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Sie sind auf der Suche nach weiteren Informationen rund um das Thema Gesundheit und Brustkrebs? In dieser Rubrik finden Sie die aktuellen Entwicklungen aus der Gesundheitspolitik und wichtige Neuigkeiten für Patienten.

Wissenswertes rund um Brustkrebs

Die wichtigsten Ergebnisse des Senologiekongresses

Prof. Dr. med. Christian Jackisch im Interview

 

Was ist der Senologiekongress für ein Kongress was passiert dort?

Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie  ist ein deutscher, wissenschaftlicher Kongress, der in diesem Jahr in Dresden stattfand. Ziel ist es, im fachübergreifenden Erfahrungsaustausch zur Diagnostik und Therapie von Brusterkrankungen der Frau und des Mannes, die Versorgungssituation zu verbessern. Das Thema der diesjährigen 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Senologie lautete „Zusammen Brustkrebs klug behandeln“. Die Behandlung von bösartigen wie auch gutartigen Erkrankungen der Brust wird in Deutschland von verschiedenen Berufsgruppen durchgeführt: vom Radiologen über den Operateur, das sind in Deutschland mehrheitlich Gynäkologen aber auch Plastische Chirurgen. Zu den interdisziplinären Teams gehören Onkologen und Pathologen, Humangenetiker, Psycho-Onkologen und Strahlentherapeuten, u.v.m... Solche Kongresse sind von unschätzbarem Wert, da sich hier alle Beteiligten austauschen können, was ja im Alltag nicht immer in der Form möglich ist.

Was waren in diesem Jahr die wichtigsten neuen Erkenntnisse für Patienten?

Es sind die vielen kleinen Schritte. Das Wichtigste vorweg: Die Behandlung in Deutschland ist gut bis sehr gut. Früherkennung ist und bleibt ein wichtiges Thema - durch das Mammografie-Screening erkennen wir viel früher Karzinome. Trotzdem gilt es hier weiter zu diskutieren, welche Konsequenzen sich daraus ergeben und wie intensiv die Behandlung  dann wirklich sein muss.

Prof. Dr. med. Christian Jackisch
Prof. Dr. med. Christian Jackisch

ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Leiter des Gynäkologischen Krebszentrums sowie Sprecher des Brustzentrums am Sana Klinikum Offenbach

In diesem Jahr war die genetische Testung von Risikopatienten, also BRCA1 und BRCA2-Diagnostik sowie die daraus resultierenden Konsequenzen ein heiß diskutiertes Thema. Hier gilt es die richtigen Wege für Beratung und Analytik einzuschlagen um unnötige Maßnahmen zu vermeiden und für diejenigen auf die es ankommt die richtigen Konsequenzen in der intensiven Beratung zu etablieren. Wichtig ist, dass Patientin und Arzt sich bei der Behandlung einig werden und auf Augenhöhe sprechen. Daher ist es aus meiner Sicht so sehr zu begrüßen, dass auch zahlreiche Vertreterinnen der unterschiedlichen Patienteninitiativen auf dem Kongress sind und die Diskussionen mit Ihren Anliegen begleiten und vor allem Ihre Bedürfnisse kommunizieren. Es wird also nicht nur über Patientinnen gesprochen, sondern mit Betroffenen und Patientinnen gesprochen. Besonders wertvoll macht die Veranstaltung dabei eins: ohne Kittel auf Augenhöhe mit den Menschen das Wesentliche zu besprechen.

Was gibt es aus Ihrer Sicht für Fortschritte in der Bekämpfung von Brustkrebs?

Wir haben Fortschritte in der Reduktion der operativen Radikalität gemacht. Wir verzeichnen eine hohe Rate von mehr als 70 % brusterhaltender Therapien. Außerdem versuchen wir stetig die Systemtherapie, also die Antihormonbehandlung oder auch die Chemotherapie als Maßanzug auf die Bedürfnisse der Patientinnen abzustimmen, um damit Über- und Untertherapien zu vermeiden. Eine bedeutende Therapie spielt dabei seit mehr als einer Dekade die Antikörpertherapie als neues Therapieprinzip. Es gibt neue Immuntherapien, die gerade beim metastasierten Mammakarzinom eine große Rolle spielen. Auch hier geht es darum, bestimmte Behandlungsformen bei der metastasierten Brustkrebserkrankung besser verträglich zu machen und Nebenwirkungen wie Übelkeit besser bekämpfen zu können. Weiter wichtige Spezialthemen sind Schwangerschaften nach der Behandlung einer Brustkrebserkrankung und verkürzte Bestrahlungsdauer nach der Operation. Auf dem Kongress können wir im gemeinsamen Dialog diese Therapien diskutieren und möglicherweise einen Weg für neue Strukturen in der Versorgung schaffen. Auch Vertreter der Kostenträger sind in einigen Vorträgen der Versorgungsforschung gern gesehene Gäste.

