„Ich glaube, dass Yoga und Meditation dazu beitragen, dass ich positiv mit meiner Erkrankung umgehen kann."

Zuversicht und Kraft mit Yoga

Stefanie im Interview

Yogalehrerin Stefanie Ebenfeld ist 2011 an Brustkrebs erkrankt. Sie berichtet, welche Bedeutung Yoga für Sie als Brustkrebspatientin hat und warum Yoga geeignet ist, den Begleiterscheinungen der Therapie entgegenzuwirken. Lesen Sie, warum Yoga und Meditation sich wohltuend auf Körper und Geist auswirkt, und daher eine wichtige Kraftquelle für Ihr alltägliches Leben sein kann. Stefanie Ebenfeld verrät, was ihr hilft, ausgeglichen und gelassen den Tag anzugehen und positiv in die Zukunft zu blicken.

2007 entdeckte ich Yoga für mich – einige Jahre vor meiner Brustkrebsdiagnose. Damals arbeitete ich Teilzeit als Betriebswirtin und versuchte, den Beruf und die Erziehung meiner beiden kleinen Töchter unter einen Hut zu bringen. Ich fühlte mich in dieser Zeit sehr gestresst und litt trotz Sport immer wieder unter Erschöpfung, Verspannungen und Kopfschmerzen. Schon meine erste Hatha-Yogastunde ließ mich eine nie geahnte Entspannung und Ruhe erleben. Ich wollte diese tolle Erfahrung weitergeben. 2008 absolvierte ich die Ausbildung zur Yogalehrerin und widmete mich von nun an dem Unterrichten dynamischer Yogastile.

Häufig höre ich von anderen: „Wie schaffst Du es, trotz der Diagnose so positiv zu bleiben?“

Anfangs war Yoga für mich eher eine körperlich fordernde Bewegungsform, die mich idealerweise auch entspannte. Nach der Diagnose Brustkrebs, der beidseitigen Brustamputation, der Lymphknotenentfernung und der Bestrahlung wählte ich ganz gezielt die Übungen für mich aus, die Vernarbungen, Verkürzungen und Verspannungen sanft linderten und mir die volle Beweglichkeit zurückgaben. So konnte ich ab 2012 wieder unterrichten. 

Tipp

Einen 20-minütigen Yogakurs für Brustkrebspatientinnen mit Stefanie Ebenfeld finden Sie hier.

Nach der recht schmerzhaften Metastasierung im Schulterblatt und der Wirbelsäule 2014 war Yoga erst einmal nicht möglich. Später halfen sanfte, dehnende Übungen. Zusammen mit der für mich immer wichtiger werdenden Meditation wirken sie extrem beruhigend.

Häufig höre ich von anderen: „Wie schaffst Du es, trotz der Diagnose so positiv zu bleiben?“ Ich bin sicher, dass die tägliche Meditation einen guten Teil dazu beiträgt. Neben Joggen und Yoga kann ich regelmäßiges Meditieren empfehlen.

Während der Meditation ziehen wir unsere Sinne zurück von allen äußeren Eindrücken und Geräuschen und versuchen, uns zunächst auf unseren Körper zu fokussieren.

Was aber macht die Meditation so hilfreich? Während der Meditation ziehen wir uns von allen äußeren Eindrücken und Geräuschen zurück und versuchen, unsere Sinne zunächst auf unseren Körper und unseren Atem zu fokussieren. Wir lenken alle Aufmerksamkeit auf den natürlichen Atemfluss. Das hat eine sehr beruhigende Wirkung auf unseren Geist und unsere Gedanken. Die Meditation lehrt uns, unkontrollierte Gedanken wahrzunehmen und wieder loszulassen, ihnen nicht weiter nachzuhängen. So kehren wir immer wieder zur Beobachtung des Atems zurück und sind im Hier und Jetzt, achtsam und bewusst.

Die Meditation ist für mich ein Vehikel, um über die Achtsamkeit zur Ruhe zu kommen und mein seelisches Gleichgewicht zu halten – im Hier und Jetzt.

Gerade als Brustkrebspatientin kennt man diverse Ängste, zum Beispiel vor anstehenden Untersuchungen, vor Metastasen, Schmerzen und vielem mehr. Natürlich kenne ich all diese Ängste auch! Doch wie können wir verhindern, von der Angst aufgefressen zu werden, damit wir aktiv und positiv am Leben teilhaben können? Wenn wir diese Ängste betrachten, so stellen wir fest, dass sie ganz häufig nichts mit der Gegenwart zu tun haben, sondern in die Zukunft gerichtet sind. Aber es macht mein Leben heute nicht besser und glücklicher, mir alle möglichen Schreckensbilder schon jetzt vorzustellen.

Tipp

Meditationsübungen für zu Hause mit Stefanie Ebenfeld finden Sie hier.

Die Meditation kann ich gezielt einsetzen, um über die Achtsamkeit zur Ruhe zu kommen und mein seelisches Gleichgewicht zu halten – im Hier und Jetzt. Das Wunderbare an einer regelmäßigen Meditationspraxis ist, dass man generell ruhiger, entspannter und weniger ängstlich ist. Mit etwas Übung kann man die Meditation jederzeit einsetzen, zum Beispiel bei einer unangenehmen Untersuchungssituation wie im CT.