und Bekannte abwenden. Aber es gibt eben auch die besonderen Menschen, die helfen wollen und deren Zuspruch und Unterstützung Gold wert ist. Für mich sind meine Kraftquellen vor allem mein Sohn und meine „Herzensmenschen“. Aber jeder Mensch, der da ist, hilft. 

Offenheit schafft Nähe

Egal, ob es darum geht, einen neuen Partner kennenzulernen oder einfach neue Menschen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Offenheit immer auch Offenheit bei anderen auslöst – sei es im Beruf oder auch im Privatleben. Es fällt nicht immer leicht, von einer Brustkrebserkrankung zu erzählen. Zu groß sind die Hemmungen auch beispielsweise über Nebenwirkungen der Therapie zu sprechen. Viele Frauen fühlen sich verunsichert oder weniger attraktiv. Jeder muss einen eigenen Umgang finden. Es ist auch in Ordnung, die Erkrankung lieber für sich behalten zu wollen. Ich habe jedoch erlebt, dass sie auch ein „Türöffner“ sein kann. Dass sich darüber neue Freundschaften entwickeln oder sogar Beziehungen ergeben. Ich kenne viele Frauen, die mit und trotz Brustkrebs Männer kennengelernt haben und gemeinsam in ein neues Kapitel aufbrechen. Es gibt viele tolle Männer, die einfach gefunden werden wollen. Das sollten sich Frauen immer sagen, die gerade glauben, nicht mehr begehrenswert zu sein. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch unser Gegenüber seine Geschichte mitbringt. Und wir Frauen mit Brustkrebs haben etwas zu erzählen: Unsere ganz persönliche Geschichte.