„Mein damaliger Arzt meinte, der Urlaub sei wichtiger als die Chemo.”

Tu was dir gut tut!

Claudias Geschichte

Claudia erkrankt 1998 zum ersten Mal an Brustkrebs. Was sie durch ihre Erkrankung gelernt hat: Sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Als Sozialarbeiterin ist sie immer für andere da. Nach der Diagnose hat sich das ein Stück weit gewandelt.

Claudia tastet sich beim Duschen regelmäßig ab. An einem Urlaubswochenende fühlt die damals 39-Jährige beim Einseifen plötzlich einen Knoten in der Brust. Ärzte beschwichtigen sie: Für Brustkrebs ist sie zu jung. Doch sie besteht auf eine Biopsie – der Befund: Brustkrebs. Der Knoten ist noch nicht sehr groß, jedoch sind schon Lymphknoten befallen. Es folgt ein Operationstermin mit anschließender Chemotherapie und Bestrahlung. In diesem Zeitraum durchlebt die Mutter eines sechsjährigen Jungen einen Wandel sowohl in der Partnerschaft als auch im Beruf. „Ich habe mich in der Therapiephase von meinem Mann getrennt und zunächst ein Jahr lang mit meinem Sohn alleine gelebt. Zuvor habe ich noch nie alleine gewohnt. Das war eine schöne, neue Erfahrung die mir geholfen hat, die Altlasten hinter mir zu lassen. Ohne die Erkrankung hätte ich mich wahrscheinlich vorerst nicht auf die Trennung eingelassen.“ Inzwischen ist Claudia wieder glücklich verheiratet. „Sich mit 40 noch mal so zu verlieben, war ein ganz tolles Gefühl.

Der Rückfall

2004 folgt ein Rezidiv. Bereits 2003 ist im Ultraschall etwas erkennbar. Der Brustkrebs wird jedoch von den Ärzten verharmlost. Mit einem schriftlichen Befund wird bestätigt, dass nichts zu sehen ist. Doch das schlechte Bauchgefühl hält an. Claudia geht zu einem anderen Arzt. Dieser diagnostiziert ein Rezidiv – Der Tumor ist HER2 neu positiv. Es sind drei befallene Lymphknoten in der gleichen Achsel wie zuvor. Das bestärkt sie in ihrer Meinung: Lieber einmal zu viel zum Arzt gehen, als zu wenig. Danach folgen die zweite OP und eine Bestrahlung.

Klare Worte

Während der gesamten Zeit gehen Claudia, ihr Mann und ihr Sohn sehr offen mit der Krankheit um. Auch die Frage nach dem Sterben wird gestellt. Ehrlichkeit – auch in Bezug auf das Thema Tod – ist ihr und ihrem Mann wichtig. Er antwortet: „Das kann passieren.“ Ihr Sohn ist durch die Offenheit sehr erwachsen geworden und kann mit der Situation gut umgehen. Claudia weiß, dass es nicht nur für die Patientinnen selbst wichtig ist, gut über die Erkrankung informiert zu sein. Auch die Angehörigen sollten Bescheid wissen, um Emotionen teilen und zeigen zu können. Für Claudia und ihre Familie war psychotherapeutische Begleitung eine wichtige Unterstützung.

  • Portraitbild Claudia
    Claudia
  • Portraitbild Claudia
    Claudia

Nicht erst später – jetzt!

Neben den klassischen Therapiemöglichkeiten, setzt Claudia während ihrer Brustkrebserkrankung viel auf gesunde Ernährung und Bewegung. Negativen Stress versucht sie, so gering wie möglich zu halten.

Wichtige Dinge verschiebt sie nicht mehr und sie lernt, sich nicht mehr für alles verantwortlich zu fühlen und Aufgaben abzugeben. Mit ihren Erfahrungen möchte sie andere Betroffene unterstützen: „Neben meiner eigentlichen Tätigkeit als Sozialberaterin, habe ich in den ganzen letzten Jahren nach meiner Erkrankung viele Weiterbildungen gemacht. Unter anderem bin ich Entspannungstherapeutin, habe eine psychoonkologische Weiterbildung und gebe aktuell Kurse für Krebspatienten.“ Auch das Reisen hat einen hohen Stellenwert für sie: Sogar während ihrer Chemotherapie macht Claudia eine Rucksack-Reise. „Mein damaliger Arzt meinte, der Urlaub sei wichtiger als die Chemo. Diese Einstellung fand ich ganz toll! Deswegen habe ich die Chemo verschoben und wir sind nach Hawaii und San Francisco gereist, wo ich den schönsten Sonnenuntergang an der Golden Gate Bridge erlebt habe.“ Während der Chemo und auch heute schaut sie sich immer wieder die Fotos an und ist glücklich, wieder gesund zu sein.