Haarausfall durch Chemotherapie? Perücken und Co. für mehr Selbstbewusstsein

Tipps für die Haar- und Kopfhautpflege

„Jetzt auch noch eine Glatze!“ Patientinnen, die im Verlauf einer Therapie ihre Haare verloren haben, empfinden eine Glatze oft als Makel, der ihre Erkrankung für andere sofort sichtbar macht. Keine Sorge - Chemomützen, -tücher und andere Kopfbedeckungen bieten viele Gestaltungs- und Stylingmöglichkeiten. Wir zeigen, wie Sie modische Akzente setzen, damit Sie sich trotz Chemotherapie attraktiv und wohl fühlen.

Haare gelten besonders bei Frauen als Ausdruck von Schönheit, Weiblichkeit und Individualität. Viele Patientinnen erleben den Verlust ihrer Haare bei einer Chemotherapie daher als besonders gravierend.

Ob und wann Ihre Haare nach einer Chemotherapie ausfallen, hängt von den eingesetzten Medikamenten ab. Wenn dieser Fall eintreten sollte, seine Sie beruhigt: Ihre Haare wachsen einige Wochen nach dem Ende der Chemotherapie etwa einen Zentimeter im Monat! Manchmal sind Struktur oder Farbe etwas anders als vorher. Bei vielen Patientinnen sind die Haare bereits drei Monate nach Therapieende soweit nachgewachsen, dass sie sich wieder wohlfühlen.

Im Folgenden finden Sie Tipps für das Styling bei Haarausfall nach einer Krebstherapie, häufig auch „Chemoglatze“ genannt.

Chemoschals, -tücher, -mützen und viele kreative Ideen für Ihr Outfit

Es gibt eine ganze Reihe von attraktiven Möglichkeiten, mit Schals, Tüchern, Mützen oder Perücken die Zwischenzeit zu überbrücken. Kopftücher so zu drapieren, dass es elegant oder lässig aussieht, geht mit etwas Übung schnell. Wir haben eine raffiniert Bindetechnik für Sie zum Ausprobieren ausgesucht.

Mützen sind zurzeit im Trend und werden auch indoor getragen. Da „oversized“ in ist, verschwinden Haare ohnehin unter solchen Mützen. Kopftücher sind gerade im Sommer ein guter Sonnenschutz. Auch hier gibt es einen aktuellen modischen Trend. Lassen Sie sich inspirieren!

Perücken für Chemopatientinnen – Kunst- oder Echthaar?

Wenn Ihnen eine Perücke lieber ist, haben Sie die Wahl. Es gibt eine Vielzahl von Modellen in allen Formen und Farben. Zweithaarstudios haben meist Erfahrung mit Krebspatienten, die aufgrund ihrer Therapie die Haare verlieren. Eine Erstberatung ist in der Regel kostenlos.

Der richtige Zeitpunkt, sich um eine Perücke zu kümmern, ist für viele Frauen, sobald sie wissen, dass durch die Therapie ihre Haare ausfallen werden und sie sich für eine Perücke entschieden haben. Es kann einige Zeit dauern, bis sie vom Friseur angepasst ist.

Kunsthaarperücken sindleicht und vergleichsweise preiswert. Sie sind etwas einfacher zu pflegen als Echthaarperücken und ab etwa 350 Euro erhältlich.

Echthaarperücken vermitteln ein natürlicheres Tragegefühl und lassen sich gut stylen. Sie sind allerdings auch deutlich teurer: Dafür sollte sich etwa mit 700 Euro oder mehr rechnen. Maßanfertigungen gibt es ab ca. 1400 Euro. Der Pflegeaufwand für Echthaarperücken ist größer als bei Kunsthaarperücken, die nach dem Waschen ihr ursprüngliches Styling wieder annehmen.

Tipp: Wann zahlt die Kasse eine Perücke?

Für Frauen übernimmt die Krankenkasse meistens einen Teil der Kosten für eine Perücke. Bei Männern allerdings nur in Ausnahmefällen. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, wie viel Zuschuss Sie erhalten. Das kann je nach Kasse variieren.

