„Ohne Haare bist du auch schön.”

Seinen eigenen Weg gehen!

Heike im Interview

Heike ist ein fröhlicher Mensch. Ihre positive Einstellung ist mitreißend. Niemand würde vermuten, dass sie schon Schlimmes erlebt und überlebt hat: Brustkrebs. Doch sie hat sich die Freude am Leben nicht nehmen lassen und möchte nun dazu beitragen, andere Betroffene aufzuklären und zum Kampf gegen den Brustkrebs zu motivieren.

Wann haben Sie Ihre Diagnose erhalten? Welche Therapiemaßnahmen wurden ergriffen?

Ich habe die Diagnose im August 2010 erhalten. Beim Duschen habe ich selbst einen Knoten getastet und bin dann zur Frauenärztin gegangen. Diese sagte, dass das ein Tumor sei und ich musste zur Biopsie. Innerhalb von vier Wochen sollte ich schon zur ersten Chemotherapie. Es ging also alles ziemlich schnell.

Wie fühlten Sie sich, als Sie erfuhren, dass Sie Brustkrebs haben?

Das war natürlich ein Riesenschock für mich, schon als ich den Tumor gefühlt habe. Als sich der Verdacht bestätigt hat, hat mir das buchstäblich den Boden unter den Füßen weggerissen. Diese Ohnmacht, die ich gespürt habe, war ganz furchtbar für mich. Regelrecht ein Albtraum. Ich bin dann aber zur ersten Chemo mit dem Gefühl gegangen: Jetzt wird etwas für mich getan!

Hatten Sie starke Nebenwirkungen?

Wir dachten, die Chemotherapie wird ein Grauen, aber allgemein ging es mir gut. Ich bin weiterhin meinem Hobby nachgegangen. Ich bin ja in einer Tanzgruppe. Ich habe mir immer gesagt: „Dienstags Auftritt, mittwochs Chemo. Ja, das passt!“ Das hat mich echt aufrecht gehalten. Eine Szene ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Während unserer Tanzproben wurde mir warm und ich habe meine Mütze abgenommen. Jeder streichelte mir über den Kopf und sagte: "Ohne Haare bist du auch schön." Der Gedanke daran beruhigt mich noch heute.

Wie sind Sie in Ihrer Familie und im Freundeskreis mit der Diagnose umgegangen?

Mein Mann und ich haben uns direkt damit auseinandergesetzt. Da war natürlich auch diese Traurigkeit, weil man nicht genau wusste: Was kommt auf uns zu? Wie wird es enden? Wir haben aber immer über alles gesprochen. Auch vor unseren Kindern sind wir ganz offen damit umgegangen.

Wer oder was hat Ihnen in dieser Zeit besonders gut geholfen?

Ganz ehrlich: Ich mir selbst. Ich bin ein Mensch, der seinen Weg geht. Aber mir haben auch meine Freunde und Bekannte geholfen. Menschen, die einem guttun. Ich habe die frische Luft genossen, viel unternommen und nicht nur zuhause gesessen. Materielle Dinge waren nicht wichtig für mich. Ich habe mich gefreut, wenn die Sonne schien oder die Blümchen geblüht haben – Kleinigkeiten haben mich glücklich gemacht. Ich bin dankbar, dass ich so bin. Damals hab ich gedacht, ich werde jetzt immer an den Krebs denken. Aber das ist zum Glück nicht so.

Was war für Sie das prägendste Erlebnis während Ihrer Erkrankung?

Meine Tochter war damals 10 Jahre alt und an Weihnachten hat sie einen Wunschzettel unter den Weihnachtsbaum gelegt. Den habe ich heute noch. Sie hat eine ganze Seite an das Christkind geschrieben: Keine Wünsche, keine Geschenke. Nur dass ihre Mama wieder ganz gesund wird. Und ich hab ihr dann als Christkind zurückgeschrieben: „Versprochen wird nicht gebrochen. Deine Mama wird wieder ganz gesund!“

Haben Sie während Ihrer Erkrankung ein neues Hobby für sich gefunden?

Ich habe ja immer getanzt, aber Laufen war zum Beispiel nie was für mich. Als ich für die Reha auf Borkum war, sagte einer zu mir: „Heike, wenn du deine ersten fünf Kilometer läufst, laufe ich mit Dir mit. Ich meinte: „Das schaffe ich nie“. Doch innerhalb eines Jahres habe ich es dann tatsächlich geschafft. Ich wollte einmal im Leben mit der Startnummer durchs Ziel laufen und meinen Namen hören. Natürlich habe ich es nicht in 20 Minuten geschafft. Ich habe die doppelte Zeit dafür gebraucht. Aber ich habe es geschafft.

  • Portraitbild Heike
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Was würden Sie anderen Brustkrebspatientinnen mit auf den Weg geben?

Also man sollte auf jeden Fall seinen eigenen Weg gehen! Mehr gibt es da eigentlich nicht zu sagen. Man darf nicht denken, dass es einem nur gut geht im Leben. Man muss auch die Hürden, die sich einem in den Weg stellen, nehmen. Ich würde nie sagen, ich habe den Krebs besiegt. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Respekt vor der Krankheit haben, gesunden Respekt. Jedoch sollte die Angst einen nicht beherrschen.

Was mir außerdem sehr am Herzen liegt, ist das Thema Sexualität. Durch die Folgen der Therapien ist es meinem Mann und mir nicht mehr möglich, Geschlechtsverkehr zu haben. Am besten geht man damit um, indem man andere Prioritäten setzt. Im Sommer sitzen wir gerne im Garten, trinken ein Gläschen Wein und schauen händchenhaltend in die Sterne. Es ist ganz wichtig, dass der Partner einen unterstützt und Verständnis für die Situation hat. Das ist für uns auch manchmal eine schwere Situation, und ich muss viel weinen. Es gibt zwar viele Möglichkeiten, doch das Zusammensein fehlt schon. Ich weiß nicht, ob jemand anderes auch diese Probleme hat, die meisten verschweigen es sicher. Es ist eben ein absolutes Tabuthema. Doch wir leben und sind glücklich und zufrieden, so wie alles ist.