„Es ist, als würde man gegen eine Wand laufen. Drei Tage später wurde ich operiert.“

Ich muss doch so alt werden wie meine Oma!

Gabriele im Interview

Wenn Gabriele den Raum betritt, strahlt sie vor allem eins aus – positive Energie.  Der Grund für ihre Energie sei ihre neue Heimat: Ein Haus am Chiemsee. Den Lebensabend dort verbringen, wo sie und ihr Mann schon immer sein wollten und auf eine möglichst unbeschwerte gemeinsame Zeit hoffen – ein Lebenstraum.

Der Mut ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen, kam erst nach dem einschneidenden Erlebnis Diagnose Brustkrebs. Nach der schweren Zeit hat sich vieles geändert. Gabriele möchte vor allem eins: Anderen Betroffenen Mut machen und sie motivieren, über ihre Krankheit zu sprechen.

Frau Zimmermann, 2012 erhielten Sie die Diagnose.

Ja, der Tumor wurde bei der Vorsorgeuntersuchung entdeckt. Allerdings nicht bei der Mammografie, sondern erst bei der Sonografie. Deshalb ist es wichtig, sowohl die Ultraschall-, als auch die Röntgenuntersuchung machen zu lassen. Mein Tumor war sehr versteckt und nur 1,8 cm groß.

Wie ist Ihre Erkrankung verlaufen?

Ich wurde nach den Untersuchungen zur Stanzbiopsie ins Klinikum eingeladen. In der Zeit bis zum Ergebnis habe ich mir eingeredet, da sei nichts. Brustkrebs kam zwar auch in meiner Familie vor, aber nur bei meiner Tante und nicht bei meiner Mutter. Deswegen habe ich mir da gar keine Gedanken gemacht. Vier Tage später bekam ich die Diagnose Brustkrebs. Es ist, als würde man gegen eine Wand laufen. Drei Tage später wurde ich operiert.

Fühlten Sie sich bei den Ärzten gut aufgehoben?

Ich hatte eine ganz tolle Ärztin, sie hat mir Mut gemacht. Mein erster Satz nach der Diagnose war: Das kann doch nicht sein! Meine Oma ist 99 Jahre alt geworden, ich muss doch auch so alt werden. Daraufhin meinte sie, dass 80 Jahre doch auch reichen und wir das gemeinsam schaffen würden. Ich war wie vor den Kopf gestoßen, hatte schlimme Gedanken, aber sie hat mir da rausgeholfen.

Was hat Ihnen geholfen, um mit der Krankheit besser klarzukommen?

Eine große Hilfe war mein Mann. Er hat mich immer zu den Arztterminen begleitet, war bei jeder Therapie dabei. Man braucht diesen Halt. Ich musste alle drei Wochen sechs Mal zur Chemotherapie. Das war sehr nervenaufreibend. Die Ärztin hat mir jedes Mal gesagt, ich soll in den Wochen dazwischen wegfahren. Ablenkung sei ganz wichtig. Aber bei mir hat das nicht so richtig funktioniert, da ich die Chemotherapie am Anfang sehr schlecht vertragen habe.

Steht die Angst immer im Vordergrund oder gibt es auch positive Momente?

Die Unterstützung von Familie und Freunden sind die positiven Momente. Eine Freundin und Nachbarin hat mich ständig besucht und mich aufgebaut. Ich bin immer offensiv mit der Krankheit umgegangen. Mir hat es gut getan, darüber zu reden. Man braucht Ablenkung, denn das Schlimmste ist, sich zu verkriechen. Wenn die Freunde anrufen, hilft das schon sehr. Man kann sogar sagen, die Freundschaften sind in dieser Zeit noch enger geworden.

Was hat sich durch die Krankheit für Sie noch verändert?

Mir geht es wieder ganz gut, aber ich bin nicht mehr so belastbar wie früher. Deswegen haben mein Mann und ich nach dem Ende der Therapie entschieden ins Chiemgau zu ziehen – dorthin, wo es uns schon immer gut gefallen hat. Früher hatten wir ein großes Haus, jetzt eine Wohnung. Wir gehen viel raus auf die Berge und sehen die Natur mit ganz anderen Augen. Außerdem schauen wir jetzt mehr auf unsere Gesundheit. Denn wir wissen das Leben mehr zu schätzen und genießen jeden Tag.

Sind Sie wieder im Berufsleben?

Ich bin dabei mich neu zu orientieren. Ich möchte als Seniormodel arbeiten. Ich war vor Kurzen schon in der „Bild der Frau“. Die hatten einen Aufruf, ob man seine neue Frisur fürs Leben gefunden hat und da habe ich ein Bild von mir hingeschickt und wurde genommen. Ich war sogar in Hamburg bei einer Typberatung mit Umstyling. Seit einiger Zeit arbeite ich als Komparsin beim Fernsehen. Das sind die Sparten, in denen ich Fuß fassen möchte.

  • Portraitbild Gabriele
    Gabriele
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    Gabriele
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Was raten Sie anderen Betroffenen?

Ein Arzt hat vor Jahren zu mir gesagt, ich soll regelmäßig zur Mammografie gehen, Brustkrebs sei grausam – und da hat er Recht. Es ist wichtig, sich untersuchen zu lassen. Wer betroffen ist, sollte seinen Ärzten vertrauen. Nach der Diagnose war ich gar nicht im Stande klar zu denken, geschweige denn drüber nachzudenken, eine zweite Meinung einzuholen. Man darf sich aber auch nicht verrückt machen. Außerdem empfehle ich, offensiv mit der Krankheit umzugehen. Nur so bekommt man auch die Unterstützung von Anderen. Freundschaft ist wie eine Ehe: In guten wie in schlechten Zeiten. Das Thema begegnet einem sowieso ständig. Wenn ich unterwegs bin und sehe, dass eine Frau eine Perücke trägt, dann denke ich, `Oh Gott, die ist auch betroffen´. Von daher ist es gut am Anfang zur Selbsthilfegruppe und zur Psychoonkologin zu gehen und später zu versuchen das Thema ruhen zu lassen. Die Angst wird sonst nie weniger.

Was wünschen Sie sich für Ihre nächsten zehn Jahre?

Im Chiemgau sind wir rundum glücklich. Es tut gut, unseren Traum erfüllt zu haben. Aber natürlich wünsche ich mir, dass ich gesund bleibe, dass es stetig aufwärts geht.