Erkennen

Etwa eine von acht Frauen in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs hierzulande die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Gleichzeitig sind die Heilungschancen im Vergleich zu anderen Krebsarten gut, wenn die Diagnose früh gestellt wird.

Was ist Brustkrebs?

Die Bezeichnung Krebs steht allgemein für bösartige Tumorerkrankungen, die mit einem unkontrollierten Gewebewachstum einhergehen. Die bösartige Tumorerkrankung der Brust wird als Brustkrebs oder Mammakarzinom bezeichnet. Insgesamt erkranken in Deutschland jährlich etwa 70.000 Frauen an Brustkrebs. Als Tumor kann im weitesten Sinne eine Schwellung von Körpergewebe verstanden werden. Im engeren Sinne handelt es sich um ein Geschwulst, das aus unkontrolliert wachsenden, körpereigenen Zellen entstanden ist. Tumoren können gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Charakteristisch für bösartige Tumoren ist, dass sie das umgebende Gewebe durchdringen und dort die örtlichen Strukturen zerstören.

„Ich habe Krebs.” – Aussprechen, was schwerfällt Angelika, Diagnose 2011

Wie ist die weibliche Brust aufgebaut?

Die weibliche Brust besteht hauptsächlich aus Fett-, Drüsen- und Bindegewebe. Das milchproduzierende Drüsengewebe (Brustdrüse) setzt sich aus mehreren Drüsenlappen zusammen. Diese wiederum bestehen jeweils aus einer Vielzahl an Drüsenläppchen. Auch die zur Brustwarze führenden Milchgänge gehören zum Drüsengewebe der Brust, das von stützendem Bindegewebe umgeben wird.

Neben Blutgefäßen durchziehen auch Lymphgefäße die Brust. Sie gehören zum Immunsystem und transportieren Gewebeflüssigkeit, die sogenannte Lymphe. Die Lymphe enthält neben weißen Blutkörperchen auch Abbauprodukte des Zellstoffwechsels wie Eiweiße und Fette. Die Lymphknoten, in denen die Lymphgefäße zusammenlaufen, dienen als Wachstationen. Dort wird die Lymphe gereinigt und von Krankheitserregern und Zelltrümmern befreit. Wichtige Gruppen von Lymphknoten der Brust befinden sich unter anderem in den Achselhöhlen, ober- und unterhalb des Schlüsselbeins und hinter dem Brustbein.

Einteilung von Brustkrebsarten

Der Ursprung von Brustkrebs kann entweder von den Zellen der Milchgänge (duktales Mammakarzinom) oder von den Zellen der Drüsenlappen (lobuläres Mammakarzinom) ausgehen. Am häufigsten entsteht Brustkrebs aus den Zellen der Milchgänge. Weiterhin kann man zwischen invasivem oder nicht-invasivem Brustkrebs unterscheiden: Ein invasives Mammakarzinom zeichnet sich dadurch aus, dass Krebszellen bereits in das umgebende Gewebe eingedrungen sind. Bei einem nicht-invasiven Brustkrebs handelt es sich hingegen um einen örtlich beschränkten Tumor. Da die betroffenen Zellen nicht in ihre Umgebung einwachsen, befindet sich der Tumor noch vollständig in dem Gewebe, aus dem er entstanden ist.

Nicht-invasive Brustkrebsarten lassen sich unterteilen in das duktale Carcinoma in situ (DCIS), das aus Zellen der Milchgänge entsteht und in das lobuläre Carcinoma in situ (LCIS), welches aus Zellen der Drüsenlappen hervorgeht. Das DCIS weist schon viele für Brustkrebs typische Veränderungen auf. Das Risiko, in Folge eines DCIS an einem invasiven Brustkrebs zu erkranken, ist im Vergleich zu anderen Krebsvorstufen deutlich erhöht: Bei vielen Frauen geht das DCIS in ein invasives Karzinom über. Daher wird empfohlen, ein DCIS in jedem Fall zu behandeln, auch wenn das für etliche Frauen eine nicht notwendige Behandlung bedeuten kann.

