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Sie sind auf der Suche nach weiteren Informationen rund um das Thema Gesundheit und Brustkrebs? In dieser Rubrik finden Sie die aktuellen Entwicklungen aus der Gesundheitspolitik und wichtige Neuigkeiten für Patienten.

Mehr Rechte für Patienten

Am 11. Juni 2015 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (kurz: GKV-Versorgungsstärkungsgesetz – GKV-VSG), das in wesentlichen Teilen zum 23. Juli 2015 in Kraft trat. Zentrale Ziele sind die flächendeckende medizinische Versorgung, ein verbesserter Zugang zu ärztlichen Leistungen für Patientinnen und Patienten sowie das Recht auf Einholung einer Zweitmeinung.

Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz will der Gesetzgeber Maßnahmen für ein stabiles, zukunftsfähiges soziales Krankenversicherungssystem konsequent weiterentwickeln und um neue Maßnahmen ergänzen. Aus Patientensicht ist neben der Einrichtung von Terminservicestellen das Recht auf Zweitmeinung besonders wichtig.

OP – ja oder nein?
Ab sofort müssen Ärzte vor bestimmten, planbaren Eingriffen darauf hinweisen, dass Patienten eine sogenannte „Zweitmeinung" einholen können. Besonders vor schwerwiegenderen Therapiemaßnahmen  — etwa eine OP — lohnt es sich, einen Zweitarzt um Rat zu fragen und dem Patienten so verschiedene Wege aufzuzeigen bzw. ihn in der Therapieentscheidung bestärken. Laut Versorgungsstärkungsgesetz tragen die Krankenkassen die Kosten der Begutachtung.

Kein Eingriff durch den Zweitarzt
Der Befürchtung, dass Patienten nun vom Zweitarzt abgeworben werden könnten, wurde im Gesetz berücksichtigt. Dort ist Folgendes festgesetzt: „Die Zweitmeinung kann nicht bei einem Arzt oder einer Einrichtung eingeholt werden, durch den oder durch die der Eingriff durchgeführt werden soll“. Das bedeutet aber auch einen erheblichen Nachteil für den Patienten: Spricht sich der Zweitarzt — im Gegensatz zur Erstmeinung — für die OP aus, darf dieser den Patienten trotzdem nicht operieren.

Versorgungsstärkungsgesetz

Der Weg zur Zweitmeinung
Hat der Patient einen Arzt für die Zweitmeinung ausgewählt, benötigt dieser zunächst alle Unterlagen, die zur Erstdiagnose geführt haben. Das sind Laborergebnisse, Röntgenbilder sowie der Arztbrief, der die Diagnose zusammenfasst und die Therapieempfehlung beschreibt.

Wer trägt die Kosten?

Prinzipiell ist im Gesetz geregelt, dass die entstandenen Kosten von der Krankenkasse zu erstatten sind. Es empfiehlt sich jedoch immer, vor dem Aufsuchen des zweiten Arztes bei der eigenen Krankenkasse — sowohl gesetzlich als auch privat — nachzufragen, ob die Kosten getragen werden und wenn ja, welche Bedingungen daran geknüpft sind. Gibt die Krankenkasse grünes Licht, steht der Patientin frei, von welchem Arzt sie eine Zweitmeinung wünschen.

Weiterhin sollte der Zweitspezialist die persönliche Situation des Patienten kennen, um eine Entscheidung hinsichtlich der Therapie treffen zu können. Die Unterlagen werden überprüft und die Zweitmeinung dem Erstbehandler schriftlich mitgeteilt.

Telemedizin als wichtige Ergänzung
Auch der Bereich Telemedizin ist im neuen Gesetz verankert und soll die Zweitmeinung unterstützen. Bereits jetzt bieten einige Krankenkassen einen entsprechenden Service. Im Rahmen dieses Angebots können Patientinnen Ärzte oder Arztzentren anrufen, um eine Zweitmeinung einzuholen.  Außerdem existieren bereits einige Online-Zweitmeinungsportale. Die Patienten füllen dort einen detaillierten Fragebogen aus und senden alle bisherigen Befunde, Röntgenbilder etc. an den Anbieter. Dort werden die Informationen ausgewertet und zur Begutachtung an Spezialisten schickt. Die kooperierenden Ärzte geben auf Basis der Unterlagen eine Therapieempfehlung ab.

Vermittlung von Facharzt-Terminen

Eine weitere wichtige Neuerung im Rahmen des GKV-VSG: Seit Ende Januar 2016 gibt es regionale Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Kassenpatienten sollen über diesen Service innerhalb von vier Wochen Termine bei Fachärzten  erhalten — vorausgesetzt, man ist gesetzlich krankenversichert und hat eine Überweisung zum Facharzt; nur für den Gynäkologen oder den Augenarzt wird keine Überweisung benötigt. Die Frist bis zum Termin gilt gemäß Gesetz unter der Voraussetzung, dass als dringlich gekennzeichnete Überweisung vorliegt; sie greift also nicht bei reinen Routineuntersuchungen. Als zumutbare Entfernung bei der Vermittlung gilt eine Entfernung von maximal 30 Minuten Fahrtzeit. Für hochspezialisierte Fachärzte, zum Beispiel Radiologen oder Kardiologen, beträgt der Radius maximal 60 Minuten Fahrtzeit. Der Anspruch auf einen Wunscharzt besteht nicht. Kann die Terminservicestelle keinen Behandlungstermin nach den oben beschriebenen Voraussetzungen vermitteln, muss sie dem Patienten einen ambulanten Behandlungstermin in einem zugelassenen Krankenhaus anbieten.

Weitere Informationen zum Versorgungsstärkungsgesetz gibt es hier.