Phase II – Akutbehandlung

Eine Krebserkrankung bedeutet fast immer eine längere Behandlungszeit, während der Sie unter Umständen nicht arbeiten können. Krankengeld hilft, Ihre finanzielle Situation zu sichern. Wie Sie es beantragen und was jetzt noch wichtig ist, lesen Sie hier.

Krankengeld – finanzielle Absicherung

Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber zahlt Ihnen in der Regel die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld. Es ist immer niedriger als das bisher bezogene Bruttogehalt. Sofern Sie keine private Krankentagegeldzusatzversicherung abgeschlossen haben, liegt der derzeitige Höchstbetrag bei brutto € 103,25 pro Tag (§ 47 SGB V in Verbindung mit § 6 Abs. 6 SGB V, Stand 2018). Krankengeld wird maximal 78 Wochen lang innerhalb von drei Jahren gezahlt. Wenn Sie Krankengeld länger beziehen wollen, müssen Sie es erneut beantragen. 

Rechnen Sie mit verzögerten Zahlungen, beispielsweise durch Feiertage, unvollständige Auszahlungsformulare oder Rückfragen seitens der Krankenkassen bei den behandelnden Ärzten.

Tipp

Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Bank, falls Kredite laufen, die Sie momentan nicht bedienen können. Gegebenenfalls unterstützt Sie zunächst das private Umfeld.

Private Versicherungen zahlen oft spät

Haben Sie private Versicherungen abgeschlossen, beispielsweise eine private Berufsunfähigkeitsversicherung, dauert die Prüfung bis zur ersten Auszahlung mitunter mehrere Monate. Meist sind umfangreiche Unterlagen von Ihren behandelnden Ärzten auszufüllen oder Befunde nachzureichen. So können Sie nicht von Beginn an mit einer finanziellen Absicherung rechnen. Allerdings zahlen die privaten Versicherungen die Leistungen bei Bewilligung nach.

Checkliste : To-do's in Phase II – Akutbehandlung

  • Beantragen Sie Krankengeld bei Ihrer Krankenkasse, da die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber spätestens nach sechs Wochen endet.
    Tipp: Beim Bezug von ALG I zahlt in der Regel die Bundesagentur für Arbeit in den ersten sechs Wochen der Krankschreibung das ALG I weiter, danach zahlt Ihre Krankenversicherung das Krankengeld.
  • Prüfen Sie, ob seriöse Komplementärbehandlungen für Sie in Frage kommen – sogenannte IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen), beispielsweise Akupunktur, Yoga.
  • Entscheiden Sie, ob ein Antrag auf Schwerbehinderung sinnvoll ist. Er bietet keinen vollständigen Kündigungsschutz! (Beratung durch Sozialberater, Integrationsamt, juristische Beratung, Schwerbehindertenbeauftragter im Unternehmen, Betriebsrat beim Arbeitgeber etc.)
  • Lassen Sie sich Rezepte ausstellen für Krankengymnastik, Lymphdrainagen etc. 
  • Beantragen Sie Zuzahlungsbefreiung bei der Krankenkasse.
  • Beantragen Sie die Anschlussheilbehandlung und Übergangsgeld über die Deutsche Rentenversicherung beziehungsweise Krankenversicherung vor Ende der Akutbehandlung. Entscheiden Sie zwischen ambulanter oder stationärer Anschlussheilbehandlung.
  • Recherchieren Sie einschlägige Rehabilitationskliniken nach Ihren individuellen Bedürfnissen (Wunsch- und Wahlrecht).
  • Planen Sie Ihre berufliche Wiedereingliederung, beispielsweise nach dem „Hamburger Modell“ in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten. Stellen Sie den entsprechenden Antrag bei der Krankenversicherung und / oder der Rentenversicherung.
Tipp

Die unabhängige Patientenberatung berät und unterstützt Sie kostenlos, falls die Krankenkasse nicht zahlen will.

INFO: Wer erhält Krankengeld?

Menschen, die ALG II beziehen, haben keinen Anspruch auf Krankengeld. ALG II wird aber weiterhin gezahlt.

Selbständige erhalten nur dann Krankengeld, wenn Sie eine private und/oder gesetzliche Krankentagegeldversicherung (Wahltarif, § 44 Abs. 2 Nr. 2 SGB V) abgeschlossen haben. 

Studenten, Familienversicherte und Rentner haben grundsätzlich keinen Anspruch auf Krankengeld (§ 44 Abs. 2 Nr. 1 SGB V bzw. § 44 Abs. 2 Nr. 4 SGB V). Ggf. ist ein Anspruch aus einer bisherigen Teilzeittätigkeit durch den Arbeitgeber und die Krankenversicherung zu prüfen.

Steuertipp

Geben Sie das Krankengeld unbedingt in der Steuererklärung an, da es andernfalls zu erheblichen Nachzahlungen kommen kann. 

Ausführliche Informationen zum Thema hat Sandra Otto in ihrem Buch: „Brustkrebs – Hilfe im Bürokratiedschungel. Insidertipps für sozialrechtliche Fragen.“ zusammengestellt.