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Umgang mit Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen

Jede Patientin erlebt die Zeit ihrer Brustkrebserkrankung und der Behandlung unterschiedlich. Das gilt auch für die Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen, die während der Therapie auftreten können. Die Stärke der Nebenwirkungen ist abhängig von der individuellen Behandlung und dem Allgemeinbefinden der Patientin. Ziel der modernen Medizin ist es, diese so gering wie möglich zu halten und der Patientin ein Optimum an Lebensqualität zu sichern.

Nebenwirkungen

Ein Leben zu haben ist viel – Barbara, Diagnose 1989

Begleiterscheinungen bzw. Nebenwirkungen können im Zusammenhang mit bestimmten Krebstherapien auftreten, insbesondere infolge der Chemo- und der Strahlentherapie.

Die Zytostatika greifen nicht nur die schädlichen Krebszellen, sondern auch die gesunden, sich schnell teilenden Zellen im Körper an. Dies betrifft vor allem die Schleimhäute und Haarwurzeln. Übelkeit, Durchfall und Haarausfall können die Folgen sein. Außerdem können auch Schleimhautentzündungen, Erschöpfungszustände und Infektionen auftreten. Je nach Art, Dosierung und Dauer der Chemotherapie treten diese Nebenwirkungen in unterschiedlich starker Ausprägung auf.

Wie kann ich mich vorbereiten? – Alexandra, Diagnose 2011

Oft erhalten Patientinnen schon parallel zur Chemotherapie Arzneimittel, die die Nebenwirkungen unterdrücken und Symptome lindern, beispielsweise in Form von Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen (Supportivmedikation). Spezielle Spülungen können Schleimhautentzündungen im Mund und Rachenraum lindern. Früher rieten Experten dazu, sich während und nach einer Krebsbehandlung zu schonen. Körperliche Aktivität ist jedoch wichtig, um das Immunsystem zu stärken und Nebenwirkungen zu lindern. Sie hilft zudem, Schmerzen zu reduzieren. Daher empfiehlt man Patientinnen heute, sich sportlich zu betätigen. Es soll aber kein Leistungssport sein: Ein wohldosiertes Programm ist wirksamer als zu intensive Bewegung.  

Sport treiben mit Brustkrebs
Wann darf ich Sport machen?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Fast immer! Jedoch immer in Rücksprache mit Ihrem Arzt. Sobald die Wundheilung abgeschlossen ist, können Sie mit dem Sport beginnen. Aber überanstrengen Sie sich nicht. Sehen Sie zudem von körperlicher Aktivität ab, wenn Sie unter Fieber, Infektionen und häufigem Erbrechen oder Durchfall leiden.

Wichtig ist, dass Sie das richtige Maß finden und sich langsam steigern. Die Bewegung soll Spaß machen und Sie nicht überfordern.

Nebenwirkungen der Strahlentherapie werden in akute Nebenwirkungen und in Spätreaktionen unterteilt. Zu den akuten Nebenwirkungen zählen zum Beispiel Hautrötungen und -reizungen an den bestrahlten Körperstellen, ähnlich wie bei einem Sonnenbrand. Einige Frauen beobachten in den Tagen nach der Strahlentherapie Kopfschmerzen oder Schwindel. Die meisten Reaktionen sind jedoch vorübergehend und klingen nach Beendigung der Therapien wieder ab.

Spätreaktionen in Form von Hautverfärbungen oder -verhärtungen können sich bei manchen Patientinnen auch noch Monate nach einer Strahlentherapie bemerkbar machen. Auch das sogenannte Fatigue-Syndrom wird mitunter durch die Strahlentherapie verursacht. Dieser allgemeine Erschöpfungszustand, der sich in einer chronischen Müdigkeit äußert, kann auch bis lange nach Ende der Strahlentherapie anhalten.

