„Ich bin fit, ich fühle mich gut und genieße jeden Tag.”

Ich möchte einfach in jeder Hinsicht vorne an der Spitze sein

Nicoles Geschichte

Nicole liebt ihren Job: Sie arbeitet gemeinsam mit ihrer Schwester im Restaurant ihrer Eltern und ist dort für den Service und die Buchhaltung zuständig. Zuhause halten ihre beiden Kinder und ihr Mann sie auf Trab. Doch plötzlich gerät ihr Leben aus den Fugen – sie wird von der Diagnose Brustkrebs vollkommen aus der Bahn geworfen.

Zu jung für Krebs

Der Brustkrebs wird bei Nicole im Oktober 2013 festgestellt. Das etwas nicht stimmt, hat sie bereits sechs Monate vorher ertastet. Sie geht zum Frauenarzt, der sie beruhigt: „Nein, da ist nichts, das ist nur eine Verkalkung. Außerdem sind Sie für Brustkrebs sowieso viel zu jung und haben zwei Kinder gestillt.“ Sie solle sich also keine Gedanken machen – ihr ungutes Gefühl lässt sie aber nicht los. Ein halbes Jahr später geht sie wieder zum Arzt – er schickt sie zur Mammografie: Der Tumor ist da bereits walnussgroß.

Der Arzt versucht sie aufzuklären; alles in einem Gespräch: Brustabnahme, Chemotherapie, Staging, Aggressivität ihres Tumors. Minutenlang spricht er mit ihr und sie denkt nur: „Der spricht doch nicht mit mir.“ Zuhause schließt sie sich eine zeitlang nur ein. Schlussendlich holt ihre Schwester sie aus dieser Starre und fährt mit ihr direkt in die Uniklinik. Ab dem Zeitpunkt verläuft die Betreuung so, wie Nicole es sich wünscht. „Das Personal dort ist immer für einen da – man kann Tag und Nacht anrufen.“

„Ich bin die Sylvie van der Vaart vom Ort“

Nicole zieht sich zu Beginn der Krankheit zurück. Sie will niemanden sehen, außer ihrer engsten Familie, und hat Angst davor, ein Schauobjekt zu werden. Irgendwann merkt sie aber: Mit dieser Einstellung kommt man kein Stück weiter. Sie wandelt sich komplett und holt die Leute zu sich, um ihnen von der Krankheit zu erzählen; egal, ob sie es hören wollen oder nicht. „Ich habe immer gesagt: Ich bin die Sylvie van der Vaart vom Ort.“ Offen spricht sie über ihre Brustoperation und auch, als ihre komplette Brust entfernt wird, schweigt sie nicht. In der Familie erfährt sie einen starken Zusammenhalt, insbesondere von ihren drei Schwestern, aber auch von Bekannten, von denen sie es nie erwartet hätte.

  • Portraitbild Nicole
    Nicole
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    Nicole
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Eine ganz besondere Begegnung

Die Begegnung mit einer ganz besonderen Frau ist Nicole bis heute in Erinnerung geblieben: Sie ist ca. Mitte 50 und vertreibt sich die Zeit während der Chemotherapie mit dem Stricken. Nicole fragt sie, was sie strickt: „Eine Decke für mein Enkelkind“, antwortet sie. Nicole, selbst zweifache Mutter, ist begeistert und fragt, wann es soweit ist. Die Frau antwortet: „Nein, mein Sohn hat noch gar keine Frau“ und sie beginnt zu erzählen: „Es ist so, dass ich dieses Jahr nicht mehr überleben werde. Ich hatte ein tolles Leben und möchte dieses mit einem ebenso tollen Schluss beenden. Und wenn mein Sohn eines Tages Kinder haben wird, kann er seinem Nachwuchs sagen: Diese Decke ist von Deiner Oma.“ Nicole nimmt sich diese Einstellung zu Herzen: Nicht warten, dass es zu Ende geht, ist die Devise, sondern Dinge in die Hand nehmen und genießen bis zum Schluss.

Negatives abprallen lassen

Heute ist Nicole der Krankheit dankbar und sagt selbst: Es ist gut, wie alles gekommen ist. Der Brustkrebs hat sie gelehrt, negative Dinge nicht mehr an sich heranzulassen und alles Schlechte in positive Gedanken umzuwandeln. Vor den Untersuchungen, zu denen sie alle drei Monate muss, hat sie keine Angst mehr. Nicole sagt heute: „Ich bin fit, ich fühle mich gut und genieße jeden Tag. Ich möchte mich nicht treiben lassen, sondern einfach in jeder Hinsicht vorne an der Spitze sein.“