Brustkrebsarten

  • 70 – 80% der Brustkrebsarten entstehen in den Milchgängen (duktales Mammakarzinom)
  • 10 – 15% der Brustkrebsarten entstehen in den Drüsenlappen (lobuläres Mammakarzinom)

Brustkrebs bei Männern

Etwa ein Prozent aller Brustkrebsdiagnosen betrifft Männer. Laut Statistik werden im Jahr 2020 etwa 750 Männer in Deutschland voraussichtlich an Brustkrebs erkranken. Brustkrebs ist bei Männern oft ein Tabuthema, da diese Erkrankung als typische Frauenkrankheit gilt. Männer achten oft nicht auf Veränderungen in der Brust, da sie sich meist nicht bewusst sind, dass sie an Brustkrebs erkranken können. Eine veränderte oder entzündete Brustwarze, Knoten oder Verhärtungen und vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle könnten Symptome für Brustkrebs beim Mann sein. Veränderungen dieser Art sollten auf jeden Fall zunächst mit dem Hausarzt oder einem Facharzt für Innere Medizin besprochen werden. Da die Untersuchungen und Therapien sich nicht von denen der Frauen unterscheiden, werden Männer aber im Laufe der Behandlung häufig an ein Brustzentrum überwiesen. Die Ursachen für Brustkrebs bei Männern sind genauso unklar wie bei Frauen. Ein Ungleichgewicht der beiden Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen oder eine erbliche Belastung sind mögliche Faktoren, die bei der Brustkrebsentstehung beim Mann eine wichtige Rolle spielen. Hilfreiche Informationen und Unterstützung finden Männer im Netzwerk „Männer mit Brustkrebs“.

0 Männer in Deutschland erkrankten 2016 an Brustkrebs

Quelle: rki.de

Ursachen von Brustkrebs und Heilungschancen

Die eigentlichen Ursachen von Brustkrebs sind nicht bekannt. Viele Faktoren, wie etwa hormonelle Veränderungen, Lebensgewohnheiten oder Umwelteinflüsse, spielen bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle. Auch genetische Risikofaktoren stehen immer mehr im Fokus der Wissenschaft. Das Wichtigste für gute Heilungschancen sind die rechtzeitige Diagnose und Therapie des Tumors. Die Heilungschancen bei Brustkrebs haben sich durch eine Vielzahl an frühzeitigen Diagnosemethoden und Therapiemöglichkeiten erheblich verbessert. Brustkrebs gehört außerdem zu den bestuntersuchten Krebserkrankungen. Die zahlreichen Brustzentren bundesweit zeichnen sich durch ein hohes Maß an Qualität aus und ermöglichen eine optimale Brustkrebsversorgung von der Diagnostik bis zur Nachsorge.

„Wir können heute wahrscheinlich von 100 Frauen, die mit der Ersterkrankung kommen, 70 bis 80 heilen. Das Problem ist, dass wir das der einzelnen Patientin nicht versprechen können.“

Prof. Dr. med. Nadia Harbeck

Früherkennung und Symptome

Das Beobachten der eigenen Brust ist die beste Form der Früherkennung von Brustkrebs. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung kann der Gynäkologe Anleitungen zum richtigen Abtasten geben. Nicht jeder getastete Knoten bedeutet aber automatisch Brustkrebs; auch harmlose Zysten können die Ursache für eine Veränderung sein. Trotzdem sollte jeder tastbare Knoten in der Brust vom Gynäkologen abgeklärt werden.

Was wäre, wenn ... die Zeit der Ungewissheit – Angelika, Diagnose 2011

Selbstuntersuchung der Brust

Ab dem 30. Lebensjahr hat jede Frau gesetzlichen Anspruch auf eine jährliche Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs. Dabei tastet der Gynäkologe die Brust sowie die Achsellymphknoten ab. Dennoch wird zusätzlich empfohlen, dass alle Frauen ihre Brust einmal monatlich selbst untersuchen. Der ideale Zeitraum ist etwa eine Woche nach Beginn der letzten Periode, dann sind die Brüste am weichsten und Veränderungen lassen sich an diesen Tagen leichter ertasten. Die Selbstuntersuchung ist schnell gelernt und funktioniert am besten mit System.

