„Mein Umfeld setzte alles daran, mich wieder aufzurichten. Auch mein Psychologe half mir dabei … und natürlich der Sport.”

Meine letzten 13 Jahre

Ein Leserbrief von Ilonka

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Diagnose Brustkrebs habe ich zum ersten Mal 2002 erhalten. Zu diesem Zeitpunkt war ich zwei Jahre im „Unruhestand“, sprich Vorruhestand, mit gerade einmal 55 Jahren. Dass es mich wie ein Pfeil traf, brauche ich wohl nicht zu erklären. Nach dem ersten Schock und der Behandlung aber wurde ich neugierig. Ich wollte alles über meine Erkrankung wissen, über Behandlung und Nachsorge.

Leider konnte ich mein geliebtes Eltern-Kind- und Kinderturnen nicht mehr weitermachen. Auch Walken war nicht mehr möglich, weil ich durch die Entfernung von 32 Lymphknoten einen immer dickeren Arm bekam. Während dieser Zeit dachte ich an die Fabel vom Frosch, der in ein Glas Milch fällt. Er kann nicht schwimmen und bekommt große Angst zu ertrinken. Sollte der Frosch dieses Schicksal ruhig annehmen oder etwas tun? In seiner Panik beginnt er, wild zu strampeln und siehe da, aus der Milch wird Butter. Der Frosch steigt aus dem Glas und ist gerettet. Mein Lebensmotto ist ebenfalls: Nicht aufgeben!

Fünf Jahre lang musste ich Tamoxifen nehmen – dann sollte man vor einem Rückfall sicher sein. So vergingen die Jahre und ich wurde mit jedem Tag zuversichtlicher. Nach fünf Jahren dachte ich: Du hast es geschafft! 2008 brach dann eine Welt für mich zusammen. Der Krebs war zurück: Ich wollte nicht mehr. Zum Glück hatte ich im Hintergrund die Gruppe Ludwigshafen der „Frauenselbsthilfe nach Krebs“. Schon nach meiner ersten Erkrankung wurde ich hier aufgebaut.

Im Mai 2008 wurde ich an derselben Brust brusterhaltend operiert. Im Juli, noch immer war der Tumor nicht weg, wurde die Brust ganz entfernt. Im Dezember dann auch noch ein Knoten unter der Narbe: Die dritte Brust-OP in diesem Jahr. Ein Alptraum! Mein Umfeld setzte alles daran, mich wieder aufzurichten. Auch mein Psychologe half mir dabei … und natürlich der Sport.

2009 konnte ich wieder Walken. Meine Wunden waren verheilt, auch wenn der Seelenschmerz nie ganz weggeht. Auf einem Vortrag erfuhr ich vom Onko-Walking: Walken speziell für Krebspatientinnen. Das war’s! Ich wollte anderen Frauen nicht nur bei Treffen der Selbsthilfe unterstützen, sondern auch beim Sport. Ehrenamtlich, mit ganz viel Einsatz und Zeitaufwand kam ich in die Zeitung. Sogar das Fernsehen hat einen Film von meiner Gruppe gedreht.

Jetzt stehe ich im Mittelpunkt und „Gott und die Welt“ kennt mich. Vor meinen OPs war mein Leben eher unauffällig, da war ich eher die graue Maus. Heute kann ich sagen: Eigentlich bin ich froh, dass ich an Brustkrebs erkrankt bin. Ansonsten hätte ich nie all die schönen Dinge erlebt, all die netten Menschen kennengelernt, die meinen Weg wie eine Blumenwiese begleitet haben und immer noch begleiten.

Das waren meine letzten 13 Jahre mit Krebs. Ich hoffe, dass sie vielen Frauen Mut machen.

Mit freundlichen Grüßen
Ilonka

  • Portraitbild Ilonka
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