Fatigue

Das Wort „Fatigue“ entstammt dem Französischen und bedeutet „Müdigkeit“. Im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung ist ein dauerhafter Müdigkeitszustand gemeint, dem durch gewohnte Erholungsmaßnahmen wie Schlafen und Ausruhen nicht allein entgegenzuwirken ist. Zu den Symptomen einer Fatigue-Erkrankung gehören neben Müdigkeit auch vermehrte Lustlosigkeit und Schwäche. Oftmals fühlen sich Patientinnen körperlich nicht mehr belastbar und schildern einen allgemeinen Energie- und Motivationsverlust. Auch Schlaf- und Konzentrationsstörungen können auftreten, genau wie seelische Erschöpfung und dadurch eine zunehmende Entfremdung von Freunden und Familie. So verschieden sich die Beschwerden durch eine Fatigue-Erkrankung äußern, so komplex sind auch ihre Ursachen. Diese Ursachen und entsprechende Therapieansätze sind bislang eher wenig erforscht. Forscher nehmen an, dass Fatigue durch den Tumor selbst oder seine Behandlung verursacht werden kann oder durch Stoffwechselstörungen wie eine Blutarmut (Anämie) oder eine Schilddrüsenfehlfunktion. Auch ein Mangel an Hormonen oder Bewegung kann möglicherweise ein Fatigue-Syndrom hervorrufen.

PD Dr. med. Jens Ulrich Rüffer
PD Dr. med. Jens Ulrich Rüffer

ist Humanmediziner und war 15 Jahre als Onkologe in der Universitätsklinik Köln tätig. Er war über Jahre Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie (PSO), Mitglied der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Fatigue Gesellschaft.

www.deutsche-fatigue-gesellschaft.de

Mediziner gehen davon aus, dass gerade bei Fatigue Bewegung grundsätzlich förderlicher ist als weiteres Ausruhen. Patienten sollten in jedem Fall alle Erschöpfungsanzeichen und mögliche Behandlungsoptionen vertrauensvoll mit Ihrem Arzt besprechen. Weitere Informationen zum Thema Fatigue bei Brustkrebs finden Sie im Interview mit PD Dr. med. Jens Ulrich Rüffer.

"Zu der Belastung durch die Müdigkeit an sich kommt der Frust, weder beruflich noch sozial den eigenen Ansprüchen genügen zu können."

PD Dr. med. Jens-Ulrich Rüffer

Lymphödeme

Bei einer Operation im Rahmen einer Brustkrebstherapie werden neben dem Tumorgewebe häufig auch nahegelegene Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt. Durch die Unterbrechung der Lymphwege kann es zu einem Lymphödem kommen. Dies ist eine Flüssigkeitsansammlung, die sich, meist einige Monate nach einer Brustoperation, an Brustwand, Arm, Hand und Fingern bilden kann und sich durch Schwellungen bemerkbar macht. Durch manuelle Lymphdrainagen (MLD), Kompressionsbandagen oder -strümpfe, gezielte Übungen und in einigen Fällen durch eine weitere Operation können Lymphödeme behandelt werden. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Lymphödem zu erkranken, steigt mit der Anzahl der entnommenen Lymphknoten. Meist wird heutzutage nur der Wächterlymphknoten entfernt (Sentinel-Node-Biopsie). Dadurch sinkt das Risiko für ein späteres Lymphödem erheblich. 

Polyneuropathie

Einige Zytostatika verursachen Polyneuropathien. Die Patientinnen klagen dann über Kribbeln, Taubheit, Schmerzen oder Überempfindlichkeit in Füßen oder Händen – ein Gefühl, als ob Ameisen über Hände und Füße laufen. Diese Beschwerden werden durch eine sensorische Polyneuropathie verursacht. Hierbei handelt es sich um eine Störung der langen Nervenfasern, bei der Reize von den Nerven nicht mehr richtig ans Gehirn übertragen werden. Die genauen Ursachen der Polyneuropathie sind noch nicht geklärt und sie kann nur symptomatisch gelindert werden. Es gibt medikamentöse und bewegungstherapeutische Behandlungen. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn die Patientin bei den ersten Beschwerden ihren Arzt informiert und sofort behandelt werden kann. Während die weitläufig bekannten Schmerzmittel keine Linderung bringen, können Anti-Epileptika oder auch Anti-Depressiva die Beschwerden reduzieren. Häufig muss man diese zur Schmerzlinderung mit Opiaten kombinieren. Bei der Therapie muss außerdem beachtet werden, welche Beschwerden im Vordergrund stehen. Schmerzen können durch Pflaster mit einem lokalen Betäubungsmittel reduziert werden – die Behandlung muss jedoch regelmäßig wiederholt werden. Verursacht die Taubheit der Gliedmaßen die meisten Beschwerden, können Krankengymnastik, Physiotherapie oder Ergotherapie Linderung verschaffen.