Optische Untersuchung

Stellen Sie sich bei guter Beleuchtung vor einen Spiegel und betrachten Sie zunächst Form und Aussehen der Haut und der Brustwarzen. Mit erhobenen Armen beobachten Sie nun beide Brüste von vorne und von beiden Seiten und schauen, ob Sie Auffälligkeiten und Unregelmäßigkeiten entdecken können.

Brust abtasten

Sie können Ihre Brüste entweder in Bahnen von außen nach innen, spiralförmig oder in Linien abtasten; wichtig ist, dass Sie dabei systematisch vorgehen. Am besten untersuchen Sie mit der rechten Hand die linke Brust und umgekehrt. Tasten Sie jeweils mit den flach aufliegenden Kuppen der drei mittleren Finger die Brust entlang. Beginnen Sie dabei stehend im äußeren oberen Viertel der Brust. Dort ist das Gewebe meist etwas dichter. Es kann helfen, wenn Sie die jeweils freie Hand zur Unterstützung unter die zu untersuchende Brust legen. Drücken Sie abschließend die Brustwarze leicht zwischen Daumen und Zeigefinger und achten Sie darauf, ob Flüssigkeit austritt.

Wiederholen Sie das Abtasten mit Ihrer bevorzugten Methode im Liegen. Strecken Sie den Arm auf der zu untersuchenden Seite vom Körper weg. Der untere Bereich der Brust sowie die Achselhöhle können nun gut abgetastet werden.

Fragen für die Selbstuntersuchung der Brust

  • Haben sich Größe oder Form der Brust verändert?
  • Unterscheiden sich die Brüste deutlich voneinander?
  • Können Sie Einziehungen, Falten oder Vorwölbungen erkennen?
  • Sind Rötungen oder Entzündungen zu sehen?
  • Ist das Gewebe an bestimmten Stellen verhärtet?
  • Ist eine Brustwarze eingezogen oder gerötet oder tritt Flüssigkeit aus?
  • Haben Sie Schmerzen im Bereich der Brust?

Fallen Ihnen Veränderungen, Verdickungen oder Knoten beim Selbstabtasten im Stehen oder Liegen auf, sollten Sie diese unbedingt von einem Arzt untersuchen lassen. Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto höher ist die Heilungschance. Eine Abtastkarte mit einer Anleitung zur Selbstuntersuchung können Sie hier bestellen.

Selbstabtasten und den Körper wahrnehmen – Barbara, Diagnose 1989

Knoten in der Brust: Zyste, gutartiger Tumor oder Krebs?

Bei den meisten tastbaren Veränderungen handelt es sich um eine Zyste in der Brust oder gutartige Tumoren, z. B. sogenannte Fibroadenome. Sie lassen sich klar vom umliegenden Gewebe abgrenzen und unter der Haut verschieben. Auf Druck reagieren Zysten, die mit Flüssigkeit gefüllt sind, zudem oft leicht schmerzempfindlich. Ist ein Knoten jedoch eher unscharf begrenzt, verhärtet und fühlt sich uneben an, liegt der Verdacht auf Brustkrebs schon näher. Befindet sich der Knubbel direkt unter der Haut, kann er sich auch durch sichtbare oder fühlbare Hautveränderungen bemerkbar machen. Weisen die Lymphknoten in der Achselhöhle eine fühlbare Veränderung auf, kann dies ein Anzeichen für Brustkrebs und einen sich ausbreitenden Tumor sein. Da jedoch auch Entzündungen diese Symptome verursachen können, ist für eine klare Diagnosestellung in jedem Fall ein Arztbesuch nötig. Stellt der Arzt Auffälligkeiten fest, folgt in der Regel ein bildgebendes Verfahren, wie die Mammographie, zur weiteren Abklärung.

Diagnose

Eine Auffälligkeit in der Brust ist beunruhigend, auch wenn sich diese meist als harmlos erweist. Moderne Diagnoseverfahren wie Mammographie, Ultraschall und Kernspintomographie(Magnetresonanztomographie) ermöglichen eine frühzeitige Entdeckung bösartiger Tumoren. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind in der Regel die Heilungsaussichten.

