„Ich hatte so viel um die Ohren, auch während meiner Erkrankungen. Ich hatte gar keine Zeit zum Sterben.“

Manchmal hilft Normalität am meisten

Hellas Geschichte

„Wer sich nur mit der eigenen Krankheit befasst, der hat keine Freude mehr am Leben“, sagt Hella in ihrem bayrischen Akzent und mit einem Lachen in der Stimme. Die Krankenschwester erkrankt gleich zwei Mal an Brustkrebs. Und besiegt ihn zwei Mal.

Den Knoten ertastet Hella mit 41 Jahren selbst und fährt sofort zum Arzt. Obwohl die Ärzte keine eindeutige Diagnose stellen können und zunächst nichts Bösartiges vermuten, entscheidet sie sich selbst zu einem radikalen Schritt: „Was da nicht reingehört, muss weg. Ich lasse den Knoten entfernen.“ Wie wichtig und richtig diese intuitive Entscheidung ist, zeigt sich nach der brusterhaltenden OP. Es werden auch direkt einige Lymphknoten entnommen. Sie sind bereits befallen. Die histologische Untersuchung gibt Hellas Verdacht Recht – sie hat Brustkrebs.

Brustkrebs zu bekommen mit 41 Jahren, verheiratet und drei Kindern im Alter von 6, 13 und 14 Jahren, versetzt Hella in große Angst. „Wenn ich jetzt sterbe, dann steht mein Mann allein mit den Kindern da.“ Es fließen viele Tränen, aber dann sagt sie zu sich selbst und auch zu ihrer Familie: „Der Krebs bekommt mich nicht.“

Ihre Familie fordert in dieser Zeit so viel Normalität von Hella, wie möglich. Weitermachen wie bisher, lautet die Devise. Dass ihre Mama ihre Haare verlieren könnte und sie dann auch von außen krank aussehen würde, das ist für ihre damals 13-jährige Tochter eine schlimme Vorstellung. Doch Hella sagt heute, dass ihr und ihrer Familie diese Normalität am meisten geholfen hat.

Auch ihren Freunden erzählt sie offen von ihrer Erkrankung. Dadurch steht auch nichts zwischen ihnen – kein Unbehagen oder Schweigen. Hella gehört mit zur Partie, so wie immer. Auch wenn es ihr manchmal schlecht geht und sie sich ausruhen muss; sie bleibt aktiv, so gut sie es eben kann. Sie arbeitet weiter, sie spielt Volleyball, sie reist und liest leidenschaftlich gern, sie kümmert sich um ihre Familie und obendrein betreut sie noch ein Museum in ihrer niederbayrischen Heimat. „Ich hatte so viel um die Ohren, auch während meiner Erkrankungen. Ich hatte gar keine Zeit zum Sterben.“

Portraitbild Hella
Hella und Inge

Nachdenklich wird sie nur, wenn wieder ein Kontrolltermin ansteht oder die nächste Mammografie. Schon drei, vier Tage vorher wird sie unruhig. Sie weiß, dass die Möglichkeit besteht, dass der Krebs zurückkommt. 14 Jahre nach der erstmaligen Diagnose kommt er zurück. Als Hella bei ihrer zweiten Brustkrebserkrankung die Haare dann verliert, sind die Kinder erwachsen und geben ihr Rückhalt: „Mama, Du sieht toll aus – auch mit Glatze.“ Sie schafft es, sich ihre positive Grundhaltung auch beim zweiten Kampf gegen den Krebs zu bewahren.

Heute ist Hella gesund und freut sich auf die Zukunft: Bald wird sie zum ersten Mal Oma und kann das neue Familienmitglied und den Lebensabschnitt, der auf sie zukommt, kaum erwarten. „Wir freuen uns einfach, wenn unser Enkelkind gesund ist und wenn wir Freude an ihm haben dürfen.“