Dr. med. Oliver Hahn
Dr. med. Oliver Hahn

ist niedergelassener Allgemeinmediziner mit eigener Privatpraxis in Köln. Einer seiner Praxisschwerpunkte liegt auf der Behandlung von Polyneuropathie.

www.praxis-hahn.de

Auch im Rahmen der Rehabilitation kann speziell auf die Beschwerden einer sensorischen Polyneuropathie eingegangen werden. Oft lohnt es sich für Patientinnen auch, im Vorfeld einer Chemotherapie das Gespräch mit dem behandelnden Arzt zu suchen. Fragen wie „Kann man prophylaktisch etwas gegen die Polyneuropathie tun?“ und „Was kann ich tun, wenn es akut ist?“ können die Beschwerden der Erkrankung reduzieren und den Alltag der Frauen deutlich erleichtern. Mehr Informationen zum Thema Polyneuropathie finden Sie im Interview mit Herrn Dr. med. Oliver Hahn.

„Die erkrankten Frauen können versuchen, über Vitamine des B-Komplexes und Spurenelemente die Versorgung der Nerven zu verbessern oder über die Einnahme von Selen den oxidativen Stress aufzufangen, um so eine Verbesserung zu erzielen. Orthopädische Schuhe und weiche Einlagen geben ein besseres Festigkeitsgefühl und minimieren den Druck auf den Fuß.“ 

Dr. med. Oliver Hahn

Schmerzen

Im Verlauf einer Krebserkrankung haben Schmerzen oft unterschiedliche Ursachen. Schmerzen durch den Tumor können entstehen, wenn der Tumor das umliegende Gewebe verdrängt und auf benachbarte Organe oder Nerven drückt. Nach der Operation (postoperativ) können Schmerzen in den betroffenen Körperstellen, im Wund- und Narbenbereich und an den umliegenden Nerven auftauchen. Auch insbesondere durch die Chemo- und Strahlentherapie kann es zu einem erhöhten Schmerzempfinden kommen. Viele Krebspatienten schildern eine Überempfindlichkeit der Schleimhäute, ein Brennen auf der Haut oder Bauchschmerzen. Körperliche Schmerzen können auch eine Folge von Ängsten und Depressionen sein, die sich direkt auf das körperliche Empfinden auswirken und reale physische Beschwerden auslösen (Psychosomatik).  

Opioide und Opiate

Opioide und Opiate sind stark wirksame Schmerzmittel. Opiate wie Morphin werden aus dem in Schlafmohn enthaltenen Wirkstoff Opium gewonnen. Der Begriff Opioide hingegen bezeichnet alle natürlich oder synthetisch hergestellten opiatähnlichen Wirkstoffe.

Schmerzen werden sehr subjektiv empfunden. Neben der Ursache bezieht der behandelnde Arzt auch die Schmerzintensität, die ein Patient schildert, in die Therapie mit ein. Es ist hilfreich, das Auftauchen von Schmerzen zu dokumentieren und anhand einer Skala festzuhalten, wie sie sich im Laufe der Erkrankung entwickeln. So kann man im Gespräch mit dem Arzt gezielt festlegen, welches Schmerzmittel (Analgetikum) sich am besten eignet, ob die Verordnung von Opioiden angemessen ist oder ob andere nicht-opioide Analgetika ausreichen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterteilt Schmerzmittel in drei Kategorien. Je nach Schmerzstärke kommen unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz. Bei leichten Schmerzen werden Präparate der Stufe I und bei sehr starken Schmerzen Medikamente der Stufe III verabreicht.  