0 von 1.000 untersuchten Frauen erhalten einen unauffälligen Befund

Quelle: Krebsinformationsdienst

Mammographie und Mammasonographie

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre zum sogenannten Mammographie-Screening-Programm, einer Röntgenuntersuchung der Brust, eingeladen. Von jeder Brust werden zwei Aufnahmen in verschiedenen Ebenen gemacht. Die Brust wird hierfür zwischen den Aufnahmetisch und eine Plexiglasplatte gelegt. Im Anschluss werden die Platten kurz zusammengedrückt. Zwei unabhängige Radiologen werten die Aufnahmen im Anschluss aus. Fällt der Befund nicht eindeutig aus, schließt sich die Ultraschalluntersuchung der Brust an, die sogenannte Mammasonographie. Mithilfe von Schallwellen untersucht der Arzt Lage, Größe und Beschaffenheit einer Veränderung im Brustgewebe. Haben der Frauenarzt oder das Mammographiezentrum einen konkreten Verdacht auf Brustkrebs geäußert, wird in der Regel eine Biopsieder Brust (Entnahme einer Gewebeprobe) durchgeführt. Weitere bildgebende Verfahren oder die Wiederholung einer Untersuchung sind nur in Ausnahmefällen notwendig.

  • Mammasonographie
    Mammasonographie
  • Mammographie
    Mammographie
  • Magnetresonanztherapie
    Magnetresonanztherapie (MRT)

Kernspintomographie

Die Kernspintomographie (auch Magnetresonanztomographie [MRT]) ist das empfindlichste Verfahren. Hierbei werden mithilfe von Magnetwellen zahlreiche Schnittbilder des Brustgewebes aufgenommen. Die Brustkrebsdiagnostik nutzt diese Methode nur bei speziellen Fragestellungen oder wenn durch andere Verfahren keine eindeutigen Ergebnisse erzielt werden.

Wenn der Verdacht zur Wahrheit wird – Barbara, Diagnose 1989

Bildgebende Verfahren bei Verdacht auf Metastasen

Besteht der Verdacht auf Metastasierung (Bildung von Tochtergeschwülsten), werden weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Knochenszintigraphie angewandt. Die Computertomographie nutzt Röntgenstrahlen. Im Gegensatz zum Mammographie-Screening wird bei einer CT-Untersuchung der gesamte Körper abgebildet, um ebenfalls ein Bild von Brustkorb und Lunge zu gewinnen.

Befällt der Brustkrebs die Knochen (Knochenmetastasen), lässt sich das durch eine Knochenszintigraphie oder Skelettszintigraphie darstellen. Hierzu spritzt der Arzt eine schwach radioaktive Substanz. Diese sammelt sich im Knochen an und bildet so das gesamte Skelett genau ab. Die Strahlenbelastung ist dabei sehr gering und mit einer Röntgenaufnahme zu vergleichen.

Biopsie der Brust

Haben vorherige bildgebende Verfahren den Verdacht auf einen bösartigen Tumor erhärtet, muss eine Gewebeprobe aus der Brust entnommen werden. Die Entnahme von Gewebe und dessen anschließende Untersuchung unter dem Mikroskop heißt Biopsie. Das entnommene Gewebe wird konserviert und in Paraffinwachs eingebettet. So ist es anschließend möglich, von der Probe dünne Schnitte anzufertigen. Nach Färbung der Gewebeschnitte werden diese mikroskopisch auf das Vorhandensein von Tumorzellen geprüft. Diese histologische (gewebliche) Untersuchung liefert dann den sicheren Befund.

In vielen Fällen kann Brustgewebe ohne eine Operation entnommen werden. Die Gewebeentnahme geschieht meist über sogenannte minimalinvasive Verfahren, bei denen mit einer Nadel Gewebeproben unter örtlicher Betäubung entnommen werden.

Arten von Biopsien

Bei der ultraschallgesteuerten Stanzbiopsie wird Gewebe mit einer Hohlnadel aus der Brust entnommen. Auch die computergesteuerte Vakuumbiopsie der Brust ist eine minimalinvasive Methode. Sie erlaubt eine sehr exakte Gewebeentnahme. Die Entfernung eines tastbaren Knotens oder eines verdächtigen Bereichs während einer OP und dessen anschließende Untersuchung nennt man offene Biopsie. Sie kommt zum Einsatz, wenn ein minimalinvasives Verfahren unmöglich oder nicht ausreichend ist. Sie kann bei Krebsbefund auch in die endgültige Operation übergehen.

