Chemotherapie bei Brustkrebs – Tumoren systemisch behandeln

Die Chemotherapie gehört zu den wichtigsten systemischen Therapien bei Brustkrebs. Vielen Brustkrebspatientinnen wird sie als vorbeugende Therapie empfohlen. Ihr Ziel ist es, mögliche Metastasenvorstufen zu zerstören und so das Metastasen- und Rückfallrisiko zu mindern. Für welche Brustkrebspatientin eine Chemotherapie sinnvoll ist, muss individuell mit den behandelnden Ärzten entschieden werden.

Was ist eine Chemotherapie?

Zu den wichtigsten systemischen, also im ganzen Körper wirkenden Therapien bei Brustkrebs gehört die Chemotherapie. Wie alle Therapieformen zur Behandlung von Brustkrebs zielt auch die Chemotherapie darauf ab, den Tumor zu stoppen oder zu vernichten. Hierbei hemmen spezielle Medikamente, sogenannte Zytostatika oder auch Chemotherapeutika, die Vermehrung von Krebszellen und bringen diese zum Absterben. Die Wirkung richtet sich hauptsächlich gegen Zellen, die sich gerade in der Vermehrungsphase befinden. So greifen Zytostatika vornehmlich sich schnell teilende Zellen an.

Zytostatika

(vom griechischen „Cytos“ = Zelle und „statikós“ = anhalten) sind Zellgifte, die vor allem schnell wachsende Zellen wie Tumorzellen vernichten. Zu ihnen gehören insbesondere Anthrazykline und Taxane. Zytostatika greifen aber auch gesunde Zellen an, die sich häufig teilen. Besonders davon betroffen sind Haarwurzeln, Knochenmark und die Schleimhäute.

Tumorzellen zeichnen sich durch ihre hohe Vermehrungsrate aus und sind damit empfindlicher gegenüber der Wirkung der Zytostatika als gesunde Körperzellen. Aufgrund der systemischen Wirkung erreicht die Chemotherapie auch eventuelle Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, und kann diese zerstören. Einem Teil der Patientinnen im Frühstadium wird eine Chemotherapie empfohlen, um Mikrometastasen zu zerstören. Dies kann auch durch eine Antihormontherapie erfolgen. Im Fokus stehen also Mikrometastasen, die aufgrund ihrer Größe nicht nachweisbar sind. Dieses Vorgehen senkt nachweislich das Rückfall- und Sterberisiko.

Eine Chemotherapie kann vor oder nach einer Operation erfolgen. Wenn der Tumor aufgrund seiner Größe oder seines schnellen Wachstums zunächst nicht operiert werden kann, bekommen Brustkrebspatientinnen häufig bereits vor einer Operation eine Chemotherapie. So ist es zum Teil möglich, statt einer Brustamputation eine brusterhaltende Operation durchzuführen. Eine postoperative Chemotherapie ist vier bis sechs Wochen nach der Operation möglich.

Wie wird eine Chemotherapie bei Brustkrebs verabreicht?

Die Verabreichung der Zytostatika erfolgt meist als Infusion über eine Vene. Um wiederholte Einstiche in den Arm und Reizungen der Vene durch die Medikamente zu vermeiden, wird häufig ein sogenanntes Port-System unter der Haut angelegt.

Brustkrebs - Wirkweise der Chemotherapie
Wirkweise der Chemotherapie

Hierbei gelangen die Zytostatika direkt in die großen Blutgefäße. Über das Blut verteilen sie sich im ganzen Körper.

Die Chemotherapie bei Brustkrebs erfolgt in mehreren Zyklen, meist über einen Behandlungszeitraum von 18 bis 24 Wochen. Während eines Zyklus wird das Medikament an einem oder an mehreren Tagen hintereinander verabreicht. Danach schließt sich eine Behandlungspause von mehreren Tagen oder Wochen an. Die Anzahl und Dauer der Zyklen variieren innerhalb einer Chemotherapie.

Die Vorteile dieses Verabreichungsschemas sind:

  • Die gesunden Zellen können sich von den Auswirkungen der Zytostatika erholen. Den Krebszellen gelingt das in dieser Zeit meist nicht.
  • Die Tumorzellen können in verschiedenen Wachstumsphasen erfasst werden. So können Zellen, die sich während eines Zyklus in einer Ruhephase befinden, beim nächsten Zyklus erfasst werden.

Heutzutage ist eine Chemotherapie meist nicht mehr mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden. Die Patientinnen erhalten die Medikamente ambulant und können nach etwa drei bis vier Stunden wieder nach Hause gehen. Im Behandlungsraum sitzen sie gemeinsam mit anderen Patientinnen.

Seit einigen Jahren ist auch die orale Verabreichung einiger Chemotherapeutika zuhause möglich. Hierbei ist es wichtig, dass die Tabletten oder Kapseln regelmäßig eingenommen werden, um die beste Wirkung zu erreichen.

Was macht die Chemotherapie in meinem Körper? – Barbara, Diagnose 1989

Welche Nebenwirkungen sind bei einer Chemotherapie zu erwarten?

Zytostatika schädigen besonders sich schnell teilende Zellen. Davon sind nicht nur die Tumorzellen betroffen, sondern auch gesunde Zellen in Geweben mit hoher Teilungsrate wie zum Beispiel die Zellen der Magen-und Darmschleimhaut, der Mundschleimhaut, der Haarwurzeln und des blutbildenden Systems im Knochenmark. Dementsprechend zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie:

  • Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Entzündungen der Mundschleimhaut
  • Beschwerden beim Schlucken
  • Haarausfall
  • Müdigkeit (Fatigue)
  • Störungen des Blutbildes
  • ein erhöhtes Infektionsrisiko

Viele Patientinnen empfinden den Haarverlust als besonders belastend. Dieser ist, wie die meisten Begleiterscheinungen, jedoch nur vorübergehend. Die Haare wachsen nach Ende der Chemotherapie innerhalb von drei bis sechs Monaten wieder nach. Schon bei der Planung der Therapie erhalten Patientinnen auf Wunsch ein Rezept für eine Perücke.

Welche Nebenwirkungen auftreten und wie stark diese ausgeprägt sind, hängt von den Zytostatika und deren Dosierung ab. Die persönlich empfundene Belastung der Chemotherapie unterscheidet sich von Patientin zu Patientin. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Zytostatika entwickelt, die weniger Nebenwirkungen hervorrufen. Außerdem sind die Medikamente, die die Nebenwirkungen erleichtern (Supportivmedikamente), sehr viel besser geworden.

Generell ist die Verträglichkeit eines Präparates von Patientin zu Patientin verschieden. Oft lohnt sich ein offenes Gespräch mit dem behandelnden Arzt, um die individuell verträglichste Therapie herauszufinden. Hier sollten Betroffene auch jede Begleiterscheinung vertrauensvoll ansprechen. Oft gibt es eine Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern.