„Diese Krankheit und alles, was mit ihr zusammenhängt, kriegt mich nicht klein!“

Aufgeben war nie eine Option für mich!

Inges Geschichte

Ihre positive Lebenseinstellung hat Inge durch die Zeit ihrer Brustkrebserkrankung geholfen

Inge ist heute gesund. Ihr geht es gut, bis auf die kleinen Wehwehchen des Alters, die jeden treffen und die man nicht ändern kann. Heute ist es für sie fast unwirklich, dass sie erst vor ein paar Jahren vom Leben so hart auf die Probe gestellt wurde – sie hatte Brustkrebs.

Das Gefühl in der Magengegend

Ihre Diagnose bekommt Inge im Jahr 2009. Nach der Mammografie erhält sie vor dem Wochenende einen Brief vom Arzt. Sie muss noch einmal zur Nachkontrolle. „Fassen Sie dies aber nicht als Zeichen einer schweren Erkrankung auf“, steht außerdem dort geschrieben. Leichter gesagt als getan. Sie spricht mit ihrem Mann, der sie hilflos versucht zu beruhigen: „Reg´ dich nicht auf, sondern warte doch erst einmal ab.“

Doch Inge hat ein negatives Gefühl in der Magengegend und ihr ist sofort klar, dass da etwas nicht stimmt. Der Verdacht bestätigt sich dann bei der Nachkontrolle und ihr Befund ist positiv. Der erste Gedanke, der ihr durch den Kopf schießt: „Dich hat es also auch erwischt.“ Alles lief binnen Sekunden wie ein Film vor ihren Augen ab. Doch sie wusste sofort: „Diese Krankheit und alles, was mit ihr zusammenhängt, kriegt mich nicht klein!“

Sie selbst hat den Knoten, der direkt hinter der Brustwarze sitzt, nicht gespürt und auch keine Veränderungen festgestellt.

Liegt es an den Genen?

Das Thema Brustkrebs ist Inge alles andere als fremd: Ihre Schwester war bereits 1994, mit 40 Jahren, das erste Mal am Mammakarzinom erkrankt und dann 2008 – also ein Jahr vor dem eigenen Befund von Inge – ein zweites Mal. Die Erinnerungen an die Erkrankung sind also noch ganz frisch. Wegen ihrer Schwester, aber auch ihrer Mutter, die an Eierstockkrebs verstorben ist, entscheidet sich Inge dann zu einem Gentest – er fällt negativ aus. Inge hat keinen erblichen Brustkrebs und kann diesen auch nicht an ihre Kinder weitergeben. Doch Inge weiß: Viele Faktoren können Brustkrebs auslösen.

Das Schlimmste für sie ist der Gedanke daran, es den eigenen Kindern zu erzählen. Sie selbst hatte jedoch ihre Schwester die Krankheit schon zweimal überleben sehen und das motiviert sie dazu, den Kampf gegen den Krebs aufzunehmen: „Da gehst du durch, das schaffst du!“ Alle Familienmitglieder sind natürlich erst einmal geschockt, gehen dann aber sehr fürsorglich und toll mit ihrer Krankheit um.

Inge erzählt nur den engsten Freunden von ihrer Erkrankung – sie hat keine Lust auf Gefühlsausbrüche und mitleidige Blicke. Vor allem für ihre Freundinnen, die imselben Alter sind, ist die Erkrankung eine schmerzhafte Erinnerung an die eigene Endlichkeit. So empfindet es Inge selbst auch. Mit über 60 Jahren wird sie erstmals bewusst daran erinnert, dass ihr eigenes Dasein nicht unendlich ist. Besonders zwei Freundinnen stehen ihr in dieser Zeit immer zur Seite. „Ich hätte die beiden Tag und Nacht anrufen können. Wenn ich nachts aufgewacht wäre und mir wäre es schlecht gegangen oder ich hätte einen Albtraum gehabt, hätte ich zum Telefonhörer greifen und die beiden anrufen können – das zu wissen, tat gut!“

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

An ihre erste Chemotherapie erinnert sich die Kölnerin aber bis heute: Sie erhält diese an Weiberfastnacht. Scherzend geht sie ins Krankenhaus und sagt: „Ich möchte meine Cocktails holen, wenn ich schon nicht zum Karneval gehen kann.“ Das Krankenhauspersonal schaut sie an wie das siebte Weltwunder. Doch das ist ihre Art, mit der Krankheit umzugehen und ihre Lebensfreude zu bewahren.

Inge bekommt insgesamt acht Chemotherapien und 30 Bestrahlungen. Eine weitere Belastung: Zunächst wird sie brusterhaltend operiert. Dann wird ihr geraten, doch die Brust abnehmen zu lassen. Das übersteht sie aber gut – genauso wie die ersten vier Chemotherapien; die Medikamente gegen die Übelkeit helfen. Der zweite Zyklus trifft sie härter: „Ich war platt wie eine Briefmarke und hätte den ganzen Tag schlafen können. Ich hätte vielleicht 800, oder 900 Meter laufen können und dann hätte man mich nach Hause fahren müssen“, beschreibt sie selbst das Gefühl nach der Behandlung.

Eine weitere negative Begleiterscheinungen: Nach der Chemotherapie kribbelt es in den Zehen und Fingern, sie hat keinen Geschmack mehr und die trockene Mundschleimhaut belastet sie. Positive Gedanken helfen ihr aber auch hier, die Nebenwirkungen zu überstehen. Sie denkt: „Wenn das alles ist, schaffe ich das. Die Beschwerden gehen auch wieder weg. Außerdem geht es anderen Frauen wesentlich schlechter – viele können nicht einmal mehr richtig laufen.”

Hella und Inge

Kreatives Arbeiten lenkt ab

Das größte Hobby von Inge ist bis heute das Basteln. Die kreativen Bastelabende, die sie schon in der Zeit vor ihrer Krankheit besucht, geben ihr Halt. Sie wollte nicht nur zuhause sitzen und nichts tun. An der Diagnose hätte das auch nichts ändern können. Auch wenn sie zwischenzeitlich Pause machen muss, weil ihr die Finger zu stark kribbeln und sie nicht mehr kann. Dann bewegt sie ihre Finger ein bisschen und im Anschluss macht sie weiter. Ihr ganz persönliches Credo: „Aufgeben war nie eine Option für mich!“

„Für mich ist das Glas immer halb voll“

Inge hat für die Zukunft ganz bescheidene, aber elementare Wünsche: Sie möchte mit ihrer Familie einfach glücklich sein, ihre Enkel aufwachsen sehen und mit ihnen Freude haben. Durch ihre Erkrankung ist sie sich der Endlichkeit des Lebens bewusst und genießt jeden Tag in vollen Zügen. Inge geht weiterhin mit ihrer positiven Einstellung durchs Leben und sagt: „Für mich ist das Glas immer halb voll.“