Tumoreigenschaften

Anhand der Gewebeprobe wird untersucht, ob die Tumorzellen Bindungsstellen (Rezeptoren) für die Sexualhormone Östrogen und Progesteron haben. Zudem wird bestimmt, wie hoch die Anzahl eines bestimmten Rezeptors, genannt HER2, auf den Tumorzellen ist. Bei einigen Tumoren wird zusätzlich untersucht, ob die Gewebeprobe eine als „PD-L1“ bezeichnete Bindungsstelle aufweist. Diese Untersuchung ist für eine mögliche im Anschluss erforderliche zielgerichtete Therapie wichtig.

Hormonrezeptorstatus

Rezeptoren sind Eiweiße in der Zellhülle (Zellmembran), über die Signale von der Zelloberfläche an das Zellinnere übermittelt werden. Ein Rezeptortyp, der auf gesunden Zellen der weiblichen Brust zu finden ist, ist der Hormonrezeptor. Hormonrezeptoren des Brustdrüsengewebes binden beispielsweise die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Auch Tumorzellen können Hormonrezeptoren aufweisen. Ein Tumor wird Östrogenrezeptor-positiv (ER+) genannt, wenn sich auf der Oberfläche der Tumorzellen Östrogenrezeptoren befinden. Als Progesteronrezeptor-positiv (PR+) wird ein Tumor bezeichnet, sobald die Tumorzellen Progesteronrezeptoren aufweisen. Binden Östrogen oder Progesteron an die Rezeptoren, werden Wachstumssignale ins Zellinnere weitergeleitet: Der Tumor wächst hormonabhängig. Dies ist bei etwa 80 Prozent aller Brustkrebspatientinnen der Fall.

Bei hormonabhängigem Brustkrebs kommt eine sogenannte Antihormontherapie infrage. Diese Therapie war die erste zielgerichtete Therapie zur Behandlung von Brustkrebs und wurde schon in den 70er Jahren entwickelt. Das Grundprinzip dieser Therapie besteht darin, den wachstumsfördernden Effekt von Östrogen auf den Tumor zu verringern. Dies kann durch Senkung der Östrogenkonzentration im Körper oder durch Blockade der Bindung von Östrogen an die Rezeptoren erreicht werden.

HER2-Status

Der Rezeptor HER2 ist eine Bindungsstelle für Wachstumsfaktoren auf der Zelloberfläche. Dieser Rezeptor übermittelt Wachstumssignale von der Oberfläche ins Innere der Zelle. Eine normale Zelle besitzt nur eine geringe Menge des Rezeptors HER2. Befindet sich jedoch eine erhöhte Anzahl dieser Rezeptoren auf der Oberfläche einer Tumorzelle, werden zu viele Signale übermittelt und das Wachstum des Tumors gefördert.

Etwa 20 Prozent aller Brustkrebspatientinnen haben auf ihrem Tumor eine erhöhte Anzahl dieses Rezeptors (HER2-positiver Brustkrebs). Eine spezielle Antikörpertherapie greift gezielt diese Zellen an und führt dazu, dass sie absterben.

„Was genau ist HER2-positiver Brustkrebs?“ – PD Dr. Beyhan Ataseven

Triple-negativer Brustkrebs und PD-L1-Status

Ungefähr zehn Prozent der Mammakarzinome sind triple-negativ. Das bedeutet, auf den Tumorzellen befinden sich weder Hormonrezeptoren für Östrogen und Progesteron noch der Rezeptor HER2. Das macht die Behandlung schwieriger, da Therapien, die auf diese Rezeptoren abzielen, hier nicht wirken können.
Für Patientinnen mit nicht-operablem, triple-negativen Brustkrebs könnte die Krebsimmuntherapie infrage kommen. Voraussetzung hierfür ist, dass das Tumorgewebe die Bindungsstelle PD-L1 aufweist. PD-L1 gehört zu den sogenannten Checkpoints. Dabei handelt es sich um Schaltstellen, über die das körpereigene Immunsystem Abwehrzellen steuern und abschalten kann. PD-L1 im Tumorgewebe kann somit Abwehrzellen, die normalerweise die Tumorzellen angreifen würden, blockieren. Die Krebsimmuntherapie hilft dem Immunsystem, den Krebs wieder zu erkennen und zu bekämpfen.

