Tumortestung und Therapieentscheidung bei Brustkrebs

Durch eine genetische Tumortestung (auch Tumor-Profiling genannt) kann festgestellt werden, ob eine zielgerichtete Brustkrebstherapie infrage kommt. Diese richtet sich gegen bestimmte genetische Veränderungen in den Krebszellen.

Brustkrebs entsteht, wie auch andere Krebsarten, durch Veränderungen im Erbgut (Mutationen). Normalerweise repariert der Körper diese Fehler. Funktioniert dieser Mechanismus nicht, können die Mutationen dazu führen, dass die betroffenen Zellen sich zu Krebszellen entwickeln, unkontrolliert wachsen und ein Tumor entsteht.

Bestimmte Eigenschaften von Tumoren nutzen

Die unterschiedlichen Mutationen im Erbgut (DNA) eines Tumors führen zu seinen individuellen Eigenschaften: So wachsen manche Tumoren schneller als andere oder sie neigen eher dazu Metastasen zu bilden, d. h. Absiedlungen in andere Organe. Außerdem sind die Mutationen mit ausschlaggebend dafür, ob und wie gut eine Krebsart auf eine bestimmte Therapie anspricht. Denn heute gibt es eine Reihe von Krebsmedikamenten, die sich gezielt gegen die genetischen Veränderungen in den Tumorzellen richten, wie zum Beispiel bei Antikörper- oder Antihormontherapien.
Damit die jeweilige Therapie erfolgreich sein kann, muss zunächst nachgewiesen werden, welche Mutationen in den Zellen des Tumors vorliegen. Führt eine Mutation beispielsweise dazu, dass die Krebszellen bestimmte Oberflächenstrukturen ausbilden, können Medikamente eingesetzt werden, die diese Strukturen erkennen, daran binden und so das Wachstum des Tumors hemmen. Informationen über bereits bekannte Mutationen, die die Eigenschaften eines Tumors bestimmen, sind in Datenbanken gespeichert und werden ständig aktualisiert.1

Wie wird ein Tumorprofil erstellt?

Durch ein modernes Analyseverfahren ist es möglich, anhand eines einzigen Tests ein umfassendes Tumorprofil (engl. comprehensive genomic profiling = CGP) zu erstellen. Dies bedeutet, dass in diesem Test die gesamte Tumor-DNA auf mehrere hundert relevante Mutationen untersucht wird, die für die Entstehung von Brustkrebs verantwortlich sein können. Um diesen Test durchzuführen, wird der Patientin zunächst eine Blutprobe oder eine Gewebeprobe des Tumors entnommen (Biopsie). Anschließend wird aus der Probe die Tumor-DNA aufbereitet, sodass die DNA auf alle bekannten krebsrelevanten Mutationen, die in der Datenbank vorliegen, untersucht werden kann.

Individuelle Therapie durch Tumortestung

Die Ergebnisse aus der Tumortestung helfen den behandelnden Ärzten dabei, die bestmögliche Brustkrebstherapie individuell für die Patientin auszuwählen und die Teilnahme an einer klinischen Studie zu prüfen. Des Weiteren senkt die präzise Therapieauswahl anhand des genetischen Tumorprofils die Wahrscheinlichkeit, dass Patientinnen Therapien erhalten, die ihnen nicht helfen.

Bisher etabliert ist die Erstellung eines Tumorprofils erst bei manchen Krebsarten, wie zum Beispiel bei Brustkrebs (und auch bei Formen von Lungen-, Darm-, Haut- und Eierstockkrebs). Es gibt in Studien Hinweise darauf, dass bessere Behandlungsergebnisse erreicht werden können, wenn die Therapie auf einer genetischen Tumortestung basiert. Oft sind die Möglichkeiten der Standardtherapien bei seltenen, aggressiven oder fortgeschrittenen Krebsarten limitiert: Hier kann der Nutzen eines umfassenden Tumorprofils erheblich sein.

Mehr über individuelle Therapiemöglichekiten bei metastasiertem Brustkrebs erfahren Sie auch auf Das K Wort - Diagnose Krebs.

Quellen:

1https://www.krebsinformationsdienst.de/service/iblatt/iblatt-tumor-genomsequenzierung.pdf