Senologiekongress

Was muss die Brustkrebspatientin tun, um die bestmögliche Behandlung zu bekommen?

Die Patientin sollte sich als Erstes eine Einrichtung suchen, zu der sie Vertrauen hat und im Internet nachschauen, wo es in der Nähe ein zertifiziertes Brustzentrum gibt (www.onkozert). Natürlich wird es auch dort einen Arzt oder eine Ärztin geben, die morgens mal schlechte Laune haben, aber dort sind wirklich alle Ressourcen vorhanden, die die beste Therapie ermöglichen. Diese Brustzentren verfügen über die erforderliche Logistik um interdisziplinäres Arbeiten zum Wohle der Patientinnen täglich einsetzten zu können. Aus meiner Sicht ist dies die wichtigste Voraussetzung für eine gute Behandlung. Da ich seit vielen Jahren Versorgungsforschung betreibe, kann ich sagen, dass die Behandlung in Deutschland wirklich gut ist. Trotzdem wollen wir sie stetig weiterentwickeln und optimaler gestalten.

Was würden Sie sagen, wie sich in den letzten 20 Jahren die Brustkrebstherapie verändert hat?

Die  Brustkrebsbehandlung ist in den letzten Jahren weniger radikal geworden. Früher wurden den Frauen die Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt – jeder kennt das Bild eines geschwollenen Armes. Heute entfernen wir, wenn möglich, nur noch den sogenannten Wächterlymphknoten, um die Einschränkungen für die Patientinnen möglichst gering zu halten. Genauso versuchen wir, die Bestrahlung zurückzufahren und Nebenwirkungen wie Übelkeit bei der Chemotherapie zu vermeiden. Auch durch die Antikörpertherapie haben wir bisher phänomenale Ergebnisse erreicht. All diese Dinge haben mein Berufsleben fundamental geändert.
Das einzige, das wir noch nicht geschafft haben, ist die Patientin in der metastasierten Situation zu heilen, obwohl wir das Langzeitüberleben verbessert haben. Das ist das nächste Ziel. Wir haben heute weltweit die meisten Krebsüberlebenden – und die Zahl wird jeden Tag steigen, weil die Behandlung in vielen Bereichen sehr gut geworden ist. Hier ergeben sich allerdings auch neue Aufgaben zur Versorgung und gesellschaftlichen Re-Integration der Patientinnen in Beruf und Familie

Haben Sie da eine Idee, wie die Zukunft der Brustkrebstherapie aussehen könnte?

Die Heilung einer so häufigen Erkrankung ist das oberste Ziel, hier sind wir sehr gut im weltweiten Vergleich. Ich bin zuversichtlich, dass die neuen Medikamente es vermögen die Prognose der Patientinnen mit einem metastasierten Mammakarzinom zu verbessern, ohne dabei die Lebensqualität zu verschlechtern. Wir werden neue Versorgungsformen für einen flächendeckenden und niederschwelligen Zugang zur genetischen Beratung und Testung benötigen, da sich hierauf zunehmend neue Behandlungen gründen. Auch die gesamte Immuntherapie wird besser beherrscht und beleuchtet werden um damit einen bisher vernachlässigten Bereich in die Therapie zu integrieren.  Wir benötigen aktive Netzwerke für Patientinnen und Therapeuten um auch hier flächendeckend den Zugang zur Behandlung zu ermöglichen. Unsere Patientinnen müssen sich auch darauf  einstellen, zur Therapie zu reisen, also an die Zentren zu gehen, die innovative Behandlungen anbieten. Eine ganz tolle Entwicklung ist das Vernetzen - das elektronische Abgleichen von Datenbanken, der Umgang mit „big data“ . Der wichtigste Punkt ist einfach, dass wir alle verstehen, dass es nur eine Gesundheit gibt und wir in Deutschland eine wirklich gute Versorgung haben. Aber um das Gute besser zu machen brauchen wir den Dialog um voneinander zu lernen und dafür gibt es solche Kongresse.