„Der Krebs hat mir beigebracht: Weniger ist oft mehr. Wie in einem gut dekorierten Schaufenster.“

Weniger ist mehr – mehr Zeit für sich selbst

Andreas Geschichte

Ihre Brustkrebserkrankung kostet Andrea viel Kraft, sie ist oft müde, eine vorher nicht gekannte Müdigkeit. Andrea will auch das nach außen tragen. Dass es ein anstrengender Prozess ist, sich dem Krebs zu stellen – und wieder zurückzufinden in ein aktives Leben. Aber Andrea schafft es. Mit Bewegung in der Gruppe, Segeln und dem Laufsport.

Vor allem psychisch belastet Andrea die Brustkrebserkrankung stark. Bereits als Kind erkrankt sie schwer und verbindet nur negative Assoziationen mit Krankenhäusern und medizinischem Personal. Die Strahlentherapie verläuft besonders schwierig, einmal muss sie die Behandlung abbrechen. Zu viele Aggressionen und Ängste löst die Behandlung aus. Die Ärzte gehen mit Geduld und Aufmerksamkeit auf sie ein. Musik ist es, die ihr letztlich hilft, auch die Sitzungen der Strahlentherapie durchzustehen: ein Stück Vertrautheit in einer fremden Klinik-Welt.

Andrea arbeitet viele Jahre selbstständig in der Gastronomie und hat mit vielen Menschen Kontakt. Als sie erkrankt, macht sie die Erfahrung, dass sich einige Freunde abwenden. „Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen.“ Ihre Eltern sind besonders für sie da und geben ihr Halt. Mit ihrem Vater segelt sie vor, während und nach der Therapie – ihr gemeinsames Gefühl von Freiheit. Sie setzt sich beruflich zurück und lernt, dass sie auf ihren Körper achten muss. „Der Krebs hat mir beigebracht: Weniger ist oft mehr. Wie in einem gut dekorierten Schaufenster.“

  • Portraitbild Andrea
    Andrea
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    Andrea
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    Andrea
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Herausfinden, was neue Energie bringt

Als es ihr etwas besser geht, beginnt sie einen Fitnesskurs speziell für Brustkrebspatientinnen. Ihr Trainer geht genau auf ihre Anforderungen ein und zeigt ihr Übungen, die sie auch mit Turban machen kann. In der Gruppe fühlt sie sich beaufsichtigt und beginnt, den Sport als sichere Auszeit wahrzunehmen. „Wenn mir hier etwas passieren sollte, sind ja immer noch die anderen da, um mir zu helfen.“

Über den Kurs „Outdoor-Fitness“ kommt sie in Berührung mit dem Laufsport, an dem sie schnell Gefallen findet. Sie trainiert regelmäßig und mit einem klaren Ziel vor Augen. Nach nur einem halben Jahr ist sie in der Lage, einen Halbmarathon zu laufen. „ Ich wollte es unbedingt schaffen, egal wie.“ Mittlerweile läuft sie um die 10 Kilometer und hat damit das für sie richtige Maß gefunden. Im Krankenhaus knüpft sie auch neue Bekanntschaften und findet Freunde, die sie in ihren dunkelsten Momenten kennenlernt. Diese Freundschaften pflegt sie bis heute und nimmt Anteil an ihren Geschichten.