Einteilung der Schmerzmittel nach WHO
Einteilung der Schmerzmittel nach WHO

Hormonelle Erscheinungen

Viele Brustkrebspatientinnen erhalten antihormonelle Präparate, da ihr Brustkrebs hormonabhängig ist. Die Präparate unterbinden die Produktion von Östrogen oder verhindern die Wirkung von Östrogen an den Hormonrezeptoren der Tumorzellen. Typische Beschwerden dieser Therapieart können das Ausbleiben der Monatsblutung, Nervosität, Schleimhauttrockenheit, Schlafstörungen, Gelenkschmerzen oder eine Gewichtsveränderung sein.

Seelische Belastung

Eine Krebserkrankung stellt eine große Belastung für Körper und Seele einer Frau dar. Viele Frauen leiden unter existentiellen Ängsten und Sorgen vor einem Rückfall und dem Tod. Zudem empfinden sich viele Frauen durch Veränderungen der Brust oder deren vollständiger Entfernung nicht mehr als weiblich und attraktiv. In den meisten Fällen treten die Probleme nur zeitweise auf. Die Gespräche mit dem Psychoonkologen können entlasten. Selten stellen sich Depressionen ein, die mit Medikamenten behandelt werden müssen.

Dr. med. Andrea Petermann-Meyer
Dr. med. Andrea Petermann-Meyer

ist Ärztin, Psychotherapeutin und Psychoonkologin. Sie arbeitet seit 1998 in einer eigenen Praxis mit dem Schwerpunkt Psychoonkologie in Aachen. Außerdem leitet sie seit 2011 die Sektion Psychoonkologie am ECCA (Euregionales comprehensive Cancer Center Aachen).

www.lebenmitkrebs-aachen.de

Während die medizinische Behandlung meist einem klaren Ablauf folgt und somit Struktur und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln kann, ist eine psychoonkologische Unterstützung ein Angebot, für das sich jede Patientin individuell entscheidet. Weitere Informationen zu psychologischer Unterstützung finden Sie im Interview mit Frau Dr. med. Andrea Petermann-Meyer (Ärztin, Psychotherapeutin und Psychoonkologin).

Nicht alles ist so wie vorher – Angelika, Diagnose 2011

Psychoonkologen haben sich auf die Betreuung von Krebspatientinnen spezialisiert und kennen die Probleme der Frauen. Sie können dabei helfen, mit der Erkrankung und den Ängsten besser umzugehen und das Beste aus der Situation zu machen. Wer diese Chance nutzt, ist keineswegs psychisch krank, sondern lässt sich dabei helfen, die Krankheit aktiv zu verarbeiten. Wann dieses Angebot wichtig wird, ist für jede Patientin ganz unterschiedlich. Manche Frauen haben schon direkt nach der Diagnose das Bedürfnis nach Unterstützung, bei anderen tritt der Wunsch erst nach Abschluss der Behandlung auf. Sprechen Sie mit ihrem Arzt über die Möglichkeiten in ihrer Umgebung. Der Krebsinformationsdienst (KID) bietet Ihnen zudem die Möglichkeit, nach ambulant psychotherapeutisch arbeitenden Psychoonkologen in Ihrer Nähe zu suchen. Mehr Informationen unter www.krebsinformationsdienst.de

Was kann ich selbst tun?

  • Reden Sie mit Ihrem behandelnden Arzt und besprechen Sie offen alle Fragen und Nebenwirkungen.
  • Beobachten Sie den Verlauf Ihrer Behandlung genau und führen Sie eventuell Tagebuch.
  • Informieren Sie sich über die Erkrankung – etwa auf der Website der Deutschen Krebshilfe zum Thema Schmerztherapie.
  • Lassen Sie sich von auf Schmerztherapie spezialisierten Fachärzten beraten.
  • Tauschen Sie sich in einer Selbsthilfegruppe aus oder suchen Sie Hilfe in der psychoonkologischen Beratung.
  • Bewegen Sie sich und finden Sie Ihren persönlichen Ausgleich beim Ausdauersport, Yoga oder dem Tanzen.
  • Tun Sie sich bewusst etwas Gutes und bauen Sie Momente der Entspannung in Ihren Alltag ein.