Brustkrebs – Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache für die Entwicklung bösartiger Tumoren liegt immer im veränderten Erbgut einer Zelle. Im Laufe eines Lebens ist unser Erbmaterial vielen inneren und äußeren Einflüssen ausgesetzt. Eine Veränderung kann dazu führen, dass eine Zelle ihre natürliche Teilungskontrolle verliert und sich ungehindert vermehren kann, sodass Krebs entsteht.

Fehler bei der Zellteilung

Bei der normalen Zellteilung im Körper passieren jeden Tag viele tausend Fehler, die durch einen körpereigenen Schutzmechanismus repariert werden. Funktioniert dieser nicht richtig oder entstehen zu viele Fehler, sterben diese Zellen normalerweise ab. In seltenen Fällen gehen die Zellen jedoch nicht zugrunde, sondern entwickeln sich zu Krebszellen. Diese geben dann die Fehler bei jeder Teilung an ihre Tochterzellen weiter. Befinden sich die Fehler in Genen, die die Zellteilung steuern und kontrollieren, gerät die betroffene Zelle außer Kontrolle. Sie beginnt, sich unbegrenzt zu teilen und es entsteht Krebs.

Risikofaktoren für Brustkrebs

Es gibt viele Faktoren, die mit dem Entstehen von Brustkrebszellen in Verbindung gebracht werden. Einige davon können wir durch unsere Lebensweise beeinflussen, andere nicht. Ein wichtiger Faktor ist das Geschlechtshormon Östrogen. Etwa 80 Prozent aller Brustkrebszellen reagieren auf Östrogen mit einem erhöhten Wachstum (hormonabhängiger bzw. hormonrezeptorpositiver Brustkrebs). Besteht unsere Ernährung aus zu vielen tierischen Fetten und zuckerhaltigen Lebensmitteln oder leiden wir unter Bewegungsmangel, verursacht dies häufig Übergewicht. Dieses wiederum lässt den Östrogenspiegel ansteigen, sodass hormonabhängiger Brustkrebs begünstigt wird. Deshalb empfehlen Ärzte eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung und ausreichend Bewegung.

Brustkrebsrisiko senken durch Bewegung

Laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) kann moderate körperliche Bewegung das Brustkrebsrisiko senken. Fahrradfahren, zügiges Gehen und Schwimmen wirken sich positiv aus: Wer mehr als drei Stunden pro Woche aktiv ist, kann sein Brustkrebsrisiko um etwa 20 Prozent senken. Eine aktive Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung stärkt das Immunsystem am besten und beugt Erkrankungen vor. Extreme körperliche Anstrengungen oder Hochleistungssport sind nicht notwendig.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

Besonders schädlich sind Rauchen und ein vermehrter Alkoholkonsum. Rauchen wird für 25 bis 30 Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich gemacht. Zudem erhöht eine Frau, die täglich 0,3 Liter Wein oder 0,6 Liter Bier trinkt, langfristig ihr Brustkrebsrisiko um etwa 30 Prozent. Ein gesunder Lebensstil senkt also das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Doch eine Garantie dafür, durch genügend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung gesund zu bleiben, gibt es nicht. Ob eine Frau Brustkrebs bekommt oder nicht, lässt sich nicht vorhersagen. Generell müssen mehrere Umstände und Einflüsse zusammenkommen, damit sich eine Brustkrebserkrankung entwickelt.