Wie Sie Ihre Perücke richtig pflegen

Perücken – ob Kunsthaar oder Echthaar – wollen  gut gepflegt werden. Kämmen Sie Ihre Perücke regelmäßig vorsichtig in trockenem Zustand, damit sie nicht verfilzt. Wie oft Sie Ihre Zweithaare waschen, richtet sich nach Ihrem ganz persönlichen Bedürfnis. Meistens können Sie sie einige Male tragen, bevor eine Wäsche nötig ist. Verwenden Sie spezielle Shampoos und Pflegebalsame. Spülen Sie alle Produkte immer gut aus und rubbeln Sie die Haare nicht trocken. Im nassen Zustand sind die Haare sehr empfindlich. Am einfachsten ist es, die Perücke auf dem Perückenständer trocknen zu lassen. Manche Kunsthaarperücken sind nicht hitzebeständig. Vorsicht also mit heißer Fönluft. Im Zweifelsfall halten Sie sich an die Pflegeanleitung Ihrer Perücke.

Befestigung: Ist die Perücke gut angepasst, sitzt sie auf der haarlosen Kopfhaut gut und benötigt keine zusätzliche Befestigung. Wenn Ihre Haare bereits etwas nachgewachsen sind, hat die Perücke keinen direkten Kontakt mehr zur Haut. Dann kann es sich so anfühlen, als würde sie leicht verrutschen. In die Perücke eingearbeitete Silikonzonen, Klebestreifen oder Clipse verbessern das Tragegefühl und den Halt.

Tipp:

Ihre Kopfhaut benötigt jetzt besondere Pflege. Verwöhnen Sie sie mit pflegenden Ölen, zum Beispiel Mandel- oder Weizenkeimöl. Vielleicht frieren Sie jetzt eher und es ist für Sie angenehmer, auch nachts eine leichte weiche Mütze zu tragen.

Echthaarbänder – Perücke light?

Fühlen Sie sich mit einer Perücke nicht richtig wohl? Dann kommt für Sie vielleicht ein Echthaarband  infrage. Hier sind in ein Baumwollband echte Haare eingearbeitet. Das Band legen Sie um den Kopf und befestigen es am Hinterkopf mit einem Klettverschluss. Darüber wird ein Tuch oder ein Turban drapiert. Echthaarbänder werden individuell nach Ihren Maßen und Farbwünschen gearbeitet und wirken sehr natürlich. Die günstigste Variante kostet etwa 240 Euro. Die Krankenkassen entscheiden nach Einzelfall, ob sie die Kosten für ein Echthaarband erstatten. Fragen Sie vorab, ob das möglich ist.

Kurzhaarfrisuren – praktisch im Trend

Nach Ende der Chemotherapie dauert es meist nicht lange und die ersten Haare wachsen wieder nach. Bereits nach wenigen Wochen lassen sie sich dezent stylen und etwa mit etwas Haarwachs in Form bringen. Der Pflegeaufwand ist überschaubar: Waschen Sie Ihre Haare mit einem mildem Shampoo und trocknen Sie sie vorsichtig mit einem Handtuch. Föhnen ist oft noch gar nicht nötig. Und wenn doch, schonen Sie Ihre Haare, indem Sie nur lauwarm föhnen.

Tipp:

Die Zeitschrift Ökotest hat natürliche Haarfarben und Haarfärbemittel auf Pflanzenbasis getestet

Nachgewachsene Haare färben?

Sie möchten Ihre nachgewachsenen Haare wieder so färben, wie Sie es auch vor Ihrer Krebstherapie gewohnt waren? Das ist prinzipiell möglich. Vielleicht wählen Sie besonders schonende Haarfarben, die Haut und Haare nicht unnötig strapazieren, etwa auf pflanzlicher Basis. Die Haarfarben sollten auch keine Allergien begünstigen.

Hennakronen – lebendige Kunst auf kahlem Kopf

Kennen Sie Hennakronen? Sie sind inspiriert von der indischen Tradition, den Körper mit Henna zu bemalen und zu schmücken. Reines Henna färbt die obersten Hautschicht in orange-braunen Farbtönen. Es muss mehrere Stunden lang einwirken. Für eine „Hennakrone“ wird die Kopfhaut mit Hennapaste verziert. So entsteht ein filigranes und aufwändig gezeichnetes Kunstwerk, das etwa zehn Tage lang hält. Die Träger von Hennakronen sind quasi lebende Kunstwerke. Eine schöne Möglichkeit, selbstbewusst und positiv mit Haarverlust umzugehen.