„Wir wissen nicht, woher die Erkrankung kommt. Ein Problem stellen sicher die Lebensumstände in der westlichen Welt dar. Schließlich kommen Brustkrebserkrankungen hier deutlich häufiger vor.“

Prof. Dr. med. Ulrike Nitz

Beeinflussbare Faktoren

  • Rauchen
  • Ungesunde Ernährung und Übergewicht
  • Erhöhter Alkoholkonsum
  • Geringe Stillzeiten (freiwillige Entscheidung)
  • Umweltfaktoren (z. B. Strahlung)

    Nicht beeinflussbare Faktoren

    • Früh einsetzende Menstruation (erste Periode vor dem 13. Lebensjahr)
    • Späte Menopause (Wechseljahre nach dem 52. Lebensjahr)
    • Kinderlosigkeit oder späte Geburt des ersten Kindes (Mutterschaft mit 30 Jahren und später)
    • Geringe Stillzeiten (unfreiwillige Entscheidung)
    • Allgemeines Altersrisiko (ab dem 50. Lebensjahr)
    • Eigene vorangehende Brustkrebserkrankung
    • Behandlung mit Hormonersatztherapie nach der Menopause
    • Diabetes mellitus
    • Genetische Veranlagung
    Krebs bekommen immer die anderen – Alexandra, Diagnose 2011

    Familiärer Brustkrebs

    Bei fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebserkrankungen handelt es sich um einen familiären Brustkrebs: Eine Veränderung im Erbgut (Mutation) wird von Mutter oder Vater auf die Kinder übertragen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens zu erkranken. Ein Risiko für genetisch bedingten Brustkrebs kann vorliegen, wenn eine der folgenden Konstellationen in einer verwandtschaftlichen Linie, das heißt entweder väterlicher- oder mütterlicherseits, zutrifft:

    • mindestens drei Frauen sind oder waren an Brustkrebs erkrankt (unabhängig vom Alter)
    • mindestens zwei Frauen sind oder waren an Brustkrebs erkrankt (davon eine vor dem 51. Lebensjahr)
    • mindestens eine Frau ist oder war an Brustkrebs erkrankt und eine Frau an Eierstockkrebs
    • mindestens zwei Frauen sind oder waren an Eierstockkrebs erkrankt
    • mindestens eine Frau ist oder war an Brust- und Eierstockkrebs erkrankt
    • mindestens eine Frau ist oder war mit 35 Jahren oder jünger an Brustkrebs erkrankt
    • mindestens eine Frau mit 50 Jahren oder jünger ist oder war an beidseitigem Brustkrebs erkrankt
    • mindestens ein Mann ist oder war an Brustkrebs erkrankt und eine Frau an Brust- oder Eierstockkrebs

    Quelle: Deutsches Konsortium für Familiären Brust- und Eierstockkrebs

    Brustkrebsgene: BRCA1 und BRCA2

    Bei etwa 25 Prozent der Frauen mit familiärem Brustkrebs lässt sich eine Veränderung in den Genen BRCA1 und BRCA2 nachweisen. BRCA steht dabei für „breast cancer“, das englische Wort für Brustkrebs. Sowohl für Frauen als auch Männer steigt bei Vorliegen einer dieser Genveränderungen die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, deutlich an (um das Zehnfache). Die Frauen sind zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung zudem wesentlich jünger: Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 40 Jahren. Sie erkranken damit durchschnittlich 20 Jahre früher, als Frauen ohne genetisches Risiko (60 Jahre). Frauen mit einem veränderten BRCA-Gen erkranken zudem häufiger an Eierstockkrebs. Hilfreiche Informationen und Adressen bei familiärem Brustkrebs finden Betroffene auf der Internetseite des deutschen Konsortiums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs: www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de.

    Beratung durch spezialisierte Zentren

    Besteht der Verdacht, dass in einer Familie ein genetisches Risiko vorliegt, an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken, sollte sich die Familie an ein spezialisiertes Zentrum wenden. Nach einer ausführlichen Beratung kann dort ein Gentest durchgeführt werden. Mit diesem werden Genveränderungen nachgewiesen. Für den Test ist lediglich eine kleine Blutprobe erforderlich und das Ergebnis liegt nach wenigen Wochen vor. Das Ergebnis betrifft dann immer die ganze Familie, da damit auch die Kinder Träger der Mutation sein können. Entscheiden sich auch diese für einen Test und fällt dieser positiv aus, werden sie in ein intensiviertes Früherkennungsprogramm aufgenommen. Ab einem bestimmten Alter oder wenn bereits eine Brustkrebserkrankung vorliegt, kann auch die vorbeugende Entfernung der Eierstöcke erwogen werden, um das Risiko für Eierstockkrebs zu verringern.